Livestation:
TV-Applikation für News-Junkies

Nicht nur Zattoo bringt TV-Sender über das Web auf den Desktop. Auch Livestation hat sich dieser Aufgabe verschrieben, geht dabei aber einen etwas anderen Weg. Nach längerer, geschlossener Beta-Phase ist der Dienst mittlerweile für jeden verfügbar.

Dass auch das lineare Fernsehen früher oder später der medialen Revolution zum Opfer fallen wird, davon ist auszugehen. Mindestens einige Jahre jedoch werden uns Fernsehprogramme mit starren, von den Anbietern festgelegten Sendezeiten noch erhalten bleiben. Dienste wie Zattoo oder das browserbasierte nello (beide aus der Schweiz) haben sich zum Ziel gesetzt, den Zugang zu derartigen Angeboten über das Web zu ermöglichen und die Abhängigkeit vom Fernsehgerät und TV-Anschlusses abzuschaffen.

Bei den Internetnutzern scheint diese Strategie nicht schlecht anzukommen. So verzeichnet Zattoo, das mittels einer Desktop-Software im P2P-Verfahren ein großes Angebot frei empfangbarer Fernsehsender überträgt und an dem sich kürzlich das schweizerische Medienhaus Tamedia beteiligte, mehrere Millionen Nutzer in Europa und über eine Million in Deutschland.

Zattoo ist jedoch nicht der einzige legale Dienst aus Europa, der den Desktop in eine Mattscheibe verwandelt. Livestation heißt ein aus Großbritannien stammender Service, der ein ähnliches Prinzip verfolgt. Als wir das Projekt, an dessen Entwicklung Microsoft beteiligt war, im März vorstellten, befand es sich noch in der geschlossenen Beta-Phase, hinterließ aber bereits da einen guten Eindruck. Mittlerweile ist Livestation für jeden PC-, Mac- und Linux-User verfügbar und hat sich in der finalen Version richtig herausgeputzt.

Was Livestation anders als Zattoo nicht bietet, ist ein umfangreiches Angebot von Free-TV-Kanälen aus Deutschland oder der Schweiz. Livestation konzentriert sich auf internationale Nachrichtensender, mit denen man direkte Kooperationen eingegangen ist und die in akzeptabler Qualität von überall auf der Welt aus gestreamt werden können. Zu den Sendern, die “ab Werk” abrufbar sind, gehören unter anderem Al Jazeera auf Englisch, BBC, CNN, Bloomberg, Deutsche Welle, France 24 und Russia Today.

Das Senderkarussell von Livestation
Das Senderkarussell von Livestation

Um den Mangel an populären Unterhaltungssendern auszugleichen, können Nutzer bei Livestation die Adressen beliebiger, im Netz auffindbarer Live-Streams (TV und Radio) hinzufügen. Auf der Livestation-Site sind derzeit 1.813 von Usern eingetragene Channels gelistet, darunter alle möglichen internationalen und regionalen Sender/Feeds – einige brauchbar, andere eher nutzlos. Kanäle können bewertet, verschlagwortet und entweder über der Website oder direkt im Livestation-Desktop-Player zur Liste der persönlichen Stationen hinzugefügt werden.

Die elegante, unter Windows Vista allerdings nicht hundertprozentig stabil wirkende Software bietet zu jedem angeschauten Sender einen eigenen Chat-Room, in dem man sich in Echtzeit über das Programm austauschen kann. Die soziale Komponente von Livestation soll außerdem durch die What’s Hot-Kategorie verstärkt werden. Dort können User Kommentare zu aktuell angeschauten Sendungen hinterlassen. Fällt ein bestimmter Begriff häufiger und generiert so einen besonderen “Buzz”, tauchen er und der jeweilige Kanal entsprechend weit oben in der What’s Hot-Liste auf.

Livestation sieht nicht nur gut aus, sondern stellt insbesondere für Menschen, die sich gerne nebenbei mit Hilfe von Nachrichtensendern über Politik und Wirtschaft auf dem Laufenden halten, ein äußerst nützliches Tool dar, das sowohl zu Hause, im Büro als auch auf Reisen eingesetzt werden kann. Während die Möglichkeit des Hinzufügens eigener Streams sowie die sozialen Elemente für sich genommen keine Killerfunktionen darstellen, ergeben sie in Kombination mit den unterstützten Partner-Sendern einen personalisierten, kostenlosen und multifunktionellen TV-Client für den Desktop, der sich sehen lassen kann.

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