Gruner und Jahr:
Schmeißt Kundrun hin?
Der Chef von Gruner und Jahr, Bernd Kundrun, ist aus dem Vorstand des Mutterkonzerns Bertelsmann zurückgetreten. Der Anfang vom kompletten Rückzug?
Große Aufregung zu Weihnachten: Bernd Kundrun, der Chef von Gruner und Jahr, tritt von seinem Posten als Vorstand der Konzernmutter Bertelsmann zurück. Damit dürfte, wie informierte Medienredaktionen vermuten, sein Verbleib an der Spitze des größten deutschen Zeitschriftenverlags kein Thema mehr sein: Bye-bye Bernd. Auslöser der öffentlich ausgetragenen Trennung dürfte das Bekanntwerden von Kundruns Flirt mit den Eigentümern der Sendergruppe ProSiebenSat.1 sein, die nach einem passenden Chef fahndeten. Jemanden mit Sparwut aus der Medienbranche etwa. Wegen ausbleibender Anzeigen hat Kundrun die Park Avenue beerdigt und die Wirtschaftstitel des Hauses in einer Zentralredaktion gebündelt. (Stattdessen entschieden sich die Fernseh-Investoren aber für einen Genußmittel-Manager, der sich schon um Medikamente, Zigaretten und Cola gekümmert hat.)Zwar hat Kundrun den Sparkurs bei Gruner und Jahr umgesetzt, doch seinen Abgang hat er womöglich aus Frust vor weiteren Sparplänen eingeleitet: Wie Zeit Online berichtet, gab es Differenzen um die Frage, wie aktiv der Verlag trotz drohender Rezession und Medienkrise im nächsten Jahr investieren könne “und dafür Mittel freigestellt bekäme”. Bisher reicht Gruner und Jahr jede Menge Geld an die Bertelsmänner weiter, schon vor zwei Jahren habe Kundrun das kritisiert. Geld, das dem Verlag für eigene Projekte fehlt.
Kundruns Rückzug aus dem sechsköpfigen Bertelsmann-Vorstand werde in Gütersloh als Affront gewertet, zitiert der Branchendienst Meedia einen Insider. Gruner und Jahr gehört zu 74,9 Prozent Bertelsmann, seit Anfang des Jahres ist Hartmut Ostrowski Vorstandsvorsitzender, unter ihm soll der Konzernumsatz von 20 auf 30 Milliarden Euro steigen.
“Kundrun bleibt”, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung noch vor einer Woche. Nach dem Abgang aus der Bertelsmann-Führung dürfte dem Gruner-und-Jahr-Chef die in schwierigen Zeiten bedeutende Rückendeckung der Konzernspitze endgültig abhanden gekommen sein – weswegen zurzeit vor allem eine Interpretation auf den Medienseiten und in den Newsletter zu lesen ist: Da schmeißt einer entnervt hin.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.






















Artikel per Feed
Artikel per E-Mail
Artikel bei Twitter
Facebook-Seite