Indien:
Zeitungen mit Zukunft

Immer mehr Zeitungen und Zeitschriften kämpfen um immer weniger Leser und Anzeigen, das ist längst keine Nachricht mehr. Doch in Indien ist das Gegenteil der Fall – Print-Produkte boomen.

Die Auflage sinkt! Es gibt weniger Anzeigen! Es ist ein Graus! Vielen Zeitungen in Deutschland (und natürlich auch der Schweiz) geht es nicht mehr so phantastisch wie vor einigen Jahren noch. Dieses Internet verdirbt die Jugend, die sich News kostenlos aus dem Netz ziehen. Statt einer großangelegten Qualitätsoffensive ist in den Print-Häusern derzeit auch noch Sparen angesagt, die Wirtschaftskrise macht das Geschäft mit den Anzeigen nicht eben einfach. Bei der WAZ sollen etliche Millionen gespart werden, in dieser Woche wurde weitgehend auf Material der Nachrichtenagentur dpa verzichtet. Zum Ende des Jahres läuft der Vertrag aus, vielleicht geht es ja auch ohne.

Ganz anders sieht es in Indien aus – dort hat die Zeitung noch Zukunft.

Dort ist der wirtschaftliche Erfolg solider Print-Produkte, ganz ohne Nebengeschäfte, kein Märchen von gestern. Was in Amerika und Europa von manchen schon als Auslaufmodell belächelt wird, funktioniert in Indien bestens. Zeitungen und Zeitschriften: Ein boomendes Geschäft in der größten Demokratie der Welt. Das Geschäft wächst mehr als in jedem anderen Land der Welt, berichtet Monocle in der aktuellen Ausgabe.

Seit 2004 wird demnach ein jährlicher Zuwachs im Print-Geschäft von 15 Prozent gemessen. Hält das Wirtschaftswachstum an, soll das Geschäft mit Print-Titeln im Jahr 2012 schon 4,8 Milliarden Euro betragen, so das Ergebnis einer Studie von PriceWaterHouseCoopers. Sogar noch besser sieht es bei der Werbung aus: Hier beträgt das Wachstum voraussichtlich 16 Prozent.

Noch leide die Print-Branche unter der schlechten Ausbildung der Redakteure, die oft auch noch politisch motiviert seien, schreibt Monocle. Im indischen Fernsehen sind zudem die Löhne besser. Aber Print gewinnt an Bedeutung, denn Bildungsniveau und Wohlstand in Indien wachsen rasant, die Mittelschicht soll sich bis 2025 vervierfacht haben: Jede Menge Leser warten.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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3 Kommentare

  1. Hugo E. Martin
    schrieb am 3. Dezember 2008 um 18:13 Uhr (#)

    Man kann ja alles Glauben, was Beratungsunternehmen so schreiben, muss man aber nicht. Schauen Sie sich doch mal die aktuellen Ergebnisse India IRS2008-R2

    No. of Tageszeitungen -13,3
    Regelmässige Nutzung von Tageszeitungen – 17,5 %
    http://mruc.net/irs/irs_highlights.html

    Die Zahlen des PwC’s Global Entertainment and Media Outlook 2008 – 2012 und ihre CAGR’s im Juni kann man in der Pfeife rauchen!

  2. Hugo E. Martin
    schrieb am 3. Dezember 2008 um 18:23 Uhr (#)

    Nachtrag:
    Hier noch die Jan – September 2008 Zahlen (vs. 2007) für Print
    Statt zweistelligen Zuwachsraten gabe es Jan – Sept 2008 … ingesamt noch ein Plus für 6 %
    http://exchange4media.com…s/analysis241008.asp

  3. gis
    schrieb am 4. Dezember 2008 um 12:32 Uhr (#)

    Hugo E. Martins Einwände mal Aussen vor gelassen: Ich lag im Mai 2007 mit meiner Idee eines nach Indien outgesourcten Lokaljournalismus wohl gar nicht so falsch:

    http://wortgefecht.net/jo…s-lokaljournalismus/

    Was die vielen Beraterklitschen schon länger machen (“Billig”-Analysten in Indien), wird vielleicht schon bald Einzug halten in die Holzmedien. Zumindest Clipping-Services kann man schon aus Indien beziehen …

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