Darknets auf dem Vormarsch:
Warner lässt Dateien auf
Wuala löschen

Marcel Weiss, 10. Oktober 2008 15:51 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Warner Bros. lässt illegal auf Wuala getauschte Dateien löschen. Größte Wuala-Gruppe von Administrator freiwillig gelöscht. Darknets weiterhin auf dem Vormarsch.

Mit dem aus der Schweiz kommenden Wuala, das sich im August für die Öffentlichkeit öffnete, kann man Dateien in der Cloud ablegen, bearbeiten und auch wieder lokal abspeichern.

Die Dateien werden dabei aufgeteilt und verschlüsselt auf den Festplatten der Wuala-Nutzer verteilt gespeichert. Jeder Nutzer kann das nun privat nutzen. Man kann aber auch Gruppen anlegen und diese öffentlich machen oder nur bestimmten Leuten Zugang gewähren.

Wie Netzwelt berichtet(via P2P-Blog), wurde Wuala nun von Warner Bros. kontaktiert, weil die mit 3000 Mitgliedern größte dieser Gruppen - die Gulli Usergroup - mehrere Filmtitel auf diesem Weg untereinander tauschte. Mitarbeiter von Warner hatten sich dieser Gruppe angeschlossen, um so Verstösse dokumentieren zu können. Um rechtlichen Schritten gegen Mitglieder der Gruppe zuvor zu kommen, hat der Administrator der Gruppe die ‘Gulli Usergroup’ daraufhin gelöscht .

Darknets als das schwieriger zu kontrollierende Filesharing

Bei privaten Gruppen entscheidet der Besitzer der Gruppe, wer Zugang erhält. Was Wuala im Grunde damit anbietet, ist das einfache Erstellen von Darknets zum effizienten P2P-Austausch von Dateien. Woraus die Dateien bestehen, gemeinsam bearbeitete Dokumente oder urheberrechtlich geschütztes Material, ist der Technologie selbst dann herzlich egal.

Eben so, wie es die Straße nicht interessiert, ob man sich auf ihr an die Straßenverkehrsordnung hält oder nicht.

Wikipedia über Darknets :

Ein Darknet ist ein privates Peer-to-Peer-Netz, in dem sich die Nutzer nur mit den Menschen verbinden, denen sie vertrauen. Solche Netze sind normalerweise klein, oft mit weniger als zehn Teilnehmern pro Netz. Allgemein kann ein Darknet eine beliebige geschlossene Gruppe von kommunizierenden Leuten sein.

Da bei öffentlichem P2P-Filesharing das Mitschneiden der IP-Adressen für Rechteinhaber relativ einfach ist, nimmt die Bedeutung an mehr Schutz bietenden Darknets immer weiter zu.

Für BitTorrent , dem effizientesten und mittlerweile global weitverbreitesten Filesharing-Protokoll, gibt es mittlerweile unzählige private Tracker. Sites, auf welche man nur mittels Einladung kommt.

Diese müssen dabei nicht klein sein. Der Musik-Tracker OiNK hatte seinerzeit Zehntausende Mitglieder. Die Effizienz solcher privaten BitTorrent-Tracker scheint die Industrie zu erschüttern. Letztes Jahr wurde OiNK in einer beispiellos überzogenen Polizei-Aktion geschlossen und der Administrator verhaftet (und kurze Zeit später wieder auf freien Fuss gesetzt). Mit falschen Angaben der Musikindustrievereinigungen und absurden Presseberichten versuchte man Herr der Filesharing-Lage zu werden. Auf OiNK wurden immerhin oft Alben vor dem Veröffentlichungsdatum von Industrieinsidern online gestellt, von wo aus sie ihren Weg in den Rest des Netzes fanden.

Viel genützt hat es der Musikindustrie nicht. Die juristischen Verfahren sind über ein Jahr später immer noch nicht abgeschlossen. Während nur wenige Wochen nach dem Niedergang von OiNK diverse Nachfolger-Sites entstanden, die schnell Zulauf bekamen und rasch gemeinsam und mittlerweile oft auch einzeln größer sind als ihr Vorbild. Eine der größten von ihnen, what.cd, hat aktuell über 60.000 Mitglieder. Und wahrscheinlich gibt es nochmal ebenso viele Surfer, die verzweifelt einen Weg suchen, dieser Filesharing-Community beizutreten.

Letztlich bleibt illegales Filesharing ein ‘Katz und Maus’-Spiel, das die Rechteverwerter-Industrie nur verlieren kann. Vorausgesetzt unsere Gesellschaft macht in diesem Kampf nicht das Internet selbst zum Opferlamm .

» Mehr lesen: P2P (2), Wuala (4)

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. ben_

    schrieb am 10. Oktober 2008 um 23:54 Uhr (#)

    Steile These, die Du da im letzten Satz andeutest, dass durch Darknets die Kulturflatrate gefördert würde, die wieder das Ende für die Netzneutralität bedeuten würde. Der Schluß basiert mir auf etwas zu freien Prämissen.

  2. Marcel Weiss

    schrieb am 11. Oktober 2008 um 17:30 Uhr (#)

    Ich hätte den letzten Link vielleicht noch erklären müssen, stimmt. Darknets sind eine ziemlich mächtige Waffe der Filesharer im Copyright-Krieg. Die Kulturflatrate ist ein (vermeintlicher) Lösungsansatz für eben diesen. Und sie ist eine von vielen Bedrohungen für die Netzneutralität. Tatsächlich kann es für die Rechteinhaber, so wie sie es sich jetzt in der Mehrheit vorstellen, nur eine zufriedenstellende Lösung des “Problems” (das eigentlich ein Fakt ist) geben, wenn die Netzneutralität aufgehoben wird. Darknets in der Gesamtheit kannst du effizient nur direkt am ISP bekämpfen.


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