Wochenrückblick:
Sparpläne, Kriegsende, Affenfleisch

Ole Reißmann, 16. November 2008 13:35 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Eine Zeitung mit Nachrichten, zu schön um wahr zu sein, ein 10.000-Euro-Gerücht und Probleme mit der eigenen Geschichte in unserem Rückblick auf die 46. Kalenderwoche.


Auflage 1,2 Millionen, 14 Seiten, rund tausend Freiwillige Helfer: Diese nachgemachte Ausgabe der New York Times berichtet rein fiktiv aus der Zukunft. Aktivisten wollen mit der Utopie einer besseren Welt Barack Obama an seine Wahlversprechen erinnern. Verteilt wurde die Zeitung in New York und anderen Metropolen der USA. Die Meldungen: Krieg vorbei, Bush angeklagt – Parodie gelungen.

Michael Jürgs streut ein Gerücht: Er will gehört haben, dass Marcel Reich-Ranicki für seine Fernsehkritik mit Thomas Gottschalk im ZDF Geld bekommen hat. In der Radiosendung “Leute” auf SWR1 (MP3 der Sendung) erzählte er, dass der von ihm sehr Geschätzte für die Sendung 10.000 Euro erhalten haben soll. “Die Angaben aus dem SWR-Interview sind nicht zu bestätigen”, teilte uns das ZDF auf unsere Anfrage hin mit.

Doppelter Image-Schaden: Mit einer einstweiligen Verfügung hat ein Politiker der Linkspartei die Seite wikipedia.de sperren lassen. Ihm sind Angaben zu seiner Vergangenheit nicht genehm, darunter wohl fragwürdige Vorwürfe, die nichts mit seiner Stasi-Vergangenheit zu tun haben. Also geht er juristisch gegen Wikimedia Deutschland vor. Zunächst mit Erfolg. Nun schäumt das Netz über, jeder weiß von Lutz Heilmanns Tätigkeiten für den Inlandsgeheimdienst der DDR. Zudem fühlen sich Kritiker bestätigt: Die Linkspartei habe mit Demokratie eben nichts am Hut. Wie ehemalige Stasi-Mitarbeiter gegen Medien und Opfer vorgehen und ihren Namen aus der Aufarbeitung heraushalten wollen, steht im aktuellen Spiegel (Seite 38).

Der Süddeutsche Verlag will 15 Millionen Euro einsparen – zu gleichen Teilen bei Redaktion, Verlag und Vertrieb. Das berichtet der Branchendienst Kress unter Berufung auf informierte “Kreise”. Bei der WAZ-Gruppe soll die größte Mantelredaktion Deutschlands entstehen. Das sei kein Sparprogramm, sagt Chefredakteur Ulrich Reitz im Interview mit Kress. Abgesehen davon sollen 30 Millionen Euro jährlich gespart werden, bis zu 300 der 900 Mitarbeiter könnten eingespart werden. Die Lokalredakteure sind natürlich alles andere als begeistert und fordern in einer Resolution den Ausbau des Lokalteils. Über die Sparprogramm der amerikanischen Zeitungsverlage berichtet Spiegel Online, in diesem Jahr sind demnach schon 24.000 Stellen bei Tageszeitungen gestrichen worden. Die großen Titel verlieren allesamt deutlich an Auflage.

Robert Basic hat einen peinlichen Blog-Eintrag verfasst. In einer dämlichen Polemik bezeichnete er einen Journalisten als “Freak” und ließ sein generelles Unwissen raushängen. Dafür gab’s eifrig Prügel von der Blogosphäre, jetzt macht er kleinlaut einen Rückzieher: War doch alles nur Spaß. Wie lustig.

Die Gewinner des Fotopreises Europäischer Naturfotograf des Jahres 2008 sind auf den Seiten der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen zu sehen. Gesamtsieger ist David Maitland mit einer recht drastischen Aufnahme von der Zubereitung von “bush meat” – ein Affe wird über offenes Feuer gehalten, um sein Fell abzuflämmen. NSFB – not safe for breakfast!

