Faircustomer:
Schweizer Marktplatz für Produkte
aus fairem Handel

Markus Spath, 19. Oktober 2008 16:24 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Faircustomer ist eine neue Shopping-Plattform aus der Schweiz. Alle angebotenen Produkte sind sozial nachhaltig und stammen entweder aus fairem Handel, sind in einer gemeinnützigen Einrichtung produziert, oder fördern auf sonstige Weise sozial Benachteiligte.

faircustomer
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Einer der Trends auf der diesjährigen TechCrunch50 waren Dienste mit Nachhaltigkeit. Auch die sonst nicht unkritischen Juroren hatten an Seiten wie GoodGuide (unsere Review) wenig auszusetzen, zeigten sich durchgehend erfreut und haben sich fast über sich selbst gerührt auf die Schulter geklopft. Auch im erfolgsorientierten Valley kann es Gutes geben.

Mit Faircustomer ist in der Schweiz ein Marktplatz für “Schönes, Kreatives und Individuelles aus fairem Handel, aus gemeinnützigen Werkstätten und von social entrepreneurs” gestartet und liegt genau in diesem Trend. Charmante Idee dabei: Alle angebotenen Produkte sind sozial nachhaltig und

  • stammen entweder aus fairem Handel,
  • oder sind in einer gemeinnützigen Einrichtung produziert,
  • oder kommen von einem Social Entrepreneur, der auf verifizierbare Weise soziale Nachteile mit wirtschaftlichen Mitteln addressiert.
faircustomer
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Zum Start haben sich etwa 30 Händler mit 250 Produkten auf der Shoppingseite eingefunden. Der Warenkorb ist dabei händlerübergreifend und der Versand ist – innerhalb der Schweiz – gratis. Am Modell für Lieferungen ausserhalb der Schweiz wird noch gearbeitet.

Auch sonst fallen weder für die Kunden noch für die Händler Gebühren an. Nur wenn ein Kaufvertrag zustande kommt, kassiert Faircustomer 10 Prozent vom Bruttopreis.

Die Seite selbst ist unaufdringlich und schlicht strukturiert. Auf der Startseite gibt es Neuheiten und Empfehlungen, die Produkte sind nach einigen Produktgruppen und gegebenfalls Subgruppen organisiert (Wohnen, Essen & Trinken, Spielzeug, Büro & Papeterie, usw.). Der Klick auf ein Produkt öffnet die Detailansicht, die neben den Produktinfos auch weitere Informationen zum Händler oder dem Herstellungsprozess beinhaltet.

Jochen Krisch von Exciting Commerce vermisst die sozialen Features nicht zu unrecht. Diese sind strikt nicht existent. Allerdings bin ich mir nicht sicher, wieviel echter Mehrwert dadurch entstünde, zumindest solange die Anzahl der Händler und das Produktsortiment überschaubar sind. Ein Benchmark, bei dem ein Händler ein paar Monate lang parallel ein äquivalentes Produktsortiment auf Faircustomer und etwa auf DaWanda verkauft und dort alle Techniken aus dem sozialen Lehrbuch spielt, wäre auf jeden Fall interessant.

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9 Kommentare

  1. A.P.
    schrieb am 19. Oktober 2008 um 19:21 Uhr (#)

    Herzlichen Dank für den Bericht, wir hoffen natürlich, dass möglichst viele den Weg zu uns finden um nicht nur qualitativ tolle, sondern wirklich sinnvolle Dinge zu kaufen!
    Zu den sozialen Features, die Du zurecht vermisst (es gibt allerdings eine Produktbewertung, die wird aber erst sichtbar, wenn Kunden auch bewertet haben….
    Dennoch, es ist sicher richtig, in dem Bereich könnte man viel mehr tun, auch wenn wir sicher schon einen großen Schritt gehen, in dem wir konsequent die Menschen hinter den Produkten darstellen.

    Und jezt würde ich gerne sie Begründung dafür liefern, so wie ich sie bereits bei Jochen Krisch im exciting commerce geschrieben habe: Über weitere soziale Features haben wir lange diskutiert und uns zunächst bewusst dagegen entschieden: Unsere Händler sind kleine Werkstätten, die handwerklich hervorragende Produkte mit behinderten oder psychisch beeinträchtigten Menschen herstellen, andere sind kreative Produktdesigner, die mit kleinen Werkstätten in Entwicklungsländern zusammenarbeiten oder mehrere Wochen im Jahr im Ausland unterwegs.
    Es ist für einige von ihnen schon eine echte Herausforderung, die Geschichte ihrer Produkte zu beschreiben, Bilder und Texte über sich bereitzustellen. Für sie ist das Internet als “Mitmachweb” noch ein ganz fremdes Medium und wir möchten sie am Anfang nicht überfordern.
    All diese sozialen Features machen ja nur dann Sinn, wenn sie zwischen den Händlern selbst und den Kunden funktionieren. Es gibt aber schon den Blog und ein kleines Forum und wir hoffen, dass wir nach und nach mehr soziale Features einbauen können (auf der Wunschliste stehen schon einige ;-)

    Aber die Idee mit Dawanda ist sicher interessant, vielleicht versucht es ja mal jemand, obwohl das für die Händler sehr viel aufwändiger ist, denn wir nehmen ihnen einen großen Teil ihrer Administration ab, die Anbieter bei dawanda selbst leisten müssen. Und wir haben andere Produkte, unser werden ja in kleinen Firmen oder professionellen Werkstätten hergestellt, auch wenn diejenigen, die es tun behindert sind oder in Entwicklungsländern leben.
    Danke für den Beitrag und herzliche Grüsse!

