StudiVZ, Lokalisten, Facebook und Myspace:
Social Networks werden mobil

Marcel Weiss, 14. November 2008 08:00 Uhr, 12 Kommentare Kommentare

Steigende Zugriffe auf die für Mobiltelefone optimierten Seiten und mit allen wichtigen Funktionen ausgestattete iPhone-Applikationen: Social Networks entfleuchen dem Desktop und werden mobil. Zumindest die internationalen. Die deutschen Netzwerke tun sich weiterhin schwer mit der Mobilität.

Speziell auf den mobilen Gebrauch ausgelegte locationbasierte Social Networks wie loopt legen im Gebrauch massiv zu. Loopt kann mehr Downloads seiner iPhone-Applikation verzeichnen als Facebook und Myspace. Loopt gibt die tatsächlichen Downloadzahlen nicht, liegt aber aktuell bei den populärsten iPhone-Apps auf Platz 20. Einer Quelle von Techcrunch zu folge soll Loopt sich über Zehntausende täglicher Downloads freuen können.

Dabei können sich Facebook (Platz 25 bei den populärsten iPhone-Apps) und MySpace (Platz 43) über die mobile Nutzung ihrer Sites auch nicht beschweren.

Der Zuwachs an Zugriffen auf Social Networks von Mobiltelefonen aus ist dabei logischerweise nicht auf das iPhone beschränkt. Als Facebook seiner Seite für Mobiltelefone die Möglichkeit hinzufügte Status-Updates zu kommentieren, wurden bereits am nächsten Tag laut eigenen Aussagen über eine Million Kommentare auf dem mobilen Weg abgegeben .

Die Möglichkeit, Status-Updates zu kommentieren und auf diese Weise mit den eigenen Freunden zu kommunizieren, ist eben wichtig für die User. Die Zugriffe von mobilen Geräten auf das Social Network explodieren: laut Facebook ist man von 5 Millionen anfang des Jahres auf 15 Millionen aktive User des Mobilzugangs gewachsen.

Überraschend ist das nicht. Besonders in Ländern wie den USA ersetzen Social Networks wie Facebook, einmal die Bevölkerung durchdrungen, Kommunikationskanäle wie Email nahezu komplett. Mit der Einführung von eigenen Chat-Angeboten wird die Bindung noch verstärkt. Da verwundert es nicht, dass die User diese Kommunikationsmöglichkeiten nicht nur am Desktop, sondern auch unterwegs nutzen wollen.

Die mobile Nutzung von Social Networks dürfte 2009 weiter zunehmen. Nicht zuletzt weil nicht nur erschwingliche, sondern auch besonders auf die mobile Webnutzung ausgelegte Smartphones wie das iPhone und auf Android basierende Mobiltelefone weiter an Marktanteilen zunehmen werden.

Selbst BlackBerry arbeitet an einem App Store (und eine Myspace-Applikation für BlackBerrys gibt es sogar jetzt schon). Auf die Bedürfnisse kleiner Screens angepasste Angebote werden also auf einer immer größeren Zahl an Mobiltelefonen leichter umsetzbar. Was Rundum-Pakete wie das iPhone mit seinem AppStore für das mobile Web bedeuten, hatte Andreas Göldi im Sommer zum Launch des 3G-iPhones und des AppStores beschrieben.

Was das alles für die Zukunft ermöglicht, kann man vielleicht erahnen, wenn man den Release des iPhone-Spiels Live Poker anschaut. Live Poker ist die erste Applikation, die Facebook Connect auf dem iPhone nutzt (Siehe unseren Artikel zu Facebook Connect). Um das nochmal  auszuformulieren: Mit Live Poker kann man über das iPhone nicht nur mit wildfremden realen Personen zocken, sondern auch mit seinen Facebook-Freunden. Die Möglichkeiten, die sich für Programme eröffnen, wenn sie mobil Zugriff auf den auf Facebook gespeicherten Social Graph nehmen können, werden uns 2009 noch sehr stark beschäftigen.

 

Und wie sieht’s in Deutschland aus?

Wie immer düster.

Während die iPhone-Applikationen von Facebook und MySpace alles mitbringen, was das mobile Netzwerker-Herz begehrt, besitzen die größten Social Networks Deutschlands, StudiVZ und wer-kennt-wen, noch nicht einmal für die mobile Nutzung optimierte Seiten. Geschweige denn spezielle Angebote, die die Vorteile der Mobiltelefon-Plattformen ausnutzen. Lediglich Xing als eines der großen deutschen Netzwerke bietet zumindest eine für den allgemeinen mobilen Zugriff und eine für das iPhone optimierte Seite an.