Und in der Weltwoche wirft Eugen Sorg den Medien Versagen vor: Die Berichterstattung über Barack Obama sei “Hurra-Journalismus“.

Auf medienlese.com in der vergangenen Woche: Klaus Jarchow ging sechsmal um den Blog, Bloggerjobs.de soll zu Geld gemacht werden, Zoomer hat ein neues Aussehen und das Face-Magazin keine Redaktion mehr. Außerdem haben wir uns das Schweizer Lohas-Magazin Gruen angesehen und eine Kampagne mit Zeitungsente nicht verstanden. Unsere Leser interessierten sich vor allem für den betrunkenen Reporter auf YouTube. Prost!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. robert
    schrieb am 16. November 2008 um 13:48 Uhr (#)

    @Burksfall, moin, Spaß? Spaß, sich mit Extremisten einzulassen und diese anzuziehen, Extremismus selbst zu erzeugen? Medienlese mag ja für Dich spaßig sein, nicht aber das, mit was ich mich diesmal beschäftigt habe. Tu Dir den eigenen Gefallen, und fall nicht in die gleichen Verkürzungsmuster zurück, die ich mehr als nur deutlich genug aufgezeigt habe;)

  2. Klaus Jarchow
    schrieb am 16. November 2008 um 19:06 Uhr (#)

    @ Ach komm, Robert, du lagst in dem Fall schlicht neben der Spur: Besorge dir mal antiquarisch oder bei ebay ‘Prof. Hermann Römpp: Chemische Experimente, die gelingen‘ aus dem unverdächtigen Franckh-Verlag, und zwar in einer Ausgabe vor 1972 (der Text war damals ein ‘Jugendbuch’, damit der junge Kamerad den Spaß am Kriegshandwerk früh erlernen möge. Kurz darauf wurden die Rezepturen wegen der RAF erheblich ‘entschärft’, was dem Buch viel von seiner ehemaligen Attraktivität nahm, die sich ja auf all dies ‘Bumm!’ und ‘Peng!’ gründete).

    Hast du dies Buch dann in Händen, schwimmst du schon in den heute so genannten ‘Bombenbauanleitungen’, die damals schlicht die ‘Lust an der Chemie’ wecken sollten. Und zwar mit allem, was die gehobene Apotheke einstmals hergab … dank Kaliumperchlorat, Thermit, 98%-iger Schwefelsäure, selbst zusammengepantschtem Nitroglyzerin usw. Der große Nachbarsjunge zwei Häuser weiter wankte mit Schultaschen voller Buddels rauchender Salpetersäure aus der stets einschlägig gut sortierten Drogerie ‘Carl zur Wieden’ in Bremerhaven-Geestemünde von der Schule nach Hause, um es als geborener Garagen-Pyrotechniker mal wieder so richtig zischen und knallen zu lassen. Was wir Steppkes natürlich höchst faszinierend fanden: ‘Entstandene Mischung mit einer weichen Vogelfeder ganz vorsichtig umrühren‘ (O-Ton Römpp).

    Der Irrtum besteht ja regelmäßig darin, dass man glaubt, man könne Bombenbauer jeder Couleur besiegen, indem man die Anleitungen dazu durch ‘Verbote’ aus dem Verkehr zieht. Bomben werden zunächst im Kopf gebaut.

    Bevor jetzt die Polizei irgendwelche Wohnungen stürmt – der fragliche Nachbarsjunge arbeitet heute ganz brav bei den Wasserwerken. Und sein ‘Römpp’ war zum Schluss so voller Säure- und Brandflecken, dass er ihn irgendwann in die Tonne trat, auch deshalb, weil ihn Sexbomben plötzlich mehr interessierten als bombige und sauerstoffreiche Kaliumpermanganat-Gemische. Sagt er jedenfalls …

    ;-)

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