Musikerplattform SoundCloud startet und stößt Beta-Tester vor den Kopf

Martin Weigert, 11. Oktober 2008 15:24 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

SoundCloud, eine Plattform, die Musiker über ihre Produktionen mit Musikfreunden zusammenbringt, hat die geschlossene Beta-Phase verlassen und ist nun für jeden zugänglich. Obwohl sich der Dienst von einer sehr guten Seite zeigt, bleibt für bisherige Beta-Tester ein bitterer Nachgeschmack.

SoundCloud, eine Site, auf der Musiker und Labels ihre Produktionen vorstellen und mit ihren Fans in Kontakt treten können, ist seit Freitag für jeden zugänglich. Viele Monate war der Dienst nur als geschlossene Beta-Version verfügbar. Wir haben SoundCloud im Januar zum ersten Mal vorgestellt. Der aus Berlin stammende, von einer Gruppe musikverrückter Schweden gegründete Service besticht vor allem durch sein attraktives, verspieltes Design und verschiedenste, innovative Funktionen.

Bei SoundCloud können Künstler oder Plattenfirmen Titel hochladen. User, die lediglich zum Musikhören da sind, können die Produktionen anhören und kommentieren – sekundengenau, was direktes Feedback zu einzelnen Elementen des jeweiligen Stückes erlaubt. Nutzer haben die Möglichkeit, einander zu folgen, um über neue Tracks informiert zu werden. Sofern vom Interpreten zugelassen, kann man Songs auf externen Seiten integrieren oder herunterladen. Zudem lassen sich mit SoundCloud von anderen empfohlene Tracks empfangen – auch von Nicht-Mitgliedern.

SoundCloud Nutzerseite
SoundCloud Nutzerseite

Das Team hinter SoundCloud will die Site zu einer Plattform machen, auf der Musiker über ihre Produktionen mit bestehenden und potenziellen Fans in Kontakt kommen. Das Geschäftsmodell soll dem Rechnung tragen: Mit dem Launch lanciert SoundCloud vier unterschiedliche Account-Typen, einer kostenfrei und drei kostenpflichtig. Einschränkungen bezüglich des Anhörens von Titeln gibt es bei keinem der vier Pakete. Die Abstufungen in der Anwendbarkeit betreffen nur das Veröffentlichen von Songs.

Mitglieder mit dem kostenfreien Paket können pro Monat maximal fünf Musikstücke (mit unbegrenzter Länge) hochladen. Bei PRO Light sind es 15, bei PRO Standard 50 und bei PRO Max (59 Euro monatlich) unbegrenzt viele. Hinzu kommen bei den günstigeren Accounts einige weitere Begrenzungen in der Funktionsvielfalt.

SoundCloud setzt mit dem gewählten Freemium-Modell ein klares Zeichen: Man will nicht, dass Nutzer haufenweise Musikdateien aus der eigenen MP3-Sammlung hochladen und SoundCloud als Storage-Dienst verwenden. Lediglich Musiker und Labels werden bereit sein, bis zu 59 Euro pro Monat zu zahlen, um ohne Begrenzungen hochladen zu können. Im Gegensatz zu den meisten anderen Webangeboten sind bei SoundCloud übrigens auch die Gratisaccounts vorläufig werbefrei.

Innovative Features, tolles Design und ein vernünftiges, von den Launen des Werbemarktes unabhängiges Geschäftsmodell. Klingt so, als wäre alles perfekt. Fast! Einen kleinen Schnitzer erlaubt sich SoundCloud mit seinem offiziellen Start doch noch, und dieser betrifft ausschließlich Beta-Tester. Diesen wurde in einer Mail zum Launch mitgeteilt, dass ihr bisher im Prinzip unbegrenzter Beta-Account als Dank für das Testen drei Monte lang in einen PRO Standard-Account umgewandelt wird. Das ist schön, doch was passiert danach? Ab dann muss man sich ebenfalls mit einem Gratis-Konto begnügen, inklusive aller damit verbundener Einschränkungen.

Es ist das gute Recht von SoundCloud, Beta-Tester nach einer Übergangszeit zu dem zu machen, was sie sind, nämlich nicht zahlende Mitglieder. Doch ist es auch taktisch klug? Ich glaube nicht. Es sind die Beta-Tester, die über den Service gebloggt, Freunden davon erzählt und Einladungen verschickt haben. Sie haben SoundCloud ins Gespräch gebracht und ihren Anteil daran, dass der Service nun offiziell starten kann. Den Testnutzern die Freiheiten in der Anwendung zu nehmen, an die sie sich schon gewöhnt haben, scheint mir nicht wirklich durchdacht. Zumal Datentraffic heute fast nichts mehr kostet.

