Jetzt doch:
Tamedia übernimmt search.ch
Die Übernahme der Suchmaschine search.ch durch Tamedia, über die medienlese.com bereits am 29. August berichtet hatte, wurde heute bestätigt.

Wir hatten recht, aber wir waren satte fünf Wochen zu früh mit der Meldung. Heute morgen wurde es offiziell bestätigt.
Offenbar war der Paketdeal etwas komplizierter und die Spreadsheets hatten viele Tabs, da Tamedia nicht nur die Mehrheit an search.ch übernahm, sondern zugleich die Morgenzustellung der Tamedia-Zeitungen der Post übergibt, wodurch auch die NZZ mit am Verhandlungstisch sass, denn die beiden Verlage hatten das schon bisher gemeinsam organisiert. So kommen in der offiziellen Medienmitteilung Firmennamen wie die Zuvo Zustell- und Vertriebsorganisation AG (Homepagenostalgiker, unbedingt anklicken!), die Bevo AG und die Prevag AG vor. Leider hat man uns vorenthalten, welche lustigen Namen die «weiteren Zustellorganisationen» haben, die bisher zur Zuvo gehörten.
Der zukunftsträchtigere Teil ist der letzte Absatz: Tamedia übernimmt 75% an search.ch (die nach ihrem Gründer Ruedi Räber immer noch «Räber Information Management GmbH» heisst). Die anderen 25% verbleiben bei der Post.
Damit geht nach der pompös gescheiterten New-Economy-Sünde «YellowWorld» der Portal-Traum der Schweizer Post wohl definitiv zu Ende. Es ist nachvollziehbar, dass die Post sich in Zeichen permanent sinkender Erträge aus dem Briefgeschäft neue Betätigungsfelder sucht, aber der Dilettantismus, mit dem sie dabei zu Werke geht, kann doch immer wieder überraschen.
Dass nach der Übernahme die drei Gründer nicht lange zu halten sein würden, war klar. Der visionäre Ruedi Räber, von Haus aus Sinologe, macht «was in China», der rührige Reto Hartinger einen Internet-Business-Club, und der brillante Entwickler Bernhard Seefeld ist Product Manager für Google Maps. map.search.ch war 2004 noch vor Google Maps an den Start gegangen, mit sehr ähnlichen technischen Konzepten, was Google beeindruckt haben dürfte. Apropos Google: Die waren damals beim Verkauf der letzte Mitbieter im Rennen um search.ch, und es wäre spannend, wenn man in einem Paralleluniversum gucken gehen könnte, was als «Google-Versuchslabor» in den letzten drei Jahren aus search.ch geworden wäre. Gerüchteweise fanden es zwei der drei Verkäufer damals nicht lustig, dass Google bei den Verhandlungen offen kommunizierte, man sei «nur an den Entwicklern interessiert».
Zwei sehr gute Programmierer blieben aber damals bei search.ch, nämlich Denis de Mesmaeker und Urban Müller. Deren Handschrift sieht man immer noch an innovativen Funktionen wie dem nagelneuen Online-Adressbuch – aber leider auf keiner einzigen Seite von post.ch.
Dort macht der sinnlose «Virtuelle Postschalter» wohl nur der Agentur Freude, die ihn umsetzen durfte, und die überladenen Webseiten zum Kerngeschäft (z.B. «Nachsendeauftrag / Wohnungswechsel – und Ihre Post zügelt mit») strahlen nach wie vor einen strengen Web-1.0-Charme aus.
Wenn die Post heute schreibt, dass sich «die geplanten Synergien mit dem Kerngeschäft der Post nur begrenzt realisieren» liessen, müssen die Verantwortlichen sich fragen lassen, ob sie es überhaupt wirklich versucht haben. Zur Zeit der Übernahme im Mai 2005 hatte man vermutlich noch ein paar gute Ideen, aber die scheinen es nie aus dem Stadium PowerPoint heraus geschafft zu haben. search.ch blieb als Angebot völlig isoliert und war im Nachhinein für die Post eine reine Finanzbeteiligung – immerhin dürfte in dieser Hinsicht das Geschäft ein Erfolg gewesen sein, inside-it hatte neulich unsere Meldung aufgegriffen und berichtete von einem Kaufpreis von 25 Millionen Franken, im Vergleich zu 7 Millionen, die vor drei Jahren flossen.
