Wochenrückblick:
Almosen für Journalisten

Entlassene Journalisten sollen zum Bloggen verführt werden, gigantische Bildermengen tauchen im Netz auf und Europas digitales Erbe lockt mehr Nutzer, als die Server aushalten – der Rückblick auf die 47. Kalenderwoche.

Ja, es wurde weiter gespart. Aber das ist nicht alles:

Der amerikanische Blog-Hoster Six Apart hilft arbeitslosen Journalisten: Mit einem kostenlosen Blog natürlich. Einfach den letzten Artikel, Radio- oder Fernsehbeitrag einschicken und mit dem TypePad Journalist Bailout Program zum Verleger in eigener Sache werden. Immerhin rund 12 Euro oder 18 Schweizer Franken kostet so ein TypePad-Blog sonst im Monat – dafür muss man sich nicht herumschlagen mit Software-Installation und nimmt auch noch an einem Anzeigen-Programm teil, das mehr einbringen soll als Googles Textwerbung. Die traurige Nachricht: Hunderte haben sich nach Angaben der Firma schon für das Programm gemeldet.

Nur kurze Zeit hielten die Server von Europeana, Europas digitaler Bibliothek. Der Ansturm auf die rund zwei Millionen frei zugänglichen Dokumente war einfach zu groß. Europas kulturelles Erbe soll Mitte Dezember zurück im Netz sein – und ständig erweitert werden. “Das reichhaltige Kulturerbe Europas läuft ja nicht weg”, schreibt die FAZ.

Das Bildarchiv des amerikanischen Magazins Life wird derzeit von Google ins Internet gestellt. Die Bilder sind über eine eigene Seite oder den Zusatz “source:life” zu entdecken – darunter auch Hoboes beim Freight-hopping und jede Menge Zeitungsgeschichtliches. Das erste Fünftel ist bereits online, der Rest soll im ersten Quartal des nächsten Jahres folgen. Von den rund 10 Millionen Aufnahmen sind 97 Prozent nie zuvor zu sehen gewesen. Allerdings – Blogger aufgepasst – sind die Bilder nicht “public domain” oder sonstwie frei verwendbar.

Eigentlich wäre sie ja gerne Präsidentin geworden: Alaskas Gouverneurin Sarah Palin gab ein Fernsehinterview – und im Hintergrund wurde gestorben.

Auf medienlese.com in der vergangenen Woche: Printlastige Verlage vernachlässigen das Online-Geschäft, das Fernsehen entscheidet die Wahlen, Matthias Matussek neu gelesen, Park Avenue eingestellt, Wortpollen aus Stilblüten und Esquire verschenkt Artikel. Unsere Leser interessierten sich vor allem für die Sparmaßnahmen bei der Süddeutschen Zeitung.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. mds
    schrieb am 24. November 2008 um 12:34 Uhr (#)

    … wie man heute Vormittag gehört hat, könnten bald auch einige NZZler zu Bloggern werden. Vielleicht ist Blogwerk ja so nett und bietet einen Kurs zum Vorzugspreis an?

  2. mds
    schrieb am 26. November 2008 um 12:04 Uhr (#)

    Dito für die «Weltwoche» – wie sagte Roger Köppel vor ein paar Tagen noch …

    Auch die Weltwoche wird die Rezession zu spüren bekommen. Wie sehen Sie dieser Krise als Verleger entgegen?
    - Leider kann ich dazu nicht sagen “La crise n’existe pas”. Wir sind davon auch sehr betroffen. Derzeit haben wir noch keinen starken Inseraterückgang. Wir beobachten die Entwicklung mit grosser Sorge und müssen schauen, wie wir uns unternehmerisch positionieren wollen. Welche Massnahmen wir treffen, darüber kann ich noch nichts sagen.

    … die Zeiten ändern sich auch bei der «Weltwoche» schnell! :(

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