FileRide:
Vielleicht das nächste große Ding?

Martin Weigert, 25. November 2008 13:00 Uhr, 18 Kommentare Kommentare

FileRide verbindet Internetnutzer über ihre bevorzugten Medieninhalte. Was unspektakulär klingen mag, könnte sich in der von dem schwedischen Startup gewählten Form zu einem echten Hit entwickeln.

Hättet ihr gedacht, dass man über eine Textanzeige bei Facebook auf einen neuen, sehr interessanten Webdienst stoßen kann, über den man im Anschluss sofort bloggen möchte? Ich auch nicht, bis neben meinem Profil ein Textlink zu einem vielversprechenden Angebot namens FileRide auftauchte. Sei es dahin gestellt, ob Facebook mich mittlerweile tatsächlich so gut kennt oder ob auch Tausende anderer Nutzer auf den Dienst aufmerksam gemacht wurden, die gar nichts mit neuen Social-Web-Services am Hut haben – bei mir war die Anzeige jedenfalls richtig.

FileRide ist ein vor wenigen Wochen gestarteter Dienst aus Stockholm, der Internetnutzer über ihre Interessen und bevorzugten Medieninhalte zusammenbringen will. Wer an dieser Stelle am liebsten mit dem Lesen aufhören möchte, dem sei empfohlen, dies nicht zu tun – im Gegensatz zu den Trillionen anderen Social Networks ist FileRide äußerst erfrischend, sehr individuell umgesetzt und verdient unbedingt einen näheren Blick.

Um FileRide verwenden zu können, muss eine kostenlose Desktop-Software (derzeit nur Windows, Mac und Linux sollen folgen) heruntergeladen werden. Was nach einer anfänglichen Hürde für die Gewinnung von Neunutzern aussieht, erweist sich im späteren Einsatz des Tools als Vorteil. Nach dem Start platziert sich FileRide im System-Tray von Windows und lässt sich von dort öffnen.

Nun geht es darum, Dateien und Informationen, über die man mit Gleichgesinnten diskutieren und in Kontakt kommen möchte, von FileRide indexieren zu lassen. MP3s, Fotos und Grafiken, Videos und Office-Dokumente von der Festplatte können in die FileRide-Applikation importiert werden, ebenso wie Verweise zu Websites und YouTube-Videos – sobald sich ein Link in der Zwischenablage befindet, bietet FileRide an, diesen zur Mediensammlung hinzuzufügen.

Jede Datei, jedes YouTube-Video und jedes Bookmark erhält eine eigene FileRide-Site, die ergänzende Informationen aus dem Web (Wikipedia, Blogs, verwandte YouTube-Videos) mit einem Mini-Forum für Diskussionen und Fragen kombiniert. Hier liegt die Besonderheit von FileRide: Anwender, die spezielle Songs, Videos oder Links gemeinsam haben, sehen die selbe Objektseite innerhalb der FileRide-Software.

Während die Identifikation von übereinstimmenden YouTube-Clips und Bookmarks nicht wirklich kompliziert ist, setzt FileRide für Mediendateien der User auf eine Technologie, die digitale Fingerabdrücke der importierten Inhalte erstellt, um trotz unterschiedlicher Dateinamen und Metadaten andere FileRide-User zu finden, die den gleichen Content besitzen. Im Klartext heißt das: FileRide erkennt das gemeinsame Bild von Mona Lisa, obwohl dies bei einem Nutzer als mona.jpg und bei einem anderen als lisa.tif gespeichert ist.

FileRide Oberfläche
FileRide Oberfläche

Inhaber übereinstimmender Elemente haben nicht nur Zugang zum gemeinsamen Forum mit aggregierten Zusatzinformationen, sondern können mit einem Rechtsklick auf ein Objekt die Chat-Funktion aktivieren und in Echtzeit mit anderen Usern kommunizieren, die das gleiche File auf der Festplatte haben. Direkten Zugriff auf die Inhalte anderer Nutzer gibt es bei FileRide (bisher) jedoch nicht.

Wer über Medieninhalte oder Bookmarks auf coole Leute gestoßen ist, kann diese zu seinen Kontakten hinzufügen, um ihrem Newsfeed zu folgen und sie nicht wieder im Dickicht des Social Web zu verlieren. Einzelne Inhaltekategorien (Musik, Fotos, Videos, Dokumente, Links und YouTube-Clips) lassen sich durchsuchen und Dateien verschlagworten, was FileRide nebenbei auch zu einem lokalen Social-Bookmarking-Tool macht.

