Journalismus 2.0:
Radio im Internet – aber warum?

Das Internet ist geduldig, alle möglichen multimedialen Inhalte lassen sich abladen. Warum nicht statt eines drögen Textes auch mal einen Audio-Clip veröffentlichen? Oder warum nicht?

Ein Beispiel von der gerade gestarteten Journalistenschüler-Seite “Macht-Maschine”: Unter der Überschrift “Die Macht der Medien” wird ankündigt, dass “Politikredakteure führender Medien” ihre Rolle als vierte Macht im Staat “selbstkritisch beurteilen”. Zwei Probleme habe ich mit dem Beitrag, eins betrifft die Form, das andere den Inhalt:

Angeboten wird ein Podcast, eine Audio-Datei. Welche führenden Journalisten da zu Wort kommen, wird vorher nicht verraten. Dafür dauert die Sendung nur Web-freundliche 3 Minuten, in denen aber gleich vier Journalisten zu Wort kommen. Mit kurzen Statements, sogenannten O-Tönen, mehr ist da nicht drin. Keine Nachfragen, keine Erklärung, was eigentlich die Arbeit der zitierten ausmacht. Das ist nett zusammengeschnitten, zum Schluss gibt es noch ein versöhnliches Fazit – nur was ist damit gewonnen?

Warum hier eine Audio-Datei? Und ist es nicht ohnehin wahrscheinlich, dass sich die “führenden” Politikjournalisten nicht zu deutlichen Aussagen hinreißen lassen und man stattdessen externe Kritiker braucht? Politiker, denen Medien übel mitgespielt haben? Ex-Politiker, die mit etwas Abstand reflektieren? Wissenschaftler, die über die Macht der Medien Studien anfertigen?

Zurück zur Form: Man muss sich das nur mal vorstellen. Vor dem Rechner sitzend, klickt der wissbegierige Internet-Surfer auf die Datei – und macht dann die nächsten 3 Minuten was? Schließt die Augen, lehnt sich zurück, klickt nebenher schnell auf Spiegel Online oder liest seine Mails? Denn zum herunterladen auf den iPod fehlt die Funktion, und niemand würde ernsthaft einen 3-Minuten-Podcast auf ein portables Abspielgerät ziehen, wenn der Vorgang alleine drei Minuten dauert.

Was aber bietet dann die Form des Radiobeitrags für Vorteile? Da es sich nicht um eine Radioreportage handelt, gibt es keinerlei Geräusche, die irgendwie interessant wären und den Beitrag aufwerten würden.

Was hingegen ein Beitrag mit Text und Bildern für Vorteile geboten hätte: Mehr Informationen über die Interviewpartner, vielleicht ein Bild, eine Kurzbiografie – als zusätzliches Angebot. Wer einen der Befragten nicht kennt, kann sich schnell informieren. Die notierten Statements ließen sich außerdem besser und schneller vergleichen. Schließlich ließe sich einfacher zitieren.

Dass Audio im Internet auch funktionieren kann, steht außer Frage. Nur sinnvoll eingesetzt sollte es sein.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Thomas M
    schrieb am 28. November 2008 um 12:40 Uhr (#)

    Alles gute Einwände, die sich auf das m.E. völlig überschätzte Podcasting allgemein übertragen lassen. Wobei der aus meiner Sicht wesentlichste noch nicht genannt wurde: Die Wahrscheinlichkeit, später über eine Google-Suche einen relevanten Eintrag auffinden zu können, ist gegenüber Texten minimal.

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