  2. Jochen (Exciting Commerce)
    schrieb am 19. Oktober 2008 um 21:28 Uhr (#)

    Warum mir die sozialen Features gerade in diesem Fall extrem fehlen: Über welche Produkte könnte man besser fachsimpeln, sich austauschen, darüber ins Gespräch kommen und andere neugierig machen als über ungewöhnliche Produkte aus fairem Handel?

    Ich verstehe die Argumentation, aber letztlich sollen sich ja nicht die Händler/Produzenten austauschen, sondern die Nutzer/Fans solcher Produkte.

    Andererseits: Faircustomer.ch ist gerade in der Beta. Ich wünsche in jedem Fall viel Erfolg.

  3. mlle a.
    schrieb am 20. Oktober 2008 um 17:24 Uhr (#)

    Jochen meint: “Ich verstehe die Argumentation, aber letztlich sollen sich ja nicht die Händler/Produzenten austauschen, sondern die Nutzer/Fans solcher Produkte.”

    Dazu gibt es doch ein Forum, wie auf allen anderen Marktplätzen auch. Nur habe ich bei allen Mitstreitern von Etsy beobachtet, dass gerade die Kunden nicht die sind, die sich in den Foren und Blogs einfinden und auch andere Angebote nur zögerlich nutzen. Bis auf die üblichen Kommentarfunktionen zu Produkten selber – da sind Kunden etwas spontaner, aber ob das als Austausch durchgeht? Ansonsten sehe ich einen Blog, das erwähnte Forum und eine Reihe attraktiver Offline-Angebote zum Kennenlernen des Marktplatzes.
    Du hast bei aller Kritik ausserdem nie genau definiert, was die “sozialen Features” sein sollen, Jochen, und es bleibt zu überlegen, ob Marktplatz A mit einem Satz X Features genauso gut fährt wie Marktplatz B (meiner Meinung nach trifft dies nicht zu).

  4. Jochen (Exciting Commerce)
    schrieb am 20. Oktober 2008 um 21:34 Uhr (#)

    Das Forum habe ich tatsächlich übersehen. Danke für den Hinweis. Vielleicht reicht das ja, um ein bisschen Leben auf die Plattform zu bringen. Unter “sozialen Features” verstehe ich im wesentlichen das, was DaWanda & Co. bieten.

  5. A.P.
    schrieb am 20. Oktober 2008 um 21:54 Uhr (#)

    Danke Jochen und mlle. a., das gibt noch einmal Gedanken- und Diskussionsstoff. Im Grunde würden wir vor allem das Forum gerne auch als Kontaktpunkt zwischen Produzenten und Konsumenten ausbauen. Wer kann besser über die Bedingungen im Kaffeeanbau erzählen, als der Händler der seit Jahren durch die Anbauländer reist und nach sinnvollen und gerechten Alternativen sucht? Wir haben viele echte Fachleute unter unseren Händlern und es wäre schön, wenn wir sie auf Dauer dazu bringen könnten, dieses Wissen mit anderen zu teilen, Fragen zu beantworten, Konsumentenwünsche aufzunehmen, im Dialog zu sein. Ein erstes Beispiel ist der Beitrag von Fairy Tale über die Ethical Fashion Days in Genf. Aber das erfordert viel Einsatz von ihnen und auch von uns, denn dieser Dialog entsteht nicht von allein.Wir sind eine kleine Firma im Aufbau und haben zur Zeit schlicht keine Kapazitäten dafür, suchen aber Menschen, die es reizt uns dabei zu unterstützen!

  6. mlle a.
    schrieb am 21. Oktober 2008 um 13:34 Uhr (#)

    Jochen sagt: “Unter “sozialen Features” verstehe ich im wesentlichen das, was DaWanda & Co. bieten.”

    Das ist genauso wenig Info wie im vorigen Statement. :) Meinst Du so etwas wie das “Etsy Mini”, die DaWanda Postkarten, oder noch etwas anderes (ausser Blog, Forum und Kommentarfunktion)? Merken (d.h. Wunschzettel) und Weiterempfehlen gibt es ja bei Faircustomer auch. Und damit ist eigentlich fast alles an primären “social features” vorhanden, was auf z.B. Etsy und DaWanda auch vorhanden ist. Erinnert sich noch jemand an die gähnende Leere auf DaWanda in den ersten Monaten, trotz all dieser Funktionen?

    Ich meine, dass gute Features reichlich vorhanden sind, nur das Finetuning fehlt noch, und das ist eine Angelegenheit von Produktentwicklung und Mkt./PR und muss wachsen… aber das sind nur meine zwei Pfennige. Eurocents.

  7. Jochen (Exciting Commerce)
    schrieb am 21. Oktober 2008 um 14:01 Uhr (#)

    “Social features” sind für mich Nutzerprofile, etc.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Markus Spath
    schrieb am 21. Oktober 2008 um 18:22 Uhr (#)

    Danke für die angeregte Diskussion.

    Mein take: ich bin sicher nicht gegen ’sozial’, aber mir ist ein Dienst – wie Faircustomer – der in sich stimmig und ‘nicht sozial’ ist lieber, als ein halbherzig sozialer. Sozial und in sich stimmig ist grossartig, siehe Etsy/DaWanda, und schliesst sich natürlich nicht aus, aber wenn sich das Soziale nicht plattformbedingt selbst ausdifferenziert, dann gibt es einige damit verbundene Probleme, die man sich einhandelt.

  9. Simon Künzler
    schrieb am 21. Oktober 2008 um 20:49 Uhr (#)

    Wie «sozial» faircustomer.ch auch immer ist: Wir gratulieren der Macherin und wünschen viel Erfolg!

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