Audio im Netz:
Ton fürs Internet

Ole Reißmann, 5. Dezember 2008 12:47 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Voll auf die Ohren: Vorschläge für den Einsatz von Audio im Netz. Im ersten Teil: Warum nur Jingles, wieso Interviews, bessere Podcasts und Musik nie ohne Musik.


Neulich habe ich mich hier gefragt “Radio im Internet – aber warum?”. Anlass war ein kurzer Radiobeitrag auf einer nachrichtlichen Seite, für dessen Inhalt ich mich interessiert habe. Nur das Format hat mich abgeschreckt. Deswegen hier eine erste noch eher subjektive Sammlung, wann Audio im Internet eine gute Idee ist. Später soll daraus einmal eine Liste mit nützlichen Tipps werden – doch bis dahin freue ich mich über Kommentare und Anmerkungen.

Wenn über Musik berichtet wird – womöglich sogar Musiker oder Bands vorstellt werden, erst recht bei der Rezension eines Albums – muss die Musik zu hören sein, und sei es nur Ausschnittsweise. Plattenfirmen stellen oftmals Soundschnippsel bereit, einige sogar ganze Lieder oder komplette Alben, wie beim Schweizer Online-Musikmagazin 78s zu hören. Bei MTV Music, auf MySpace, YouTube und eigenen Seiten haben Labels und Bands ihre Musik im Netz. Oft lassen sich die Player “einbetten”, also über einen kleinen Code-Schnippsel auf der eigenen Seite einbinden.

Interviews im Netz lese ich am liebsten. Fragen, die mich nicht interessieren, kann ich überspringen. Fragen, bei denen nichts herumgekommen ist, hat der Redakteur herausgestrichen. Bei unklaren Antworten hat der Fragesteller seinen Interviewgast nachträglich noch einmal gefragt. Das geführte Gespräch als Zusatzangebot zum Download anzubieten ist hingegen eine gute Idee. Vor allem kann ich vorher einschätzen, worauf ich mich einlasse, wenn ich mir etliche Minuten Gespräch auf den MP3-Player ziehe.

Podcasts leben sicherlich von anarchischer Spontaneität, von Persönlichkeiten, die alleine oder im Verbund frei von der Leber weg sabbeln. Das interessiert dann ein paar Hardcore-Fans – womit noch überhaupt nichts gegen dieses Format gesagt ist. Aber ein Podcast wird interessanter, ganz unabhängig vom Thema, wenn der Inhalt nicht bloß in Stichworten geplant ist – sondern ausformuliert. Nur wenige sind begnadete Sprecher, die auf Anhieb klare Sätze ohne Füllwörter und “‘Ähms” hinbekommen. Auch die gut gelaunten Radiomoderatoren im Morgenprogramm schreiben sich vorher auf, was sie sagen wollen. Denn dann sagen sie es auch, ohne Umwege, auf den Punkt gebracht.

Audio im Netz ist kein Radio! Aufwendige “Jingles” und Vorspänne sind kein Muss. Irgendwie wird der Nutzer gezielt den Inhalt gefunden haben, den er nun gleich abrufen wird. Also hat er bereits einen Namen gelesen, ein Bild gesehen. Klickt er nun auf den Link zum Audio, soll es losgehen mit dem Inhalt. Wenn ich auf einer Seite bin, die “Peters Podcast” heißt und auf den Link zur MP3-Datei klicke, der “Peters Podcast Nr. 53″ heißt, dann brauche ich keinen 20 Sekündigen Vorspann mit Musik und Effekten, der nur sagt: “Das hier ist Peters Podcast”. Dass Peter mich am Anfang begrüßt zu seinem 53. Podcast ist hingegen geradezu unverzichtbar.

