Memetracker:
Techmeme bekommt einen Editor

Markus Spath, 4. Dezember 2008 13:00 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Der bekannte Memetracker Techmeme bricht mit dem Prinzip der automatischen Aggregation der Nachrichten und bekommt einen Editor.

Techmeme ist die Mutter aller Memetracker. Der von Gabe Rivera entwickelte Dienst – übrigens auch Vorbild und Namensgeber von Rivva – aggregiert und gruppiert seit 2005 Nachrichten und Blogbeiträge zu den Themen Technologie, Web 2.0 und dem mobilen Web vollautomatisch auf Basis von Algorithmen.

Techmeme
Techmeme

Ergebnis ist eine sich kontinuierlich aktualisierende Nachrichtensite, die die aktuelle Interessenslage der (vorwiegend US-amerikanischen) Tech-Blogosphäre in Echtzeit abbildet. Themen werden dabei gruppiert dargestellt, die Beiträge selbst sind hierarchisch organisiert. Der ursprüngliche Verkünder bekommt die prominente Schlagzeile, sich darauf beziehende Artikel werden als Diskussion gelistet.

Vor allem unter US-Techblogs wurde Techmeme in der Folge ein einflussreicher Referenzpunkt, der Blogger in zwei Gruppen teilte: Die, die drinnen sind und deren Stories von Techmeme erfasst werden, und jene, die draussen stehen, aber üblicherweise rein wollen.

Die von den Bloggern wahrgenommene Relevanz von Techmeme hat mitunter auch skurile Züge angenommen. Blogger Urgestein Dave Winer hat etwa vor ein paar Wochen 3 Dinge genannt, die grossartige Blogs leisten könnten: (1) über Themen mit tatsächlicher Fachkenntnis schreiben, (2) mächtigen Personen harte Fragen stellen, (3) Dinge sagen, die sich sonst niemand auszusprechen wagt. Als Beispiel für Punkt 2 führt er an, öffentlich und ohne Rücksicht auf Sanktionen die fehlende Offenheit und Transparenz der Algorithmen von Techmeme zu thematisieren.

Von diesen Hahnenkämpfen abgesehen wurde Techmeme ein nützlicher Nachrichtendienst für alle, die sich einen schnellen Überblick verschaffen wollen, ohne die Blogs direkt zu lesen.

Gabe Riveras Ankündigung, neben der rein maschinellen Intelligenz auch eine redaktionelle Komponente hinzuzufügen und Techmeme fortan auch mit einem Editor zu betreuen, ist ein interessanter Schnitt.

Manche Dinge können Menschen noch besser als Maschinen. Das Aufräumen von algorithmisch erstellten Nachrichtensites gehört dazu. Ein Editor erkennt mit einem Blick, ob Stories falsch gruppiert sind, ob sie eigentlich gruppiert gehörten, ob eine Nachricht nicht schon vom Fluss der Ereignisse überholt wurde, und einiges mehr.

Ein ‘aufgeräumtes’ Techmeme ist auf den ersten Blick sicher ein besseres Techmeme.

Die Frage ist, ob sich Techmeme damit nicht Probleme einhandelt, die die Vorteile überwiegen. Das Vertrauen in maschinelle Intelligenz ist ein wichtiger Faktor, der verloren geht, wenn man weiss, das noch jemand dazwischen sitzt und herumeditiert.

Und auch wenn es manchmal vielleicht eine Sekunde nervt, die Überschrift eines falsch zugeordneten Artikels zu lesen, etwas Verschmutzung tut einem System nicht schlecht und ist oft die einzige Möglichkeit Dinge zufällig zu entdecken.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Andy Lenz

    schrieb am 5. Dezember 2008 um 23:48 Uhr (#)

    Algorithmen plus redaktionelle leistung sind zwingend erforderlich. Durststrecken, SEO, spam und gaming wuerden sonst zu sehr auffalen befuerchte ich. Gerade die mischung aus menschlicher kompetenz und intelligenten algorithmen sind aus meiner sicht ein erfolgsmodell der zukunft. Bin sehr gespannt auf das neue techmeme konzept.


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