Google Chrome:
Sechs Wochen später

Martin Weigert, 13. Oktober 2008 09:17 Uhr, 18 Kommentare Kommentare

Die erste Euphorie um Googles neuen Browser Chrome hat sich gelegt. Das heißt jedoch nicht, dass der Neuling überschätzt wurde.

Chrome

Chrome
Fast sechs Wochen ist es nun her, dass Google mit Chrome seinen eigenen Browser veröffentlicht hat. Marcel beschäftigte sich damals ausführlich mit Googles Neuentwicklung. Anders als bekannte Browser wie Internet Explorer, Firefox oder Opera wurde Chrome explizit für Web-Applikationen gebaut, die eher einer Desktop-Software als klassischen Websites gleichen - wenig verwunderlich, bietet Google mit Docs, Reader oder Kalender selbst zahlreiche solcher Services an.

Mittlerweile hat sich die erste Euphorie um Chrome gelegt. Auch der Marktanteil des Browser fällt nach den ersten Ausschlägen zum Start wieder auf ein niedrigeres Niveau ab. Laut den Messungen des Branchendienstes Market Share verwenden derzeit 0,78 Prozent aller Internetnutzer Chrome. Market Share untersucht nach eigenen Angaben das Surfverhalten von rund 160 Millionen Web-Usern.

Auch netzwertig.com-Leser greifen wieder häufiger auf andere Browser zurück. Hatten am 3. September ganze zehn Prozent aller Besucher Chrome installiert, sind es mittlerweile nur noch rund 1,8 Prozent. Doch darf man sich von dieser vermeintlich niedrigen Zahlen nicht täuschen lassen: Angesichts von vielen Hundertmillionen Internetnutzern weltweit und einer nicht gerade ausgeprägten Browser-Wechselfreundlichkeit sind selbst die von Market Share gemessenen 0,78 Prozent ein ordentliches Ergebnis. Vermutlich hat Google zudem die in den Tagen nach dem Launch aufgekommene Debatte um den angeblich mangelnden Datenschutz des Browserneulings einige Anwender gekostet.

Chrome-Nutzung der netzwertig.com-Leser seit 2. September
Chrome-Nutzung der netzwertig.com-Leser seit 2. September

Von den netzwertig.com-Autoren setzen Marcel und ich Chrome ein. Marcel verwendet Firefox und Chrome parallel. Letzteres kommt hauptsächlich für “Web-Apps” zum Einsatz, beispielsweise für Google Reader. Seiner Aussage nach besticht Chrome hier vor allem durch seine Schnelligkeit. Marcel erkennt außerdem, wie nützlich die Möglichkeit ist, Tabs in eigene Fenster ziehen zu können. Das erlaubt einen leichten Umgang mit Applikationen, der dem von Desktop-Programmen sehr nahe kommt.

Ich bin seit der Veröffentlichung komplett von Firefox auf Chrome umgestiegen. Sowohl beim Starten des Programmes als auch beim Aufrufen von Seiten schlägt Googles Entwicklung den Mozilla-Browser unter Windows Vista um Längen. Geschwindigkeit ist für mich das ausschlaggebende Kriterium bei der Wahl des Browsers. Auch über die Stabilität der Software kann ich mich nicht beklagen. Einen Härtetest mit 72 offenen Tabs bestand Chrome mit Bravour.

Was sowohl Marcel als auch mir fehlt, sind Addons, wie man sie für Firefox zu Tausenden findet. Auch vermisse ich die von Firefox bekannte Box mit individuell einstellbaren Suchmaschinen - Chromes automatische Funktion zum Vorschlagen von Suchbegriffen und Sites, über die gesucht werden soll, halte ich eher für verwirrend als für hilfreich.

Dennoch: Jedes Mal, wenn ein Desktop-Programm einen Link in Firefox öffnet und mir die im Vergleich zu Chrome stark überladene Oberfläche präsentiert, weiß ich, warum ich derzeit auf Chrome abfahre: Websites und -services bekommen einen größtmöglichen Platz zur eigenen Entfaltung und der Browser hält sich dezent im Hintergrund. So wie es sein soll.

Was gefällt euch an Chrome, und was gefällt euch nicht?

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18 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Philipp

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 09:35 Uhr (#)

    Ich bin auch direkt nach der Veröffentlichung zu Chrome gewechselt und finde den Browser aus den von dir beschriebenen Gründen wirkich super.

