Online-Journalismus:
Voller Überraschungen
Zufälliger Internet-Fund ohne jede Aussagekraft: Manchmal gleicht sich nicht nur die Themenauswahl der großen Nachrichten-Seiten …

… sondern auch das Foto zum Aufmacher. Notorische Pessimisten werfen die Hände über dem Kopf zusammen und klagen über ewig gleichen Agentur-Brei auf allen Kanälen. Stimmt natürlich nicht. Beispiel gefällig? Das Besser-Wisser-Portal news.de schreibt über ein Konzert des unheimlich populären singenden Handyverkäufers Paul Potts in Hamburg:
Während er O Sole Mio und später Caruso vortrug, hatte er die Halle komplett im Griff. Wenn Potts sang, schienen die Menschen den Atem anzuhalten.
… während man auf Spiegel Online zum gleichen Anlass liest:
Keine große Oper für den kleinen Mann. Nur ein paar mittelmäßige Gesangseinlagen, die in der riesigen Halle verpuffen.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.



















Artikel per Feed
Artikel per E-Mail
Artikel bei Twitter
Facebook-Seite
Was sagen uns die unterschiedlichen Kritiken über Paul Potts?
Glaube keinen Kritiker, sondern bilde Dir selber eine Meinung…
Die unterschiedlichen Kritiken sagen schon einiges aus. Der “Spiegel” hat ein wenig recherchiert, news.de hingegen übernahm , so klingt es zumindest, ganze Passagen aus PR-Texten.
Der “Spiegel” unterschlug jedoch, falls ich das nicht überlesen habe, dass in Hamburg 9500 Konzertbesucher kamen. Das ist ja nicht nix. Aus diesem Phänomen hätte man mehr machen können. Aber dafür erfahre in spon, dass Mr.Pott Dr.phil ist. Das ist ein wichtiges Detail. Bisher habe ich immer nur vom armen Handyverkäufer gehört. Das passt eben bessser ins PR-Märchen. Auch wie man Pott nac seinem ersten Auftritt mit einer messerscharfen Strategie aufgebaut hat, wie diese Maschinerie abläuft, das ist schon lesenswert. Das erklärt nebenbei auch, warum “Deutschland sucht den Superstar” so populär ist.
Solche Hintergründe erwarte ich von einem journalistischen Text. Und den hat news.de nicht im Ansatz geboten.
Uebrigens sind solche Textvergleiche zum gleichen Ereignis durchaus hilfreich. Kann man öfter machen. Ist auch ein Mittel zur Qualitätssteigerung im schreibenden Gewerbe.
Naja, der Spiegel hat aber auch Quatsch erzählt. Potts ist kein “Dr. phil”, sondern hat einen Bachelor of Arts (Hons) in Humanities Second Class Honours Division Two .
Na gut, verdient auch der “Spiegel” noch eins auf die Mütz’.
Der Bachelor of Arts setzt in England den Abschluss eines dreijährigen Universitätsstudiums voraus. Immerhin ein beachtlicher akademischer Grad also , was eben noch immer nicht recht zum Underdog-Image passt, wie es die PR-Strategen gern hinbiegen möchten. Und darauf kam es ja mit dem Hinweis auf Potts akademischen Hintergrund an.
Auf jeden Fall ist es gut, hin und wieder den Dingen näher auf den Grund zu gehen.