Fortsetzung folgt: Soundslides, Reportagen, Features

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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8 Kommentare

  1. Erst die Dundee
    schrieb am 5. Dezember 2008 um 15:38 Uhr (#)

    Audio im Netz. Eines der wenigen Internetformate, wo in vielen Teilen noch die Anarchie der ersten Stunde herrscht.
    Grundsätzlich antworte ich auf Anfragen nach Audio-Produktion gerne mit dem Hinweis: Was bringt es dem User, wenn er die Geschichte hört?

    - Interviews: …mit Politikern sind meiner Meinung besser in schriftlicher Form nachzuverfolgen. Gründe siehe oben. Bei einem Interview mit jemanden, der unter dem Eindruck eines Geschehnisses steht, möchte ich dagegen anhören. Ich erinnere mich an ein SWR1-Interview mit einem Mann, der unschuldig im Iran im Knast saß. Was der Mann erlebt hat, hätte ein Text – Bilder hin oder her – nie transportieren können.

    - Audiogalerien: Der Ton trägt die Geschichte. Kann der Ton die Geschichte nich tragen, bringt es auch nichts, die Story in eine Audiogalerie zu quetschen.

    - Podcasts: Waren vor vier, fünf Jahren noch anarchischer als heute und werden oft verwechselt mit einmalig erscheinenden Audio-Clips im Netz. Unter den gut gemachten Amateurpodcasts gibt es oftmals echte Perlen. Dieses Format aber für Verlage zu erschließen, ist fast unmöglich, weil sich (zurecht) kein Verlag mit schlechten Audio-Produktionen blamieren möchte. Im Umkehrschluss aber auch fast kein Verlag Geld hat, um richtig gut gemachte Podcasts zu produzieren.

  2. Thomas Wanhoff
    schrieb am 5. Dezember 2008 um 16:57 Uhr (#)

    “Podcasts leben sicherlich von anarchischer Spontaneität, von Persönlichkeiten, die alleine oder im Verbund frei von der Leber weg sabbeln.”
    Einspruch: Podcasts sind zunächst mal ein technischer Kanal zur Verbreitung von Audio-und Videoinhalten. Zeit- und Ortsunabhängiges Radio also. Die meisten Podcast-Downloads haben deshalb auch die Profis von den Sendern. Also bitte Vorsicht mit solchen Klischees.

    Was Interviews angeht, so glaube ich – siehe SWR1-Leute – dass Zuhören bei einem gut geführten Gespräch viel mehr Spaß macht als zwischen den Zeilen zu springen.

    “Fragen, die mich nicht interessieren, kann ich überspringen.”
    Beim Podcast kannst Du auch vorspulen, aber ein Interviews ist ja manchmal auch mehr als nur die Aneinanderreihung von Fragen.
    “Fragen, bei denen nichts herumgekommen ist, hat der Redakteur herausgestrichen.”
    Bisweilen macht er das aber auch weil er nur einen begrenzten Platz hat.

    Zum Thema Musik: “Plattenfirmen stellen oftmals Soundschnippsel bereit”. Mag ja sein, Die Gema sieht das ab anders, auch bei Schnipseln. Also aufpassen!!!

  3. bugsierer
    schrieb am 5. Dezember 2008 um 18:20 Uhr (#)

    ich höre sehr viele podcasts, aber fast nur solche von radiostationen. talkshows, reportagen, interviews, magazine etc. via itunes gibt es mehr erstklassigen radiostoff als man hören kann. ideal für unterwegs, zum abwaschen oder im bett.

    private podcasts sind meistens zu schwatzhaft oder zu schlecht gemacht, bisher hab ich noch keinen schlauen gefunden (ausser bel etage von handelblatt/knüwer). aber vermutlich hab ich die richtige highlights liste noch nicht gefunden.

  4. Jan
    schrieb am 6. Dezember 2008 um 00:59 Uhr (#)

    Komisch, mir wiederum sind die Radio-Podcasts zu 08/15, zu Schema-F. Die Moderatoren unterscheiden sich maximal durch die Stimme – wenn überhaupt. Der Tonfall ist eingeübt, wie man Sätze “richtig” formuliert, auch. Alles gleich.

