TV-Bezahlmodelle:
Dafür keinen Zwanziger mehr!
Für Fernseh-Fußball muss man richtig Geld bezahlen – oder beamt sich die Bundesliga live auf den heimischen Rechner, kostenlos aus China.
Nachdem ich diesen Beitrag in der taz gelesen hatte, habe ich es selbst mal ausprobiert: einfach den Peer-to-Peer-Client geladen – und schon zehn Minuten später guckte ich mein erstes Bundesliga-Spiel im Internet. Dabei galt für mich dann das Fielmann-Prinzip: Ich hatte nicht einen Cent dazubezahlt.Okay, die Bildqualität war pixelig, kein High-Definition-TV, schließlich kam das Gekicke ja retour aus dem fernen China – aber das wird mit steigenden DSL-Raten rasch besser werden. Was aber wird denn dann mit all den teuren Pay-TV-Modellen hier in Deutschland, mit medialen Megalomanien von Kirch’schen Ausmaßen, mit den Gehältern gut- bis überdotierter Fußball-Stars – siehe zuletzt das trostlose Gekicke bei Schalke und Werder – oder auch mit den Einnahmen eines florienden Gemischtwarenkonzerns namens DFB? Unter anderem auch mit dem Gehalt eines Herrn Zwanziger …?
Rechtlich wäre gegen mein Schnorrer-Verhalten – soweit wie ich das überblicke – bisher keinerlei Kraut gewachsen. Mit ein wenig juristischer Akrobatik könnte ein findiger Anwalt vielleicht mein installiertes P2P-Programm belangen, weil mir – sobald es in Betrieb ist – theoretisch ein Senden ohne Sendelizenz möglich ist. Andererseits sind diese Peer-Programme auch bloß ein technisches Restübel, sie werden schon bald ganz und gar überflüssig für das weltweite Fernsehvergnügen werden, weil die nötige Technik dann wohl ins Betriebssystem integriert ist. Schließlich sollen Computer und TV ‘zusammenwachsen’, sagen die Hersteller. Was dann? Die Rechtslage ist derzeit völlig absurd, weil sie sich an nationalen Grenzen orientiert, die im Netz einfach illusorisch sind: Medienrecht-Anwalt Tobias Strömer: “Livestreams ansehen ist erlaubt, aber auf den Startbutton drücken darf man nicht”.
Der TV-Sender in China, den ich dort ‘als Empfänger’ schaute, bevor ich das Gimmick mangels dauerhaftem Interesses an der Liga wieder von der Festplatte putzte, der besitzt doch eine offizielle Lizenz des DFB – vermute ich jetzt einfach mal (ich habe sie mir nicht zeigen lassen) – als werbefinanzierter TV-Kanal lud er mich ein, sein Programm ‘for free’ zu gucken, wohl weil mit der Zahl der Zuschauer auch seine Werbeeinnahmen steigen. Und der Empfang ausländischer Fernsehsender ist in Deutschland seit den Zeiten des seligen Honecker auch gar nicht mehr verboten. Was dem Schäuble – also bitte nicht petzen! – ein weites Betätigungsfeld eröffnen könnte.
Wenn ich im Drop-Down-Menü die Liste möglicher Empfangsmöglichkeiten richtig deutete, dann hätte ich die Möglichkeit gehabt, jederzeit Tausende weiterer Sender zu gucken, darunter russische, mongolische, brasilianische usw. Belangt also jemand den einen Sender, wäre irgendwo anders – in Norwegen oder auf der Weihnachtsinsel – immer noch das passende Duplikat gelaufen.
Kurzum: Nach den Zeitungen, so scheint es mir, schickt die medienrevolutionäre Technik des Web 2.0 jetzt das Bezahlfernsehen in den Orkus – und damit auch das Ertragsmodell vieler Millionario-Vereine, die sich vor allem über die TV-Rechte finanzieren. Das ist natürlich dumm für Bayern München, dumm für den AC Milan – und gut für das Portemonnaie der Zuschauer. Denn aus Mitleid mit einem Herrn Hoeneß wird wohl kaum ein Zuschauer sich weiterhin ein Premiere-Abo kaufen, sobald es sich erst einmal herumspricht, dass es auch ganz einfach ganz anders geht. Eine Alternative bestünde wohl darin, keine Lizenzen mehr an China zu vergeben. Was aber wäre dann mit Taka-Tuka-Land? Barmt nicht das Marketing beim DFB zum Steinerweichen, sobald man ihm die Auslandsmärkte nimmt? Fragen sind das …!
Über die notwendigen technischen Voraussetzungen berichtete übrigens medienlese.com hier …
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.


















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Ich kann dem Artikel nur vollumfänglich beipflichten. Wer bezahlt mir meinen Hobbies ? Wenn man hört, dass jetzt wieder über 400 Millionen für die Fernsehrechte an die Vereine gehen, dann stellen sich mir die Haare auf. Die überbezahlten Stars würden in jeder Firma wegen Arbeitsverweigerung fristlos entlassen. Ob Bezahlfernsehen oder FreeTV – für mich ist der Zug schon lange abgefahren. Das gilt ebenso für die Formel 1 und anderen Grossverdienerveranstaltungen. Zahle ja schon einmal über die Reklame. Für das gebotenen Rasenschach ist das schon zuviel.
Ich habe das mal in meine “Widerspruchsliste” aufgenommen… ;-) (“Jarchow vs. Bezahlfernsehen”)
Diesen technischen Optimismus würde ich nicht unbedingt teilen. Klar wird das Internet irgendwann so schnell sein, dass ich problemlos HDTV streamen kann. Dieses ‘irgendwann’ wird aber sicherlich nicht in den nächsten 10 Jahren eintreten.
Zudem ist der Artikel sehr kritisch gegenüber dem Profifußball gefärbt – da spricht wohl eher der Wunsch denn die Tatsache.
Wer sich mal eine ganze Partie mit Unterbrechungen, Pixelbrei und chinesischen Kommentaren antut, wird sicher – sofern das Geld da ist – auf PayTV setzen.
Klar hätte ich auch gern kostenlos Sport-TV aber derzeit ist das P2P-TV (aus China) einfach zu grottig um ARD & Premiere Konkurrenz zu machen.
Schade um den eigentlich guten Ansatz des Artikels.