    Aber was mich stört ist ein fehlender Werbeblocker. Dabei stören mich Sachen wie Adsense-Werbung eigentlich kaum. Aber diese Flash-Layer und ähnlicher Unrat nerven extrem. Firefox mit Adblock hatte mich sowas fast vergessen lassen…

  2. e-driven.de

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 10:39 Uhr (#)

    Habe Chrome auch direkt getestet und war beigeister - bis ich es auf meinem privaten Notebook installiert habe. Da dort die “nach oben Scrollfunktion” bei meinem Touchpad nicht funktioniert, war es erstmal das aus für Chrome. Und natürlich fehlen Addons.

  3. chris

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 10:41 Uhr (#)

    ich stimme eurer meinung voll zu. nur dass ich wegen dena ddons nicht auf ff verzichte

  4. seb

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 10:58 Uhr (#)

    Schöner Artikel,
    ich bin auch gleich komplett zu Chrome gewechselt. Die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit sind überzeugend. Da ich zum größten Teil sowieso Google-Dienste nutze (Reader,GMail,Docs,Picasa,…) hatte ich auch mit den Datenschutz-Gedöns keine wirklichen Probleme.
    Das Einzige, was mich auch gestört hatte, war der fehlende Adblocker. Dies konnte ich jedoch leicht durch ein zusätzliches kleine Programm lösen (Proxomitron), was auch gleich bei anderen Browser funktioniert. Somit ist gleich Adblock bei Firefox unnötig geworden.
    Ansonsten wäre noch eine Zoommöglichkeit (nicht nur Textzoom) recht praktisch bei Chrome.
    Nichts desto trotz
    Ich bleib dabei
    Mfg
    Seb.

  5. dolce

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 11:06 Uhr (#)

    ich nutze Safari auf dem Mac, aber ich habe mir den Chrome auf Win XP angesehen und war recht angetan. Der FF3 ist in der Zwischenzeit ein bisschen Fett geworden. Zusammengefasst würde ich sagen, dass Chrome der Safari für Windows ist. Schön, dass das Webkit vorankommt.

  6. Daniel Niklaus

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 11:43 Uhr (#)

    Mousegestures und das integrierte E-Mail hielten mich beim Seamonkey. Für Gmail (wir haben unsere Domain da drauf) wechselte ich aber zu Chrome, womit der Mailvorteil weg ist.

    Der neue Firefox holt im Speed wieder auf. Bin also gespannt, ob die Mousegestures das Rennen für mich machen ;-)

  7. Torsten

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 12:33 Uhr (#)

    Einfach einen anderen Skin von Firefox installieren - und die Webseite hat so viel Platz wie Du nur möchtest.

  8. Stephan

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 12:33 Uhr (#)

    Ich halte es für einen Fehler Google-Chrome Beta im produktiven Einsatz zu nutzen. Ganz abgesehen, dass es Google-Software ist und man nun ja nicht wirklich auf jeden Zug der “Die Welt ist eine Google” aufspringen muss…Andere Browser (Firefox/Opera) profitieren durch jahrelange Erfahrung und haben schöne Add-Ons, die ich nicht missen möchte. Wer meint Chrome wäre super und dafür stabile und “gereifte” Browser nicht mehr einsetzt muss ziemlich naiv sein! Nicht nur aus der Sicht von mir, eines Informatikers…zum Glück haben es aber einige noch rechtzeitig gemerkt und die Euphorie geht zurück.

  9. Dr. Azrael Tod

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 13:19 Uhr (#)

    Was mir nicht gefällt?
    Chrome ist derartig an Windows angepasst (und hat daher auch schon seine ersten Konzeptuellen Schwachstellen) dass es wohl dieses Jahr keine Version mehr für Linux geben wird.
    Und bitte fangt mir jetzt nicht von Wine oder ähnlichen Absurditäten an, ich will einen schnellen browser der wenig RAM frisst und nicht einfach ohne Nutzen irgendwelche Alternativen zu FF testen!

  10. MaikD

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 15:43 Uhr (#)

    Was mich von Chrome abhält, ist schlicht, das er nicht mal die Toolbar aus dem eigenen Hause unterstützt. Bei meiner täglichen Arbeit an 3 - 4 unterschiedlichen Rechnern ist das bisher die beste Möglichkeit gewesen, alle Links mitzunehmen und zu synchronisieren. Desweiteren fehlen die Addons für Mousegesten u.ä.