    Das ist für mich so, als wenn man sagt, ein Plotter sei besser als jemand, der aus der Hand zeichnet – schließlich macht der Plotter ja alles ganz genau, schön ordentlich – schön blutleer ;-)

    Ich höre überwiegend private Podcasts. Alex Wunschels “Blick über den Tellerrand”, die Podcasts “Bits und so” und “Games und so” gerade wegen ihre “Schwatzhaftigkeit” und ihrer Überlänge – die Jungs dort haben Spaß dran, sind selbstironisch und zum Glück keine Vorleser vorbereiteter Texte.

    Also von mir nur Widerspruch. Wenn ich Radio haben will, nehme ich mir Radio. Das müssen die privaten Podcaster nicht auch noch nachmachen. Von den GEZ-Gebühren wird ja schon bergeweise Radio produziert. Das reicht. Vollkommen.

    Ich gebe zurück ins Sendezentrum.

  5. FFD
    schrieb am 6. Dezember 2008 um 13:30 Uhr (#)

    Das Potential von Audio im Internet ist nur bruchteilhaft erschlossen. Podcasts sind ein leider sehr beschränktes Medium.

    Warum nicht live und interaktiv? Sportübertragungen, Talkshows, Eventradio … es gibt so viele Möglichkeiten. 1000MIKES, BlogTalkRadio oder TalkShoe gehen hier weit über die Möglichkeiten eines simplen Podcasts hinaus.

    Im Januar gibt es das Radiocamp 2009 in Hamburg auf dem die Zukunft des Radios, insbesondere im Internet, ein zentrales Thema ist. Ihr seid alle herzlich eingeladen.

  6. Hans
    schrieb am 7. Dezember 2008 um 13:30 Uhr (#)

    Ein cooles Beispiel für eine Plattenkritik mit im Text eingebauten Soundsamples auf tagesanzeiger.ch:
    http://tagesanzeiger.ch/k…ieder/story/27017932

  7. Deef
    schrieb am 9. Dezember 2008 um 09:08 Uhr (#)

    Zitat “Wenn ich auf einer Seite bin, die “Peters Podcast” heißt und auf den Link zur MP3-Datei klicke, der “Peters Podcast Nr. 53? heißt, dann brauche ich keinen 20 Sekündigen Vorspann mit Musik und Effekten, der nur sagt: “Das hier ist Peters Podcast”.”

    Das stimmt für sich betrachtet, unterschlägt aber andere Hörsituationen. Podcasts werden nicht zwingend auf der zugehörigen Homepage angehört, sondern vielfach in Programmen wie iTunes oder mobil auf einem mp3-Player. Gerade Menschen, die beim Podcasthören einer anderen Tätigkeit nachgehen (zur Arbeit pendeln, Hausarbeit erledigen, Joggen, Einkaufen…), profitieren von Jingles als Erkennungsmerkmal. Eine Untersuchung, wo und wann Podcasts genutzt werden findet sich hier.

    Einige meiner Hörer brennen sich meine (Hörbuch-)Podcastepisoden auf CD. Warum soll ein schönes Hörbuch nicht auch mit einem schönen Jingle beginnen? Ein Beispiel, wie das klingen kann, findet sich hier.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Ole Reißmann
    schrieb am 13. Dezember 2008 um 15:00 Uhr (#)

    @ffd: danke für die einladung!

    @thomas: wenn ich podcasts/interviews vorspule – was je nach hörsituation eher schwierig sein dürfte, zumal die player da nicht wirklich komfortabel sind – bekomme ich aber überhaupt ich mit, was ich verpasse. beim zeilenspringen kann ich einzelne wörter erkennen … das mit dem begrenztem platz: ja. aber gerade die kondensation zeigt viel zu oft, dass jemand eigentlich gar nichts zu sagen hat, dass mehr gelabert als gesagt wurde. dann war das interview von vornherein keine gute wahl, klar. aber für die gelungenen fälle bietet sich ja eine audioversion an.

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