Twingr:
Jedem seine eigene
Microblogging-Community
Mit Twingr startet eine Plattform, auf der man eigene Microblogging-Communities betreiben kann.
Wer schon immer seine eigene Micro-Blogging Community haben wollte, aber nicht die Muse hatte, eine der existierenden Open Source Lösungen wie laconi.ca selbst zu betreiben und zu pflegen, der kann das jetzt mit Twingr tun.
Wie bei Twitter kann man bei Twingr Kurznachrichten und Links posten. Nur sind diese nicht an die interessierte Öffentlichkeit, oder – wenn man seinen Output auf privat gesetzt hat – an geladene Freunde addressiert, sondern an eine Community. Die Idee dafür lag in der Luft, ein entsprechender Dienst war schon lange überfällig.

Twingr stösst damit in eine Lücke vor, die Yammer durch den dortigen Anmeldemechanismus weit offen gelassen hat – bei Yammer werden die Netzwerke auf Basis der Email-Addresse generiert, es gibt keine andere Möglichkeit, Mitglieder in ein Netzwerk zu integrieren.
Doch auch wenn Twingr nun diese Nische besetzt: Es bleibt die Frage, wie viele Microblogging-Communities das Web braucht. Und auch die grössten Twitter-Enthusiasten stossen irgendwann an ihre persönliche Anmeldeschmerzgrenze bei ebendiesen. Es erfordert jetzt schon einiges an Energie, um auch nur einen peripheren Überblick über die etablierten Services zu behalten. Will man sich wirklich auch noch in dutzenden von spezialisierten Sub-Communities verzetteln?

Es gibt sicher Anwendungsszenarien, wo ein Dienst wie Twingr sinnvoll ist und funktionieren kann. Die Organisation unserer Infoflows via Kurznachrichten ist eine Kulturleistung, die wir uns angewöhnt haben, aber nicht alle Tweets sind für eine Öffentlichkeit bestimmt. Im Gegensatz zu den sicher schon hunderten allgemeinen Twitter-Klonen gibt es bei spezialisierten Communities auch tatsächliche Vorteile gegenüber Twitter.
Aber anders als bei Yammer wird der Kontext für die Kommunikation nicht mitgeliefert, die meisten Communities dürften wohl bald mehr schlecht als recht dahindümpeln.
Insofern spricht nichts dagegen, eine Community bei Twingr zu starten. Man sollte sich aber davor gut überlegen, ob das nicht auf andere Weise – etwa mit einem Hashtag bei Twitter oder der Gruppenfunktion bei Pownce – nicht ohnehin schon ginge.
Siehe auch:

















Artikel per Feed
Artikel per E-Mail
Artikel bei Twitter
Facebook-Seite
wozu der mist?
es gibt doch rejaw mit direktnachrichten und gruppen usw.
Ich sehe durchaus einen Sinn für geschlossene Microblogging-Communities, so z.B. für Projektgruppen, Seminarkurse, Schulklassen, etc.
Wen es interessiert, ich habe eine Liste der z.Zt. verfügbaren Twitter-Clones erstellt: 12+ Twitter Clones (Hosted, Business, Open-Source, Commercial).
Geschlossene Gruppen gibt es übrigens bei Friendfeed schon lange… das und die integration so ziemlich jeder anderen Platform die ich nutze (inkl. ansteuerung über jabber… take this twitter-idiots!) machen die Platform imho ziemlich konkurrenzlos.
hehe, stimmt. Friendfeed entwickelt sich langsam aber sicher zum Schweizer Taschenmesser des Webs.
Hm.
Ich kann mich ja auch täuschen, aber kann es sein, dass die hier gehypten Startups immer spezieller werden? Ich glaube, dass mein Freundeskreis jetzt nicht aus totalen Technik-Nulpen besteht, aber für 90% Prozent ist sogar ein RSS-Feed etwas komplett Unbekanntes (auch wenn sie ihn schon nutzen, ohne es zu wissen). Twitter muss ich immer noch erklären.
Ich trau mich gar nicht, eine “Micro-Blogging Community” zu erklären, wenn ein Großteil meiner Bekannten gerade mal anfängt Myspace zu verstehen.
Kann es sein, dass sich hier ein wirklicher Gap aus “Checkern” und den tatsächlichen Endnutzern auftut, und es bis jetzt kein Rezept dafür gibt, die immer schnellere Technik-Spirale auch ganz normalen Nutzern nahe zu bringen?
Ist das vielleicht das Problem von Webzwonull?
Und, na klar: Das hat nichts (oder wenig) mit dem Artikel oder Twingr zu tun – es ist eher etwas Allgemeines, was mir bei Netzwertig aber immer wieder auffällt.
Natürlich muss man die “Final Frontier” immer weiter versetzen, aber geht das tatsächlich ohne wirkliche Siedler – nur mit “urbanen Pennern”, der “digitalen Boheme” und städtischen “Mavericks”?
@wolfgang – das ist eine gute Frage, aber keine, auf die es eine schnelle Antwort gibt. Nur eine Idee: Tools offerieren Möglichkeitsräume, die man wahrnehmen kann, oder nicht, die in die eigene Lebenswelt passen, oder nicht. Es gibt sicher Tools, die sind halt nicht für alle. Der ganze Microblogging/Lifestreaming Komplex ist sicher eher für die always on Generation, aber viele haben besseres zu tun. Andere Tools sind mit den meisten Lebensentwürfen kompatibel.
Dennoch ist auch eine Ausdifferenzierung von Tools sinnvoll, die nur wenige Millionen (etwa Twitter) oder auch nur wenige Tausende betrifft. Was ich schade finde ist, dass vielen die Neugierde fehlt, sich für sich selbst die Möglichkeiten zu erschliessen und Dinge schnell als Hype etc. abzutun. Erst danach kann man eine *informierte* Entscheidung treffen, ob ein Dienst / ein Trend was für einen ist, oder nicht.
Ein genuines Problem von Web 2.0 sehe ich deshalb aber nicht ;)
Die Zeit wird kommen wo auch Twitter die Gruppenfunktion aufschalten wird…
@Ralph
Da bin ich anderer Meinung, Twitter hat bisher seine Grundfunktionalität nur in sehr geringem Maße erweitert. Erstens ist dies nicht die Politik nach der diese Platform ausgebaut wird (API zur Verfügung stellen und zusätzliche Funktionalitäten von Community entwickeln lassen) und zweitens wird Twitter wohl erst dann weitere Funktionalität einbauen wenn die bisherige komplett läuft und nicht ständig überlastet ist. (Was, wenn wir es mal realistisch sehen, selbst im besten Fall noch einige Zeit dauern wird.)
@Azrael twicco.jp der japanische Twitter Ableger hat die Gruppenfunktionalität bereits aufgeschaltet. Wir dürfen also hoffen: http://tinyurl.com/5q3d4g .
bin am netppl.net testen, twitter ist gerade mal wieder down, finde netppl.net eigentlich ganz gut