Linkwertig:
Reuters zieht Reporter von
Second Life ab

Marcel Weiss, 1. Dezember 2008 12:13 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Den Hype um Second Life habe ich nie verstanden. Oder besser: Ich habe schon verstanden, warum Journalisten auf die virtuelle Welt gesprungen sind, und sie als die nächste Stufe des Webs sehen wollten: Man kann Geschichten erzählen damit, man kann Bilder präsentieren, und eine virtuelle Abbildung unserer Welt ist auch für Laien verständlich. Man versuche das mal mit RSS, APIs und Tags. Unsexy aber wesentlich umwälzender und beständiger.

Auf Techdirt erfahre ich jetzt, dass neben anderen Unternehmen, die unbedingt eine virtuelle Filiale brauchten, die Nachrichtenagentur Reuters im Second-Life-Wahn einen Reporter Vollzeit in die virtuelle Welt abgestellt hat. Und ihn jetzt abgezogen hat. War wohl dann doch nicht so viel los. Der Reporter hat über seine Zeit dort gesagt: “so viel Spaß, wie Farbe beim Trocknen zusehen”.

Auch interessant: neun von zehn Versuchen von Unternehmen, in Second Life Fuß zu fassen, scheitern.

» Techdirt: Reuters Bails On Second Life After Figuring Out It’s Really Not That Interesting

Hier erscheint jeden Tag von Montag bis Freitag ein ausgewählter Link zu einem gelungenen Text. Viel Spaß bei der Lektüre!

» Mehr lesen: Second Life (2)

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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ben

    schrieb am 1. Dezember 2008 um 15:55 Uhr (#)

    Das Ding wird auch so lange völlig albern bleiben, bis es wirklich relevante Vorteile gegenüber dem www/email/chat bietet. Derzeit macht es nur Dinge die man vor der Haustür oder im Web eh schon finden kann in 3D-pseudohübsch und kompliziert.

  2. Christian Scholz

    schrieb am 1. Dezember 2008 um 22:40 Uhr (#)

    Also was die beiden Reporter von Reuters betrifft (Adam und Eric), die ich da kennengelernt habe (letzteren auch persönlich auf der SLCC), so waren die wohl einige der wenigen Journalisten, die vernünftig über Second Life berichtet haben.

    Ihnen ging es eben nicht nur um bunte Bilder, sondern die waren da sehr aktiv, überall vor Ort, wo es wichtig war und haben sogar eigene Veranstaltungen dort durchgeführt (z.B. Interviews live vom World Economic Forum in Davos mit u.a. Niklas Zennstrom, wobei Second Life-Residents auch Fragen stellen konnten, siehe http://secondlife.reuters…/second-life/davos/).

    Und was die gescheiterten Business-Versuche betrifft, so schreibt TechDirt ja selbst: “Apparently, not having a real business purpose or strategy pretty much guarantees that you’re not going to achieve very much of either.”.

    Und das war ja auch das Hauptproblem, einfach reinspringen, ohne das Medium verstanden zu haben, funktioniert auch nicht. Die 10%, die erfolgreich waren, haben das wohl dann eher verstanden.

    Und dann noch zu dem Zitat. Er sagt ja nicht, dass Second Life selbst “about as fun as watching paint dry” ist, sondern in virtuellen Nachtclubs zu stehen und seinem Avatar beim Tanzen zuzusehen. Das aber ist nicht alles, was man in Second Life machen kann (und ich auch nicht dort mache).

    Er sagt ja in diesem Artikel auch, dass Second Life eher die Finanzkrise übersteht als viele Web2.0 Startups.

    Und er schliesst mit den Worten:

    “There’s an incredible depth, passion, and camaraderie to the Second Life community that more popular online experiences like MySpace or World of Warcraft can’t match. And while I didn’t find it compelling, there really is something awesome about buying be able to “buy” a grid of blank 3D space, mold it like clay into an elven forest, a futuristic space station, or a bdsm dungeon, and then invite your friends to hang out.”

    siehe http://alleyinsider.com/2…inden-lab-can-fix-it

    Ansonsten sehe ich das Problem eher in Linden Lab, die meiner Meinung nach die Community mehr und mehr austrocknen, da sie sich mehr Richtung Enterprise-Lösungen orientieren. Das mag an sich nicht dumm sein, aber wie er ja auch ausführt, muss es dafür auch stabiler sein. Und man sollte aufgrund dessen die Community nicht abwürgen, denn ohne die klappt’s nicht.

  3. Christian Scholz

    schrieb am 1. Dezember 2008 um 23:09 Uhr (#)

    Noch eine Sache zu dem Zitat, dass 9 von 10 Firmen in Second Life ein Problem haben, da gibt es dort auch noch einen Kommentar zu:

    http://techdirt.com/artic…0516/1552401139#c164

    und hier noch der Link zu einem etwas ausführlicherem Bericht des Gartner-Reports:

    http://informationweek.co…?articleID=207800625

    Das unterstreicht ja nochmals mehr, dass nicht SL das Problem ist, sondern eher die Firmen, die ohne Plan da reingehen. Also ähnlich den ersten Web-Präsenzen. Das war vor über 10 Jahren. Also haben wir noch etwas Zeit bis die Gesellschaft und die Firmen sich an die Idee der virtuellen Welt gewöhnt haben (macht bei steigenden Kerosinkosten und steigendem Umweltbewusstsein aber auch früher schon Sinn).


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