    Damit hat sich der Google-Browser kurz nach dem Ausprobieren für die tägliche Arbeit leider disqualifiziert …

    MaikD

  11. Martin Weigert

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 18:48 Uhr (#)

    Schöner Querschnitt aus unterschiedlichen Meinungen.

    @ Stephan
    Ach mit Naivität lebt es sich so schon unbeschwert ;)

  12. steffen

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 19:21 Uhr (#)

    ich habe chrome installiert und getest, nutze aber weiterhin ff. chrome starte ich nur noch um zu testen ob meine webseiten browserübergreifend ordentlich dargestellt werden und an dieser stelle ist chrome wirklich super gut. mit ff, ie, oder safari hatte ich hier und da ein paar probleme wo ich immer etwas nacharbeiten mußte aber bei chrome hat alles sofort funktioniert.

    der einzige grund, warum ich chrome nicht nutze ist wirklich die datenschutzproblematik, ich hasse es wie die pest:

    1. wenn programme internetverbindungen ohne grund aufbauen. dann frage ich mich, warum und wohin chrome gerade irgend welche informationen sendet.

    2. wenn cookies über google.com erzeugt werden, ohne dass eine einzige http-anfrage an google.com geht.

    3. wenn programme samt der dazugehörigen daten nach der deinstallation nicht vollständig von meinem rechner verschwinden und meinen rechner zumüllen und diese vorgehensweise noch verschleiert wird.

    4. wenn programme beim starten des rechners ungefragt starten und dies ebenfalls verschleiert wird.

    eigentlich bin ich eher ein google-fan, und es gibt von der usabilität her keinen grund chrome nicht zu nutzen. besonders diverse entwicklungsinfos, die bei ff aber auch nicht schlecht sind, habe ich als webentwickler sofort lieb gewonnen. aber die punkte 1-4 sind alle unterste schublade. würde da nicht der name google dran stehen, würde ich es als spyware bezeichnen.

    falls google will, dass auf die rechner meiner eltern oder einiger freunde / kunden, die technisch nicht so bewandert sind, chrome statt ff zum einsatz kommt, dann sollte google bei den oben aufgeführten punkten eine 180 Grad drehung machen.

    die mangelnde wechselwilligkeit bei browsern liegt daran, dass 95 % der anwender keine geeks sind und das nehmen was ihnen vorgesetzt wird. das was ihnen aber vorgesetzt wird, wird zu einem nicht unerheblichen teil durch techis bestimmt, die somit als multiplikatoren wirken. der rest nimmt was da ist. die philosophie die breite dumme masse wirds schon installieren, geht damit zum glück nicht auf.

  13. Joshi

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 20:31 Uhr (#)

    Ich hatte erst Firefox genutzt und bin als Google Fan natürlich gleich auf Chrome umgestiegen. Naja, jetzt nutze ich wieder den Firefox. Warum?

    1. Hängt sich Chrome ständig bei YouTube auf. Google hätte vorher wenigstens testen können, ob der eigene Browser auch bei den eigenen Webangeboten funktioniert.
    2. Das gleiche bei Webseiten, wo Flashbanner angezeigt werden (Flash reagiert nicht).
    3. Keine Addons wie zum Beispiel für Delicious.
    4. Er sendet ständig Daten hin und her, obwohl die Seite eigentlich fertig geladen ist.
    5. Copy und Paste funktioniert zum Beispiel in Wordpress nicht 100%ig. Der einzufügende Text wird immer an das Ende gesetzt, auch wenn der Cursor irgendwo in der Mitte steht.
    6. Bei Joomla funktionieren mit Chrome die Buttons wie “speichern”, “löschen”, “veröffentlichen” nicht.
    7. Der Support ist für ein Unternehmen wie Google unter aller Sau. In der Hilfegruppe antwortet immer nur eine bemühte Person, die natürlich auch mal überfragt ist und nicht bei jedem Problem helfen kann.
    8. Der Verlauf und Cache läßt sich nur schwer löschen.
    9. Daher kommt es zum Beispiel, dass Webseiten die ihre URL geändert haben plötzlich nicht mehr zu finden sind. Beispiel: Facebook ist unter “new.faceb..” in Google gelistet. Ich klicke auf das Ergebnis und Chrome ändert die URL in die, welche er im Cache hat und nicht mehr funktioniert. Somit kann die Seite nicht gefunden werden.
    9. In Google Docs wird das aktuelle Arbeitsblatt ständig gespeichert, was auch gut ist. Chrome blockiert während des speicherns und man kann für wenige Sekunden nichts mehr tun.
    10. Es ist eben doch eine Beta, von der ich leider zuviel erwartet habe.