Wie leider so oft hecheln die deutschen Pendants ihren großen Gegenstücken aus Übersee nicht einmal hinterher. Nein, sie weigern sich sogar, überhaupt erstmal in die Zukunft zu schauen. (Und das schreibe ich nicht abschätzig, sondern mit einem verzweifelten Seufzer auf den Lippen.)

Zumindest StudiVZ streckt jetzt zaghaft seine Zehen aus in Richtung Mobilmeer: Der “Plauderkasten” genannte interne StudiVZ-Chat wird von Nimbuzz bereitgestellt. Nimbuzz, in das StudiVZ-Eigentümer Holtzbrinck ebenfalls investiert hat, hat nun in einer Pressemitteilung eine kommerzielle Partnerschaft mit StudiVZ bekanntgegeben. Nimbuzz bietet einen Chat-Client für Mobiltelefone an, der auch VoIP mit einschließt. Über diesen Client steht jetzt der StudiVZ-Chat “Plauderkasten” mobil zur Verfügung. Nimbuzz läuft auf Windows Mobile und Java unterstützenden Mobiltelefonen wie BlackBerry. Eine spezielle iPhone-Applikation aber gibt es nicht. Und StudiVZ-User sind gezwungen, notfalls Nimbuzz zu verwenden. Ob das ein großer Gewinn für StudiVZ ist, wird sich noch zeigen müssen. Besonders wenn man bedenkt, dass zum Beispiel an einer Unterstützung von Jabber/XMPP für Facebooks Chatangebot gearbeitet wird, was den dortigen Usern eine weit größere Freiheit bei dem Zugriff auf den Chat-Service geben wird. An eine vergleichbare Attraktivität der Angebote wird so nie zu denken sein. Das Wort Synergie durfte im Vorfeld der Nimbuzz-StudiVZ-Kollaboration aber mit Sicherheit wenigstens von der einen oder anderen Präsentationsfolie prangen.

Für die von uns im Juli verlinkte Übersicht der Mobilangebote von Social Networks des mehrblogs hat sich in Bezug auf die deutschen Netzwerke also wenig geändert.

Einzig bei den lokalisten hat sich etwas getan: Als einziges deutsches Social Network haben die lokalisten mittlerweile eine iPhone-Applikation. Eine besonders hohe Priorität scheint der Entwicklung der Applikation aber nicht zugesprochen zu werden:

Bei mir steht auf der lokalisten-Applikation unter “neues von den freunden [sic!]“: “deine freunde sind nicht besonders akitv [sic!]..”

Ich glaube, an dieser Stelle erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

 

Die Links zu den mobilen Applikationen und Mobil-Seiten der Social Networks:

Facebook:

MySpace:

lokalisten:

Xing:

  • Mobile Seite von Xing: mobile.xing.com
  • Für iPhone optimierte Seite von Xing: iphone.xing.com

(Foto: Gaetan Lee)

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12 Kommentare

  1. Jochen
    schrieb am 14. November 2008 um 08:28 Uhr (#)

    Ich habe schon häufiger die Macher von studiVZ angeschrieben und nach mobilen Applikation gefragt. Ihnen erzählt, das ihr Wettbewerber diese schon anbieten und das es essentiell ist auch solche Clients zu haben. Aber keine Antwort…

    Ja nichtmal APIs stellen sie ja zur Verfügung, dass andere Entwickler sich über solche Clientlösungen machen könnten.

    Warum nutzt man nun überhaupt die VZ’s wenn sie sowas nicht haben, ganz klar, weil der großteil der Kontakte sich einfach darin befindet und die meisten nicht versiert genug sind sich nochmal bei einem anderen social network anzumelden (und auch nicht verstehen warum sie es sollten)

    Insgeheim hoffe ich immernoch, dass sich Facebook einfach das VZ einkauft mit allen Userdaten und man endlich in den genuß eines wirklich modernen Social Networks kommt.

  2. Kevin
    schrieb am 14. November 2008 um 10:27 Uhr (#)

    Die “kleine” Community Gesichterparty.de -> Link hat schon mobile Varianten. Sowohl für I-Phone als auch für andere Handys optimiert.

    Da sollten sich die “Großen” mal eine Scheibe von abschneiden!

