Berliner Verlag:
Zur Zukunft der Netzeitung

Der Berliner Verlag steht offenbar zum Verkauf, Interessenten gibt es auch schon – und was wird aus der Netzeitung? Drei mögliche Szenarien.

Montgomery (M, Keystone)
Montgomery (M, Keystone)
Geldsorgen bei David Montgomerys Mecom-Gruppe: Um finanzielle Engpässe zu überstehen, soll offenbar der Berliner Verlag verkauft werden. Zwei Interessenten haben sich nach einem Bericht des Branchendienstes Kress auch schon gefunden. Doch bei den Spekulationen rund um Berliner Zeitung, Kurier und Morgenpost sowie Josef Depenbrock kommt eine Marke bisher entschieden zu kurz: Die von Einsparungen stark angeschlagene Netzeitung. Deshalb denken wir ein wenig in die Zukunft und präsentieren drei – rein hypothetische – Szenarien:

Noch eine kleine Vorbemerkung: Verkauft werden nach Informationen von Kress der Berliner Verlag und der Morgenpost Verlag, die wie die Netzeitung zur BV Deutsche Zeitungsholding gehören. Da Montgomery aber mit der Netzeitung offenbar gerade nicht viel vorhat, verkauft er sie gleich mit – unterstellen wir für unser Gedankenspiel einfach mal.

Der Berliner Verlag findet zunächst keinen Käufer
Die verbliebenen Mitarbeiter der Netzeitung sind mit dem Bestücken der Seite mit Agenturmaterial gut beschäftigt. Irgendwann kommt jemand auf die Idee, doch mit der Berliner Zeitung gemeinsame Sache zu machen. Ein längst vergessen geglaubtes Konzept wird aus einer Schublade gezogen: Die Netzeitung mischt auf ihrer Seite aktuelle Nachrichten mit längeren Analyse-Stücken und Kommentaren aus der Berliner Zeitung. Lob und Anerkennung von allen Seiten. Die Beteiligten fassen sich an den Kopf: Warum nicht gleich so?

Die WAZ-Gruppe übernimmt den Berliner Verlag
Die Netzeitung wird nicht, wie schon geunkt wird, zur reinen Abladestelle von Agenturtexten. Denn die WAZ macht gerade gute Erfahrungen ohne dpa-Basisdienst und fährt einen harten Sparkurs, was läge also näher, als der Berliner Online-Redaktion den Agenturzugang zu kappen. Daraufhin wechseln die verbliebenen Redakteure genervt zu news.de und nehmen ihre freigesetzten Kollegen gleich mit, unter anderem wird eine Grimme-Preis gekürte Kolumne fortgesetzt.

M. DuMont Schauberg übernimmt den Berliner Verlag
Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau rücken eng zusammen – laut Kress die derzeit wahrscheinlichste Option. Fehlt nur noch die passende Website. Unter der Dachmarke Netzeitung finden die Inhalte der beiden Redaktionen den Weg ins Internet, die Redakteure der beiden Blätter arbeiten längst alle auch für online, schreiben drei bis vier Versionen ihrer Artikel am Tag, den ersten noch vor der großen Redaktionskonferenz. Uwe Vorkötter leitet die größte Online-Redaktion der Republik.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. Fiete Stegers
    schrieb am 27. Dezember 2008 um 22:36 Uhr (#)

    Oder: Die Netzeitung wird einfach abgewickelt.

  2. Hugo E. Martin
    schrieb am 28. Dezember 2008 um 09:25 Uhr (#)

    Von wegen Dachmarke … maximal, wenn einer der traditionellen Player den Laden inkl. Netzeitung übernimmt, bleibt ‘Netzeitung’ als Bezeichnung eines Newstickers noch eine Weile vorhanden. Überlebenschancen bietet wohl eher ein MBO und/oder ein weißer Ritter.

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