  14. Marvin

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 20:33 Uhr (#)

    Ich hab Chrome auch mal ausgetestet, aber gegen Opera hat Google bei mir damit keine Chance. Opera ist (subjektiv!) schneller, trotz integriertem eMail und RSS-Client und wesentlich aufgeräumter. Wenn man die ganzen unnötigen Leisten von Opera ausblendet, hat man eigentlich fast den vollen Desktop nutzbar gemacht…
    Aber letztendlich ist es Geschmackssache, der FF User würde wahrscheinlich nie zu Opera wechseln, weil er glaubt, dass seine Addons nicht unter Opera laufen (btw: 80% akzeptiert Opera klaglos), der Opera User hat alles unter einem Dach und brauch nichts anderes und der IE User begnügt sich völlig mit dem was er versteht.
    Chrome finde ich nur sinnvoll, wenn man ihn separat als quasi OS für (Googles…) Webapps nutzt - dann gewinnt man spürbar.

  15. Frederik Kreijmborg

    schrieb am 13. Oktober 2008 um 22:40 Uhr (#)

    Das angesprochene Flashproblem hatte ich nicht. Im Gegenteil war die Geschwindigkeit deutlich erhöht im Vergleich zum Favoriten Opera. Was mich jedoch stört ist die Eigenwilligkeit und das nicht aufhören wollende mulmige Gefühl im Bauch, dass Google mehr sendet, als mir lieb ist.

    PS: Was hat es mit der neuerdings daueraktiven GoogleUpdate.exe auf sich? Ich lasse sie werkeln, aber gut finde ich den Browser nicht.

  16. Ben

    schrieb am 14. Oktober 2008 um 00:08 Uhr (#)

    Chrome hat bei mir Firefox unter Windows komplett ersetzt, primärer Browser bleibt allerdings Safari unter OSX.

    - an richtigen Abstürzen hatte ich bisher nichts, kein Vergleich mit Firefox 0.4er Versionen oder dergleichen
    - die Performance ist herausragend im Vergleich zu Firefox, grade wenn man den Browser nur schnell starten will um 1-2 Seiten aufzurufen
    - an die Startseite mit den häufig besuchten Seiten gewöhnt man sich schnell, das sollten andere kopieren
    - Adblock fehlt. Eigentlich gefällt mir der schlanke Ansatz Chromes sehr (wer Addons und Optionen braucht hat genug Auswahl bei Mozilla/Firefox/Opera), nur die Flashwerbung bringt mich oft zum Wahnsinn
    - das UI ist schön reduziert, allerdings ignoriert es dabei nahezu sämtliche Windowskonventionen so dass ich manchmal etwas ins schwimmen komme, wenn ich ins Optionsmenü möchte
    - Google, naja, das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden…
    - mal schauen wie die OSX-Version wird.

  17. David

    schrieb am 14. Oktober 2008 um 13:48 Uhr (#)

    Ich vermisse am meisten das konsistente Zoomen einer ganzen Webseite und einen Werbeblocker. Wenn das Zoomen ginge würde ich Chrome eine echte Chance geben. Ohne das ist der Browser aber bei hohen Bildschirmauflösungen (zB 1600 horizental auf 15 Zoll wide) für mich unbrauchbar. Das reine Textzoomen ist hässlich und geht auf manchen Seiten gar nicht.

  18. Alex

    schrieb am 15. Oktober 2008 um 09:25 Uhr (#)

    Chrome ist für das was er können soll, komplett ausreichend wie ich finde. Umfangreiche Webapplikationen benötigen nunmal viel Javascript und das wird bei Chrome mit V7 ziemlich schnell und gut gerendert.

    Der Browser kann, was er können muss, und dann auch ziemlich gut. Die ganze Sache wurde mit dem Datenschutz dermaßen runter gezogen, dass Chrome derart an Attraktivität verloren hat - meiner Meinung nach aber berechtigt.


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