Vielleicht ist es angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen der richtige Schritt, schnellstmöglich viele User zu zahlenden Nutzern machen zu wollen. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt dennoch. Auch angesichts der Tatsache, dass es anders geht: Der Cloud-Hosting-Service DropBox (unser Review) zum Beispiel bietet Neunutzern kostenlos einen Gigabyte an Speicherplatz. User, die schon in der Beta dabei waren, können jedoch für immer ihre fünf bzw. zwei Gigabyte behalten.

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4 Kommentare

  1. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 11. Oktober 2008 um 17:05 Uhr (#)

    Mitglieder mit dem kostenfreien Paket können pro Monat maximal fünf Musikstücke (mit unbegrenzter Länge) hochladen.

    Das halte ich für vernünftig als Begrenzung. Zumal man das auch leicht umschiffen kann, wenn man denn unbedingt will: Einfach mehrere Songs zu einer Datei zusammenfassen, als ein Song hochladen (gibt ja keine Längenbegrenzung) und mit den Markern die einzelnen Songs markieren. Damit könnte man dann schon mal locker 5 EPs oder LPs hochladen pro Monat. (Nur, wer will das schon so machen)

    Die 59€ pro Monat für den unbegrenzten ‘Pro Max’-Account halte ich dagegen für völlig überzogen angesichts dessen, was Hosting und Webspace heutzutage kosten. Kaum ein Label wird für die Zusatzfunktionen die Soundcloud bietet, so viel monatlich auf den Tisch legen wollen. Ist ja nicht gerade so, dass die Musikbranche aktuell im Geld schwimmt. Vielleicht will man mit dem Preis nur dafür sorgen, dass niemand einen der unkalkulierbaren, weil unbegrenzten Accounts nimmt. ;)

  2. Hathead
    schrieb am 12. Oktober 2008 um 12:22 Uhr (#)

    @Marcel
    Die 59€ sind meiner Ansicht nach ein ziemlich gutes Angebot. Denn Hosting, und insbesondere Datentransfer sind eben nicht so billig wie man annimmt. Wenn ein Dienst wie Soundcloud 8ct pro GB bezahlt ist das schon recht preiswert. Hinzu kommen die Kosten für die Verfügbarkeit der Plattform (Replikationssysteme, Clustering, etc.). Viele Leute werden den Service dazu nutzen Musik zu hören (ist ja auch dafür gemacht). Wenn wir davon abstrahieren und nur die Traffickosten betrachten bedeutet dies das ein Label mit seinen 59 Euro gerade mal knapp 700GB Traffic refinanziert. Und da wird es dann schon wieder eng, weil die Meisten Nutzer eben auf der Kostenfreien Variante bleiben. Ich würde für den Pro Max Account jedenfalls erheblich mehr verlangen. Vielleicht ungefähr so: Label zahlt einen Grundbeitrag von ca. 200 Euro und pro Künstler eine kleine Pauschale. Und für die die sich das tatsächlich nicht Leisten können (Einzelkünstler, Microlabels) macht man gesponserte Angebote auf Basis von Uservotings. Wenn das ganze aufgeht, sind diese dann auch durch den Multiplikator Soundcloud dazu in der Lage die “normalen” Gebühren zu bezahlen. Nebenbei würde man durch die Sponsoring-Contests erweiterete Anreize schaffen. Für die Künstler: mehr Musik einzustellen
    Für die User: die Seite durch mehr interaktivität häufiger zu besuchen.

  3. Yella
    schrieb am 12. Oktober 2008 um 16:54 Uhr (#)

    Ich würde jetzt auch vermuten, dass Du die Relevanz der Betatester überschätzt, Martin. Meiner Meinung nach ein konsequenter Schritt, man bekommt ja sogar was geschenkt (die 3 Monate). Bin gespannt wie sich Soundcloud im Haifischbecken der MI und anderer Musikdienste entwickelt.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 12. Oktober 2008 um 17:22 Uhr (#)

    Nee das mache ich nicht. Und als Stammleser weißt du ja, dass ich Geschäftsmodelle gern aus unternehmerischer Sicht betrachte und nicht immer nur alles kostenlos will. Aber wie im Beitrag beschrieben, halte ich es hier für taktisch nicht klug. Zumindest hätte ich mir hier eine etwas großzügigere Geste erwartet. Ein Jahr PRO Standard z.B. Gerade deshalb, weil es sicher nicht Zehntausende aktive Beta-Tester sind und deshalb kostentechnisch vertretbar ist.

    Man darf nicht vergessen, dass durch die Einschränkungen auch das virale Potenzial erheblich verringert wird. Ehemalige Beta-Nutzer, die aus welchen Gründen auch immer nicht zahlen wollen, werden damit erheblich weniger zur weiteren SoundCloud-Bekanntheit beitragen. Es geht also nicht nur darum, den Test-Usern um jeden Preis Dinge kostenlos zu geben, sondern sich selbst nicht ins eigene Fleisch zu schneiden. Was SoundCloud meiner Ansicht nach mit dem Schritt tut.

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