Sechsmal um den Blog:
Diebe, Düsseldorf, Drehbücher

Warum Blogs faszinierend und absolut lesenswert sind, zeigen wir regelmäßig in unseren kleinen Streifzügen durch die Blogosphäre: Sechs Blogs, die es zu entdecken lohnt.

1. Rainer’sche Post:Ich danke herzlich für diese Informationen! Das ist es, was man anderswo lesen möchte, aber nicht zu lesen bekommt, nichtmal ansatzweise” – hmmm, wo sich die Leser derart überschlagen, muss wohl eine Qualitätszeitung einen fundierten Bericht veröffentlicht haben? Nö, es ist nur die Rainer’sche Post aus Düsseldorf, die mit ihren Artikeln uns immer qualitative Antworten auf jene Frage gibt, weshalb der Old-School-Journalismus gegenüber dem Internet zurückbleibt. Beim Rainer, da leben eben die Texte, bei den anderen dagegen …

2. Weißgarnix: Schaut man sich derzeit die rechte Wirtschaftskompetenz an, wobei ich noch nicht einmal diese berüchtigte Headline der ‘Weltwoche‘ meine, sondern schlicht bspw. nur die aktuelle Ablehnung des Rettungspaketes für Detroit durch die Bush-Männer im amerikanischen Senat, dann fragen sich manche Leser verwirrt, ob es nicht ersatzweise auch jenseits all der ideologisch abgewirtschafteten ‘Financial Times Deutschland’-Nachtrompeter irgendwo eine linke Wirtschaftskompetenz geben könnte, die ersatzweise ebenfalls zu wissen vorgibt, wo Bartel den Most holt. So etwas gibt es durchaus – unter anderem dort. Nur ist das, was diese beiden Weißgarnixe dort anstimmen, leider so gar nicht aufschwungskompatibel und hoffnungserweckend.

3. Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn: Berufsblogs gefallen mir gut – allein schon deshalb, weil man Einblicke in fremde Lebenswelten erhält. Bei Bedarf lassen sich diese Leseerfahrungen später sogar verwursten, bspw. für Drehbücher oder Artikel. Das Blog über den Buchhändleralltag ist ein solches Blog, das uns in den ‘Menschenzoo’ des Kulturerwerbs führt – eine unterhaltsame Lektüre ist es noch dazu, allein schon wegen der schrillen Kundenanfragen: “Meine Frau wünscht sich das Buch >Schlechtes Koma<. Irgendwas mit einer Ameise drauf. Weiß auch nicht, was der Quatsch sein soll.” –> Wir schon. >Mieses Karma< von Safier.

4. Erik, Wortjongleur: Erik Keller ist ein textgewandter Autor, vor allem wohl zu IT-Themen, wenn ich der Buchliste bei Amazon vertrauen darf. In diesem Blog spricht er aber nicht über IT-Technik, sondern über ‘narrative Themen’, über das Schreiben an und für sich. Eine unverzichtbare Kunst, die jeder gerade dann beherrschen sollte, wenn er diese Nerd-Themen abhandelt. Keller bespricht dabei alle möglichen Bücher, die sich mit dem Thema ‘Texten’ beschäftigen und misst sie an seinem Alltag. ‘Erik, Wortjongleur‘ ist gewissermaßen ein Muss für auf der gut sortierten Blogroll des gadget-affinen Netzbewohners. Täglich vorbeizuschauen lohnt sich allerdings nicht, die Abstände zwischen den Beiträgen liegen schon mal Wochen auseinander.

5. Mumien, Analphabeten, Diebe: Schwer assoziativ geht’s zumeist beim mad-Blogger zu (‘Mumien, Analphabeten, Diebe’). Nach 30 Zeilen Wortantrieb hat man Seite an Seite mit dem Autor schon den Glykol-Skandal hinter sich, die Rust-Landung auf dem Roten Platz, den weiland Finanzminister Matthöfer und noch so allerlei. Die dahinmäandernde Irrelevanz behäbig vor sich hin funkender Synapsen wurde hier zum Prinzip erhoben. Mir gefällt’s. Wem nicht, der muss es ja nicht gucken …

6. Meinungsmacherblog: Nur aus Kuriosität erwähne ich dieses Blog ehemals blitzblanker Netz-Ideologie, die heute schon dicke Patina aufweist. Während das Netz sich selbstverständlich immer noch weiterentwickelt – so tut es dies doch NICHT in Richtung auf die Lounge jener erwartungsfroher Netzpropheten, die dort bei einem Martini erwartungsfroh auf das ökonomische Heil aus dem Web 2.0 hofften. Damit hängt es vielleicht zusammen, dass das Meinungsmacherblog von Dr. Ansgar Zerfaß zuletzt am 4. November aktualisiert wurde, davor am 18. Juni. Ich jedenfalls entwickele Déjà-vu-Gefühle, lacht mich dort eine Headline an, die da lautet: “Weblogs als Herausforderung für Kampagne, Marketing, PR und Medien“. Ach ja, ach ja – those were the days … Oder: Où sont les neiges d’antan?

So – und schon hätten wir wieder mal sechs deutschsprachige Blogs mühelos auf unsere Perlenkette gezogen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. Klaus
    schrieb am 14. Dezember 2008 um 00:12 Uhr (#)

    Tolle Rubrik! Aber schon zum dritten Mal die Weissgarnix-Empfehlung – innerhalb der letzten 5 Folgen ;)

  2. Klaus Jarchow
    schrieb am 14. Dezember 2008 um 09:33 Uhr (#)

    Oha … Freud hilf! Und: Mea culpa! Ich arbeite ja nicht eine Liste ab, sondern spontan aus dem Gedächtnis heraus. Bei denen dachte ich dann wohl jedesmal, ich hätte sie noch gar nicht erwähnt. Naja, es trifft ja keine Schlechten. Jetzt aber müssen sie erst mal drei Jahre lang ohne Erwähnung auskommen, von denen weiß ich erst mal gar nix!

    ;-)

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