Netzeitung:
Altpapiers Abschiedsvorstellung

Liebe Kollegen eingespart: Die von uns geschätzte Medienkolumne der Netzeitung wird eingestellt. Schuld am Ende des “Altpapiers” trägt natürlich das Internet.

Dreimal werden wir noch wach … Die von uns allseits geschätzte Medienkolumne “Altpapier” der Netzeitung fällt einem Sparkurs zum Opfer. Freie Redakteure der Netzeitung müssen gehen, angestellte Mitarbeiter übernehmen stattdessen wohl künftig vor allem das Befüllen der Seite mit Agenturmaterial – und haben entsprechend weniger Zeit für eigene Artikel. Eigene Texte wiederum könnten aus der ebenfalls wund gesparten Berliner Zeitung kommen, aber das wird man abwarten müssen.

Auf der Strecke bleibt die seit dem Jahr 2000 erscheinende Medienkolumne, die sich hinreißend um die Nachrichten von gestern, um das “Altpapier” gekümmert hat. Acht Jahre später scheint das bei all dem Gezwitscher im Internet, den Newslettern und Blogs, fast schon etwas altbacken. Fast.

Schuld an der Misere hat aber nicht nur der Verlag dahinter, Heuschrecke Montgomery, sondern auch der Branchendienst Turi2. Schreibt jedenfalls die taz, schließlich erscheint der “um steile Thesen nie verlegene Mediendienst” gleich zweimal am Tag, das “Altpapier” sei “unwichtiger” geworden. Neben der hektischen Nachrichtenschleuder bleibt nunmehr der “Medienticker” des Perlentauchers für die Kommentierung und Einordnung (und unser eigenes Format “6 vor 9″, hüstel-hüstel).

Die Frühaufsteher von Turi2 haben also das “Altpapier” zur Strecke gebracht, die Robert Basics haben gewonnen. “Unwichtiger” kann eine kritische, leicht zeitversetzte Einordnung des Mediengeschehens allerdings gar nicht werden. Noch dazu angenehm zu lesen, bestimmt in der Auswahl und so weiter, Lob, Lob, Lob, der meist einzige Grund, die Netzeitung überhaupt noch anzuklicken.

Während Peter Turi die “Altpapier”-Schreiber per Stellenanzeige zu seinem trendigen Web-2.0-Startup lockt, revanchiert sich widmet das “Altpapier” heute und widmet die Kolumne “The one and only Peter Turi”, zitiert die “hottesten News” – und Thomas Bernhard. [Update: Beim "Altpapier" legt man wert darauf, dass man sich nicht bei Turi2 revanchiert hat - schließlich ist die Kolumne eine halbe Stunde vor der Turi2-Anzeige erscheinen. Da ist was dran und wir ärgern uns über diese Nachlässigkeit.]

Das “Altpapier” siecht sich allerdings nicht dem Ende entgegen – es strahlt. Zum Beispiel mit dem Hinweis auf die YouTube-Videos der Gruppe Reproducts, die aus alten Fernsehaufnahmen wahnsinnig komische Kunstwerke zusammenschneidet.

Was da noch alles zum Abschied abgefeuert wird? Noch dreimal füllt sich der Altpapierkorb. Wir werden – und da sind wir auch wieder ganz bei der taz – das “Altpapier” vermissen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Torsten
    schrieb am 17. Dezember 2008 um 10:41 Uhr (#)

    Wer Turi2 als Konkurrenz oder gar Ersatz des Altpapiers sieht, kann beruhigt als funktionaler Anaphabet bezeichnet werden.

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