  3. Justin Stolzenberg
    schrieb am 14. November 2008 um 13:40 Uhr (#)

    Schueler.CC (in den Top 10 der IVW geprüften Seiten in D) hat ebenfalls bereits Iphone- & Mobile-Varianten live: iphone.schueler.cc, mobile.schueler.cc

    Gruß
    Justin Stolzenberg
    Computec Media AG

  4. Auyana
    schrieb am 14. November 2008 um 13:43 Uhr (#)

    Aber hallo! Es wurde auch höchste Zeit, daß diese Services mobil werden. Schließlich hat fast jeder ein Internetfähiges Hand heutzutage – kann aber aufgrund des beschränkten Angebotes dieses kaum sinnvoll nuten.

  5. bernd
    schrieb am 14. November 2008 um 14:34 Uhr (#)

    Wen juckt wer oder was schon mobilen Support hat?

    In D scheitert es an a) zuwenig Leuten mit iPhones & Co. und b) zu teuren Kosten für Handy + Tarif.

    Außerdem machen viele mobile Lösungen eigentlich gar keinen Sinn…

    Ich brauch z.B. keinen Plauderkasten auf meinem Handy wenn dort eh selten nur jemand online ist.

    Einzig sinnvoll sehe ich ICQ und eMail auf dem Handy.

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 14. November 2008 um 15:53 Uhr (#)

    @ Bernd

    T-Mobile steht kurz davor, sein 500.000stes iPhone in Deutschland zu verkaufen! Gerade iPhone-Nutzer sind experimentierfreudig und damit eine attraktive Zielgruppe für Social Networks, die eine iPhone-Site/App bereitstellen.

  7. Michel
    schrieb am 14. November 2008 um 17:58 Uhr (#)

    Es gibt seit heute auch eine neue Version unserer kleinen Grafik:

    http://mehrblog.net/2008/…le-socialnetworks-3/

  8. David
    schrieb am 16. November 2008 um 12:29 Uhr (#)

    @Martin: Hier (http://www.golem.de/0811/63447.html) habe ich noch von 190.000 Geräten (3G) in Deutschland gelesen…

    Trotzdem sind die iPhone User natürlich eine exrem spannende Zielgruppe, vermutlich sogar DIE interessante im Mobile Umfeld. Sehr lustig deswegen, dass StudiVZ mit Nimbuzz jetzt auch eine Applikation für Handys anbietet – aber leider nur für S60 und Java Handys.

  9. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 16. November 2008 um 13:04 Uhr (#)

    David ok, ich habe den Artikel auch gelesen, aber aufgrund der missverständlichen Überschrift angenommen, die 450.000 verkauften iPhones von T-Mobile bezogen sich lediglich auf den deutschen Markt. Offensichtlich zählen dort aber auch z.B die Niederlande mit rein. Allerdings spielt es für die meisten Apps ja keine Rolle, ob nun 3G oder nicht. Zusammengerechnet beträgt die Zahl der in Deutschland über T-Mobile verkauften iPhones jedenfalls mehr als 300.000 (weil mehr als 100.000 iPhones der ersten Generation verkauft wurden). Plus eine Dunkelziffer von importierten Geräten. Die 500.000er-Marke ist also nicht fern.

  10. karsten_b
    schrieb am 22. November 2008 um 12:26 Uhr (#)

    diesen gehässigen Kommentar bezüglich der lokalisten iphone Applikation kann ich nicht verstehen? Ich finde es klasse dass es eine Anwendung fürs iphone gibt, dass da noch viel gemacht werden muss ist klar aber sie gibt es auch erst seit wenigen tagen!

  11. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 22. November 2008 um 12:40 Uhr (#)

    karsten_b: Es verlangt ja niemand, dass mit der ersten öffentlichen Version gleich der große Wurf kommt. Und ich habe auch extra darauf hingewiesen, dass lokalisten das erste deutsche Social Network ist, das überhaupt eine eigene iPhone-App anbietet.
    Aber ernsthaft: Nicht mal Substantive groß schreiben? Und Rechtschreibfehler wie ‘akitv’?
    So etwas darf nicht passieren. Da möchte man doch besser gar nicht wissen, welche Fehler sich bei so einer Qualitätskontrolle dann noch unter der Haube befinden.

  12. karsten_b.
    schrieb am 22. November 2008 um 17:50 Uhr (#)

    sorry, aber das ja nun kompletter Unsinn… bei den lokalisten wird alles kleingeschrieben, das gehört bei denen wohl zum CI.
    ich mag das auch nicht so als lokalisten-user, aber es ist Absicht.
    der Rechtschreibfehler ist in der Tat.. naja etwas peinlich, aber menschlich;)

    aber da gleich so eine Schlußfolgerung zu ziehen – das ist doch Polemik und eines solchen Artikels nicht würdig.
    just my two cents.
    ciao ciao

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