Die Idee, den Dialog mit anderen Usern des Social Web rund um ihren bevorzugten Content aufzubauen, hat sich schon lange bewährt. Der Einsatz einer Desktop-Software, die unauffällig im Hintergrund läuft und ab und an einen Alert von sich gibt, dürfte einer steigenden Aktivität vorhandener Benutzer förderlich sein. Webbasierte Services, die Mitglieder immer wieder mit Mails an ihre Existenz erinnern müssen, haben es da schwieriger.

Natürlich werden die nächsten Monate für FileRide, das sich durch kontextsensitive Werbung sowie Premium-Funktionen auf Micropayment-Basis finanzieren will, kein Zuckerschlecken. Wie bei den meisten Web-2.0-Diensten steigt der Nutzen für neue Teilnehmer mit der Zahl beteiligter User. Solange nur wenige dabei sind, fällt auch die Akquisition neuer Mitglieder schwer. Wenn ich mir jedoch die Liste der geplanten Erweiterungen anschaue, die uns Patrik Hedmalm von FileRide zugeschickt hat, dann sollten die Chancen für das schwedische Startup nicht schlecht stehen, ein Stück vom heiß umkämpften Zeit- und Aufmerksamkeitsbudget der Nutzer abzubekommen:

Auf der Agenda für die nächsten Monate stehen eine mobile Applikation (Launch innerhalb der nächsten 14 Tage), eine webbasierte Version von FileRide, eine Desktop-App für Mac und Linux, eine Integration des Musik-on-Demand-Dienstes Spotify, neue Objekte zum Importieren (z.B. Bücher via ISBN-Nummern), Filesharing zwischen Kontakten sowie eine “Send to the cloud”-Funktion, die Dateien im Netz ablegt.

FileRide will zum “Hyper Social Desktop” werden. Wenn der Dienst sämtliche auf der Roadmap befindlichen Punkte umsetzen sollte, dann würde er diese Bezeichnung wahrlich verdienen. Wir werden FileRide genau im Auge behalten! Wer den Service ausprobieren möchte, sollte sich beeilen: Bis zum 30. November kann sich jeder registrieren, danach erfolgt der Zugang vorerst nur noch per Einladung.

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18 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Christian

    schrieb am 25. November 2008 um 14:05 Uhr (#)

    Bis zum 30. November kann sich jeder registrieren, danach erfolgt der Zugang vorerst nur noch per Einladung.

    Wenn ich Software lade und mich dann registrieren will sagt er mir bereits nur per Einladung…

    Vielleicht gehts nur über die Facebook-Werbung?

  2. Martin Weigert

    schrieb am 25. November 2008 um 14:26 Uhr (#)

    Probier noch mal. Ich habe gerade von FileRide die Info bekommen, dass es jetzt definitiv gehen sollte.

  3. Christian

    schrieb am 25. November 2008 um 15:19 Uhr (#)

    @Martin

    jup, jetzt klappt es. bin sehr gespannt

  4. ni-c

    schrieb am 25. November 2008 um 15:48 Uhr (#)

    ..und Linux/Mac-User müssen draussen bleiben?

    FileRide has been designed to be cross-platform and we’re working on getting the FileRide client running on Mac and Linux. If you want to be alerted when these new versions are ready for the public, please register.

    Registrieren kann man sich aber leider nur via Windows-Client wenn ich das richtig sehe…

  5. Martin Weigert

    schrieb am 25. November 2008 um 15:52 Uhr (#)

    Ja so steht es auch an zwei Stellen im Artikel ;)

  6. Comment

    schrieb am 25. November 2008 um 19:11 Uhr (#)

    Man gibt diesem Dienst freiwillig(!) alle seine Hobbys, Geschmäcker, Vorlieben und Abneigungen Preis? Lässt diesen Dienst ein perfektes, digitales und durchsuchbares Abziehbildchen seiner selbst anfertigen.

    Entschuldigung, aber wie blöd und web2.0-geblendet muss man eigentlich sein, um so etwas zu benutzen.

