Google Chrome 1.0:
Schluss mit Beta

Google beendet überraschend die Beta-Phase seines Browsers Chrome und lässt ihn von Version 0.4.x auf 1.0.x springen.

Das ging erstaunlich fix: Nur 3 Monate nach der überraschenden Ankündigung eines eigenen Browsers und der Veröffentlichung der Beta-Vorabversion von Chrome am darauf folgenden Tag verkündet Google nun offiziell das Ende der Beta-Testphase von Google Chrome und gibt der neuen Version die Nummer 1.0.154.36.

Mit der 1.0-Version kommen aber nicht wie üblich bei Software viele neue Features oder eine optimierte Oberfläche hinzu. Google hat der neuen Chrome-Version neben Fehler-Patches lediglich eine von vielen Usern gewünschte Bookmarkverwaltung hinzugefügt.

Eine Version für Linux und Mac OS X fehlen weiterhin. Auch die bereits angekündigte firefoxähnliche Unterstützung von Erweiterungen steht noch aus. Beides sind als die nächsten Schritte geplant.

Warum dann der plötzliche Sprung auf 1.0 und heraus aus der Beta?

Google ist immerhin bekannt dafür, mit dem Verkünden des Endes von Betaphasen der eigenen Produkte, sagen wir, eher vorsichtig umzugehen.

Wie mir netzwertig.com-Kollege und Beta-Experte Markus Spath mitteilte, hat Google noch über 80 Webangebote im Beta-Stadium. Darunter nicht wenige seit Jahren. Die Erklärung von Googles Marissa Mayer, dass Software schnell aus dem Beta-Status herauskommen muss, während Webservices in Beta für Jahre bleiben können, halte ich für Humbug.

Google Chrome ist nach drei Monaten kein Durchstarter bei den Marktanteilen, aber auch kein Totalausfall (dazu gleich mehr). Auch wenn Googles Interesse mit Chrome in erster Linie nicht der Dominierung des Browsermarktes gilt, kann ein eigener Browser mit solider Verbreitung nicht schaden.

An drei Fronten kann Chrome vom Versionssprung profitieren:

Ein ‘sicherer’ Browser, weil fertig entwickelt in der offiziellen Version 1.0, wird mehr neugierige Nutzer zum Ausprobieren bewegen können, als eine obskure 0.4-Version. Hersteller Google hin oder her. Die Hemmschwelle, neue Software zu installieren, ist bei den Konsumenten mittlerweile ausgesprochen hoch.

Ebenso sind mögliche Distributionspartner an einer offiziellen, vollständigen Version interessiert:

Einer der Gründe für die rasche Veröffentlichung der finalen Version dürfte das Interesse von Distributionspartnern sein. Es gebe eine Reihe von interessierten Kunden, darunter OEMs, die den Browser aber nicht vertreiben könnten, solange er nicht in einer finalen Version vorliege. Das sagte die Google-Pressechefin Marissa Mayer am gestrigen Mittwoch in einem Interview auf der Konferenz Le Web

Auch der Unternehmensbereich dürfte mit Chrome 1.0 nun erreichbar sein. Denn wie ich zum Launch von Google Chrome schrieb:

Ich habe es bis jetzt in keinem der Artikel über Google Chrome gelesen, aber ich habe das Gefühl, dass der neue Browser als erster eine Chance haben könnte, den in Unternehmen geradezu lächerlich überdominanten Internet Explorer Marktanteile abzunehmen. Warum? Unter anderem der oben angesprochene Schwerpunkt der Sicherheit, der in Unternehmen eine wichtige Rolle spielt (oder spielen sollte).

Dazu kommt noch die Herkunft: Es dürfte weitaus einfacher sein, den Einsatz eines nicht von Microsoft stammenden Browsers an das Management zu verkaufen, wenn er von Google kommt, als ein kostenlos von irgendeiner Stiftung gebauter Browser oder ein Browser, der von einem obskuren kleinen norwegischen Unternehmen hergestellt wird.

Google Chrome hat auf netzwertig.com einen Marktanteil von aktuell 2.5%, das liegt ungefähr gleichauf mit Opera (3%). Nach drei Monaten in einem gesättigten Markt ist das nicht schlecht. Mit unter anderem einem Firefox-Anteil von über 56% dürfte die netzwertig.com-Klientel allerdings kaum repräsentativ sein. Einige Studien sehen Chromes Marktanteil bei weniger als einem Prozent, aber immerhin noch vor Opera.

Trotzdem: Nur unbedarfte Beobachter bezeichnen diesen Marktanteil nach dieser kurzen Zeit als Niederlage. Praktisch aus dem Stehgreif konnte Google einen Marktanteil erreichen, der noch vor dem des langjährigen Browserherstellers Opera liegt.

Davon abgesehen, dass ein Vergleich von Chrome mit den anderen Browsern nicht exakt den Kern des Google-Browsers trifft, ist Chrome für Google in erster Linie eh Mittel zum Zweck:

Man will das Web und da besonders Webapplikationen besser benutzbar machen. Die mit Chrome unter Open Source verfügbar gemachten Weiterentwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Browserlandschaft sind Google letztlich wichtiger als ein hoher Marktanteil im Browsergeschäft. Der ist natürlich trotzdem gern gesehen und wäre der Zuckerguss auf dem Chromekuchen.

Das Web besser nutzbar machen. Das ist Googles Ziel mit der Chrome-Technologie. Ähnlich verhält es sich mit dem diese Woche vorgestellten Google Native Client.

Die Wahrheit hinter beiden Geschichten, Chrome und Native Client, ist: Google ist ungeduldig geworden und greift der Entwicklergemeinde unter die Arme, um das Web insgesamt und damit die (Werbe-)Einnahmen von Google voranzubringen. Ein Browser in der Version 1.0.x kann da nicht schaden. Beta-Schmuddelmodus schon.

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1 Kommentar

  1. ChristianM
    schrieb am 12. Dezember 2008 um 17:36 Uhr (#)

    Ich werde mir den Browser auf jedenfall mal anschauen. Auch wenn ich von Google nichts halte. Es wäre aber toll, wenn bald ein Linux Client rauskäme.

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