Zusammenarbeit:
Tages-Bund? Berner-Bund?
Entweder Berner Zeitung oder Tages-Anzeiger: Mit einer der beiden Redaktionen soll die Schweizer Tageszeitung Der Bund kooperieren – es fehlt die wirtschaftliche Perspektive.

Noch erscheinen in Bern zwei eigenständige Tageszeitungen: Die eher bunte, lokale Berner Zeitung und die altehrwürdige, konservative Qualitätszeitung aus der Bundeshauptstadt, Der Bund – über deren Zukunft schon seit Jahren geredet wird. So kommt die folgende Nachricht auch nicht überraschend: Ohne redaktionelle Zusammenarbeit habe Der Bund keine wirtschaftliche Perspektive, teilte die zu Tamedia gehörende Espace Media mit. Geprüft werde eine Zusammenlegung mit der ebenfalls in Bern erscheinenden Berner Zeitung sowie eine Zusammenarbeit mit dem Zürcher Tages-Anzeiger. Bis Mitte 2009 soll entschieden werden, welche der beiden Kooperationen angegangen wird. In die Online-Mantelredaktion Newsnetz wurde Der Bund bereits im November aufgenommen.
Der Bund schleppt aus den vergangenen zwölf Jahren ein Defizit von über 30 Millionen Franken mit sich herum. Zwar sei die Zeitung zuletzt nahe an die Gewinnzone geführt worden, für dieses Jahr wird durch die Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds allerdings mit einem deutlichen Verlust gerechnet.
In diesem Zusammenhang gab Espace Media außerdem bekannt, dass die Leitung des Verlags von Berner Zeitung und Der Bund im Verlauf des Januars 2009 ad interim Uli Rubner übernimmt. Sie soll als Projektleiterin die beiden Projekte zur Zukunft des Bunds leiten.
Rückläufige Leserzahlen und die Verlagerung der Werbung ins Internet nennt Espace Media als Begründung für die Kooperationspläne. Nun fällt der Bund-Umbau ausgerechnet mit der drohenden Medienkrise zusammen – einer Zeit, in der das Wort “Sparen” in den Verlagen eine ganze eigene Bedeutung bekommt.
Laut Wikipedia hat Der Bund bereits im Mai 2006 seine Sportredaktion aufgelöst, Berichterstattung und Kollegen wurden von der Berner Zeitung übernommen.
Aus der Pressemitteilung zu den beiden Projekten (Hervorhebungen von uns):
Eine redaktionelle Zusammenarbeit zwischen dem Bund und dem Tages-Anzeiger wird im Projekt TagesBund geprüft. Ziel der Zusammenarbeit wäre es, der anspruchsvollen Leserschaft der beiden Titel einen gemeinsam erarbeiteten Mantel anzubieten. Denkbar wäre etwa ein weitgehender Austausch von redaktionellen Inhalten oder eine in Teilen gemeinsame Ressortstruktur. Das Berner Modell mit zwei unabhängigen Tageszeitungen in einem Verlag würde in diesem Fall fortbestehen.
Im Projekt Berner Zeitung & Der Bund wird alternativ zum Projekt TagesBund eine Zusammenführung der Redaktionen von Berner Zeitung und Der Bund geprüft. Die wirtschaftliche Stärke der Berner Zeitung bietet dabei eine gute Ausgangslage. Falls eine Zusammenarbeit von Bund und Tages-Anzeiger publizistisch und wirtschaftlich nicht tragfähig ist, sollen die Qualitäten und Gefässe von Berner Zeitung und Der Bund in die Zusammenarbeit einfliessen. Eine Zusammenarbeit müsste die regionale Verankerung und die wirtschaftliche Zukunft der Berner Tageszeitungen langfristig sichern und den hohen Anforderungen der Leserinnen und Leser beider Zeitungen gerecht werden.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.


















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