Gekonnter Schachzug:
Xing kauft Social-News-Site socialmedian

Marcel Weiss, 19. Dezember 2008 16:45 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Das deutsche Business-Netzwerk Xing kauft überraschend das noch junge socialmedian aus New York. Der CEO von socialmedian wird Xing bei dem Aufbau der Applikations-Plattform helfen.

Socialmedian ist eine relativ junge Site im Social-News-Sektor. Auf socialmedian können User Nachrichten einstellen, die andere Nutzer wiederrum ähnlich wie bei Digg oder dem deutschen YiGG hochvoten können. Man kann einzelnen Nutzern folgen oder sogenannten “news networks”, die um bestimmte Themen herum gebildet werden. Jeder kann ein solches Network gründen oder einem beitreten.

Erst am 31. Juli 2008 ist socialmedian in die Public Beta gegangen. Relativ unbemerkt von den größeren Techblogs ist socialmedian in den letzten Monaten sehr stark gewachsen. Das lag vor allem an einer Neuerung: Ähnlich wie bei Lifestreaming-Diensten wie FriendFeed kann man seit einigen Monaten Einträge von außerhalb einspeisen. Man muss nun nicht mehr die Nachrichten extra auf socialmedian einstellen, sondern kann etwa die Shared Items von GoogleReader und Einträge aus anderen Quellen einfließen lassen. Das führte zu mehr Inhalten und letztlich zu mehr Aktivität auf der Site.

Compete zeigt beachtliches Wachstum für socialmedian, das zu einem guten Teil allerdings sicherlich der US-Präsidentenwahl geschuldet war:

Zum Kaufpreis hat Xing bekanntgegeben:

Der Kaufpreis, bestehend aus Cash und Aktien,
beträgt 2,9 Mio. Euro zzgl. eines erfolgsabhängigen Earn-Outs von 0,5 – 2,5
Mio. Euro, der über die nächste drei Jahre zu zahlen ist.

Warum kauft Xing nun eine Nachrichtensite?

Wie Xings Lars Hinrichs ausführt, ist es im Geschäftsleben wichtig, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Social-News-Dienste wie socialmedian können helfen, die für einen individuell relevanten Nachrichten ohne hohen Zeitaufwand herauszufiltern.

Es scheint, dass die Filtertechnologie von socialmedian in Xing integriert werden soll, so dass Nachrichten verschiedenster Art ihre Wege durch den Social Graph finden. Der personalisierte Nachrichtenfluss, der zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil werden kann, scheint so in naher Zukunft zu einer wichtigen Säule für Xing zu werden.

Die Konzentration auf Informationen und Informationsflüsse auf Basis des persönlichen Netzwerkes sind eine logische und richtige strategische Weiterentwicklung für Xing. Unabhängig davon, ob es sich um Statusupdates von Bekannten, Veranstaltungen oder Hinweise auf interessante Artikel handelt: Wer relevante Informationen bieten kann, hat eine Plattform an der Hand, die häufiger aufgesucht werden wird.

Jason Goldberg, der CEO von socialmedian, wird außerdem am 14. Januar 2009 als Vizepräsident der Xing Applications Platform in Hamburg anfangen. Eine seiner ersten Aufgaben wird sein, die socialmedian-Funktionen in die Xing-Applikationen zu integrieren.

Goldbergs Aufgabe wird außerdem der Launch von OpenSocial auf Xing sein. Danach wird er verantwortlich für strategische Partnerschaften auf der OpenSocial-Basis sein.

In einem Interview mit TheNextWeb.com deutet Goldberg an, dass man auch eigene Applikationen für die kommende Xing-Plattform schreiben wird. Jason Goldberg will nun 2009 zwei Sprachen lernen: Deutsch und Ruby on Rails. Socialmedian ist in Ruby programmiert.

Socialmedian bleibt als eigenständiger Dienst bestehen.

Man findet mich auf socialmedian hier.

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7 Kommentare

  1. Lisa
    schrieb am 19. Dezember 2008 um 17:01 Uhr (#)

    Gratulatione & happy holidays from the [Link entfernt da werblich] team from Munich / Germany

    Xing is listed and the shares is down by -1,41 %

  2. wolfgang
    schrieb am 19. Dezember 2008 um 18:10 Uhr (#)

    Geil. Jetzt ist die “Praktikantin” Lisa auch hier angekommen.
    Dich kennen wir doch schon, Tho-äääh – Lisa.

    Ich wollte ja eigentlich noch auf der Kommentarschlacht bei “Die Ära der Facebook-Applikationen ist vorbei” die Frage stellen, wann Xing wohl Apps integrieren wird, damit ich das auch mal ausprobieren kann. Auf FB hab ich einfach keine Lust, ich kenn da keinen – moment – noch schlimmer, ich kenne nur Leute die FB entweder nicht kennen oder abgrundtief hassen;)
    Aber jetzt kommt hier schon die Antwort: Ja!
    Alles entwickelt von jemanden, der jetzt erst mal Deutsch und Ruby lernt (Der Satz hat mich etwas verwirrt).
    Ich frag mich, ob es für Xing (nutze ich täglich) dann auch bald so hilfreiche und von Martin auf FB benutzte Apps gibt, wie:
    - Fussball-Bundesliga-Tabelle
    - YouTube Videobox
    - favorisierte Biere

    Martin, nimms mir bitte nicht übel;)

  3. dani
    schrieb am 19. Dezember 2008 um 19:31 Uhr (#)

    Sehr interessant finde ich die Tatsache, dass Xing nicht nur eine amerikanische Firma kauft, sondern auch noch den CEO nach Deutschland bringt. Das zeigt einmal mehr welche Bedeutung Xing hat.

  4. wolfgang
    schrieb am 19. Dezember 2008 um 22:51 Uhr (#)

    Sorry – Spaß bei Seite.

    “Jason Goldberg will nun 2009 zwei Sprachen lernen: Deutsch und Ruby on Rails. Socialmedian ist in Ruby programmiert.”

    Der CEO (!) eines kleinen Startups wird als “Vizepräsident der Applications Platform” eines nicht-mehr Startups eingekauft, und er erzählt (anscheinend ernsthaft), dass er jetzt auch mal endlich “coden” lernen will und zwar mit Ruby (!).
    Hat der jetzt nicht eher andere Aufgaben, als mal eben ein bisschen programmieren zu lernen?

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 20. Dezember 2008 um 11:34 Uhr (#)

    Wolfgang, ich bin wirklich gespannt auf die Xing Apps. Denn gerade die von dir genannten wird es dort ja nicht geben, sondern ausschließlich solche, die tatsächlich im Business- und Karrierezusammenhang Mehrwert schaffen. Insofern bin ich hier recht zuversichtlich (und voller Hoffnung).

  6. wolfgang
    schrieb am 20. Dezember 2008 um 13:58 Uhr (#)

    Klar wird es die nicht geben – das war als Witz gemeint.
    Wobei ich´s auf Xing schon fast wieder lustig fände…(die “favorisierte Biere App” wäre definitiv was für David Brent von “The Office”;)
    Also ich bin auch sehr gespannt und bei Xing tatsächlich zuversichtlich, dass dabei was Sinnvolles rauskommt.

  7. Quasi
    schrieb am 16. Januar 2009 um 21:27 Uhr (#)

    Xing verspielt auf diese Weise etwas sehr wertvolles. Vertrauen.

    Die Einstellung dieser Funktionalität wurde weder kommuniziert, noch war sie deaktiviert, sondern wurde voll aktiviert den Usern ins Profil gesetzt.

    Ich halte dieses für absolut unseriös.

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