  7. Martin Weigert

    schrieb am 25. November 2008 um 19:29 Uhr (#)

    Man gibt das preis, was man preisgeben will. Sei es nichts, einen Song und ein Bookmark oder sein gesamtes Archiv an Medieninhalten. Jeder wie er will. Wie überall auch.

  8. Ben

    schrieb am 25. November 2008 um 21:46 Uhr (#)

    Klingt spannend… aber “das nächste grosse Ding” ist doch etwas übertrieben.

    Entwickelt sich denn der ganze Web 2.0-Schmonzes nicht grade genau davon weg, von lokalen Files? Ist das erklärte Ideal nicht die ultimative, von überall zugängliche Medien- und Dienstbibliothek irgendwo in der Cloud?
    Mal ganz davon abgesehen dass ein Dateibasierter Umgang mit Daten auch eher an Zeiten erinnert, als man noch mit der Kommandozeile unterwegs war. Wenn ich heute auf meine Dokumente, Musik oder Bilder schaue, dann sehe ich Datenbanken, Bibliotheken und Projekte deren Repräsentationen auf der Festplatte mir ziemlich egal sind.

    Mangels Macclient kann ich leider auch nicht testen, wie gut das funktioniert “digitaler Fingerabdruck” klingt natürlich schick, aber erkennt das auch den gleichen Song in 3 unterschiedlichen Bitraten, die 3 unterschiedliche Nutzer von ihrer CD gerippt und in ihrer Sprache getagged haben?

  9. Martin Weigert

    schrieb am 25. November 2008 um 23:48 Uhr (#)

    Wie gut das mit dem digitalen Fingerabdruck wirklich funktioniert, lässt sich leider derzeit nur schwer testen, weil noch nicht so viele Nutzer dabei sind. Dem Trend zum Cloud Computing will FileRide mit den geplanten Features aufgreifen.

    Ja vielleicht ist es auch überhaupt nicht das nächste große Ding. Ich kann mir aber schon vorstellen, mit Hilfe von FileRide z.B. meine zum Teil alten und seltenen Musikalben ganz easy mit Gleichgesinnten zu diskutieren. Das geht zwar auch woanders, aber die Desktop-App-Lösung erscheint mir hier vorteilhaft.

  10. Haze

    schrieb am 26. November 2008 um 10:31 Uhr (#)

    Vielleicht ist das auch nur ein Zwischending, dass jenen das eintauchen in die Cloud erleichtert, die damit noch probleme haben.

  11. Dragonstar

    schrieb am 26. November 2008 um 11:09 Uhr (#)

    Schlagt mich, aber ich behaupte einfach mal, dass 80% aller MP3’s. die auf PC’s lagern illegaler Natur sind. Insofern bin ich wirklich gespannt wieviele Leute einem Programm Zugang zu ihrer “Warez” Festplatte gewähren wollen. Bei Youtube Videos gibts ja keine Probleme, aber bei den stationären MP3’s, Videos, etc.. bin ich da noch etwas skeptisch, ob das auf breiter Front angenommen wird.

  12. Matthias Zellmer (@Zellmi)

    schrieb am 26. November 2008 um 12:57 Uhr (#)

    Bin gerade auf die Mac-Nutzung beschrängt, aber was du so beschreibst, hat für mich nur einen Haken. Ich will gar nicht mit Hinz und Kunz über jedes File was ich gut finde kommunizieren. Ich will zwar schon über alles mögliche quatschen, aber doch ist es für mich schon von grundlegender Bedeutung, dass ich auch zu der Person mit der ich über etwas quatsche, auch irgendwie einen Bezug habe. Darum würde ich weiterhin lieber etwas als Link in Twitter posten. Ein kleiner, aber feiner und meiner Meinung nach wichtiger Unterschied. Aber vielleicht geht ich da zu sehr von meinem Nutzungsverhalten aus …

  13. Martin Weigert

    schrieb am 26. November 2008 um 14:09 Uhr (#)

    Ich sehe hier eine große Chance für Nischen – von denen es ja unbegrenzt viele gibt. Ab und an habe ich schon Gesprächsbedarf über spezielle Alben aus vergangenen Jahrzehnten, bestimmte Filme o.ä. – dafür könnte ich mich dann in jeweils einer passenden Community anmelden, oder aber bequem FileRide starten, auf das File klicken und schauen, was andere dazu sagen.

  14. ollsen

    schrieb am 27. November 2008 um 10:38 Uhr (#)

    An meiner Haustüre klingelt es. Ich öffne die Tür. Vor mir steht ein gutaussehender freundlicher Schwede.
    Er stellt sich vor als Vertreter einer neugegründeten schwedischen Firma, die eine tolle Dienstleistung anbietet. Wenn ich möchte, wohnt ab sofort ein Mitarbeiter seiner Firma in meinem Haus und macht sich Notizen über meinen gesamten Hausrat, bzw. ich kann diesem Mitarbeiter sagen, über welchen Hausrat er sich Notizen machen soll und über welchen nicht.
    Was mir das Ganze bringe, frage ich den freundlichen Schweden.
    Er erklärt mir, dass mein neuer Mitbewohner ständig mein Telefon benutzen wird, um an die Zentrale durchzugeben, welchen Hausrat ich besitze und was meine Vorlieben im Allgemeinen und Speziellen so sind.
    Aha, sage ich. Und dann?
    Dann werden diese Informationen mit den Informationen von anderen Menschen, die einen Schweden bei sich wohnen haben, verglichen und wenn ich möchte, kommen dann jeden Tag Menschen aus aller Welt zu mir, klingeln an meiner Türe und wollen mit mir über meinen Hausrat und meine Vorlieben reden.
    Der Schwede lächelt.
    Ich bedanke mich höflich für sein Angebot, wünsche Ihm einen schönen Tag und schließe die Tür.

  15. svenner

    schrieb am 27. November 2008 um 16:00 Uhr (#)

    @ollsen

    Sehr schöner Beitrag. Besser kann man es nicht sagen.

  16. Martin Weigert

    schrieb am 27. November 2008 um 16:06 Uhr (#)

    svenner, vielleicht kannst du mich darüber aufklären, was ollsen uns hier eigentlich mitteilen wollte?

  17. Marcel Weiss

    schrieb am 27. November 2008 um 17:46 Uhr (#)

    An meiner Haustüre klingelt es. Ich öffne die Tür. Vor mir steht ein gutaussehender freundlicher Deutscher.
    In dem Moment, in dem ich die Tür öffne, fängt er an mir einen Vortrag über Datenschutz zu halten, wie ich es mit meinem eigenen Gewissen verantworten könne, einfach so meine Haustür zu öffnen, wo er jetzt als Wildfremder in meine Wohnung schauen kann.
    Ich bedanke mich für die Hinweise und lehne das Angebot einer 2-stündigen Lektion zum Thema ‘Du darst Deine Daten nicht weitergeben. Ohne Ausnahme.’ ab. Ich bin in der Lage, für mich selbst zu denken und auszudifferenzieren, sage ich dem freundlichen Deutschen.
    Ich wünsche ihm alles Gute und schließe die Tür. Als er wieder auf der Straße ist und anfängt, über Datenkraken im Internet und den Verfall der westlichen Gesellschaft lautstark zu skandieren, schließe ich mein Fenster.

  18. bernd

    schrieb am 7. Dezember 2008 um 22:29 Uhr (#)

    Meiner Meinung nach werden Dienste & Services, die mich von Fall zu Fall selbst entscheiden lassen wieviel Privatsphäre ich bereit bin preiszugeben und wann mein “soziales Netzwerk” sehen/hören kann was ich tue, in der Zukunft eine größere Nutzung erleben als das Gegenteil davon.

    Es wird eine Rückwärtsbewegung der StudiVZ-, lastFM- und Kuschel 2.0-Bewegung geben und sich allgemein auf ein vernünftiges Mass einpendeln. Man wird für diese Privatsphäre sogar bereit sein zu zahlen: Weil man das als Zukunftsinvestition versteht:
    Denn damit werden Personaler/HR Mitarbeiter und zukünftige Geschäftspartner, neue Freunde und potentielle Partner/-innen sich nicht aus dem Internet wie in einem offenen Buch über meine Vergangenheit subjektiv (weil ausschnittsweise) informieren können.

    Es würde mich überraschen wenn das hier jemand nicht so sieht.
    Die Argumente für den nicht löschbaren Internet-Striptease auf Kosten der Zukunft möchte ich lesen :))


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