Nun geht also search.ch, ein Such- und Verzeichnisdienst, an einen Verlag, dessen Kerngeschäft auch ganz woanders liegt. Entsprechend darf man gespannt sein, ob Tamedia Synergien aus dem immer noch grossen ungenutzten Potenzial von search.ch realisieren kann. Oder ob die NZZ es richtig macht, die zwar jedes Mal mit am Tisch sitzt und daher von allem weiss, aber die dicken Internetbrocken scheinbar ungerührt vorbeischwimmen lässt.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.














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Uff, da habt Ihr nochmals Glück gehabt. ;-)
Nur mal naiv nachgefragt: Wenn Tamedia search.ch geschickt, mit sagen wir mal Tagesanzeiger.ch verknüpft, wäre es dann möglich, dass die WEMF künftig jeden search.ch-Besucher als Tagi-Leser durchgehen lassen könnte?
@Matthias: Es hätte mich sehr, sehr gewundert, wenn meine Quelle falsch gewesen wäre. Es hat nur deutlich länger gedauert, als er/sie selbst dachte.
@Ugugu: Theoretisch würde das gehen (indem man «ein Stück Tagi» von search.ch mitladen lässt), aber praktisch ist es natürlich verboten. Es ist ja genau die Aufgabe von NET-Metrix, solche Tricks zu unterbinden, damit alle mit der gleichen Elle messen. Ich frage aber heute mal den Zuständigen für NET-Metrix-Audit, mit dem ich zufällig heute zum Kaffee abgemacht habe.
Interessanter Artikel und mal nicht einfach PR-Mitteilung kopiert wie alle anderen :-)
Ich möchte aber erwähnen, dass nicht nur Urban und ich übrig blieben, sondern eigentlich das ganze Techteam (eben ausser Berni).
Das Adressbuch wurde hauptsächlich von Thomas und Koni entwickelt. Ich gebe die Blumen also gerne weiter :-)
Ja, das dachte ich mir schon, aber die anderen kenne ich halt nicht.
Herzlichen Glückwunsch an tamedia! Jetzt müssen sie zeigen, dass sie ein besserer Eigentümer als Die Post sind. Bei ihren bisherigen Sites haben sie immerhin gezeigt, dass sie gute Sites ernten können.
Seit einem Jahr habe ich aber das Gefühl, dass tamedia jetzt mehr möchte als nur Ernten. Ich drücke tamedia die Daumen. Denn immer nur Anbieter aus dem Ausland sind auch langweilig. Die Schweiz hat ein super Potential von eigenen Start-ups, aber viele schaffen die Internationalisierung nicht alleine und lassen sich dann von den Grossen kaufen, wo sie entweder im Grossen untergehen z.B. bei Google oder Microsoft oder vor sich dahin dümpeln wie bei der Post, Swisscom (oder tamedia?).
Search ist zwar immer noch gut, aber den Nimbus hat es verloren. Das Adressbuch ist nett, aber kein Durchbruch (typisches Mee-too-Produkt ohne Differenzierung wie fehlende Synchronisierung mit automatischem Update der Adressen wie bei Plaxo).
Schade ist auch, dass Immo-Search nicht weiter entwickelt wurde. An Immo-Search wird sich zeigen, wie ernst es tamedia mit dem Web meint.
@Denis, bin mal gespannt, wie lange ihr bleiben werdet. tamedia braucht dringend gute Leute mit Webhintergrund, aber tamedia stellt sich ihren eigenen Leuten auf geschäftlicher Ebene häufig quer, da sie kein Stammgeschäft kannibalisieren wollen. Genügend spannende Start-ups und neue Ideen gibt es ja für Euch!
Ich freu mich auf den Wettbewerb.
Gruss & viel Glück
yabadabidu
Ich bin sehr gespannt in welche Richtng sich search.ch nach der Übernahme entwicklen wird. Tamedia hat sich das einiges kosten lassen, also muss das ganze Projekt auch weiterentwickelt werden, damit sich die Investitionen auch gelohnt haben.
@yabadabidu: Ja ich bin auch mal gespannt…
@René: search.ch ist nur der (ziemlich) kleinere Teil des Deals.
Search.ch ist wirklich nur der kleinere Teil des Deals. Die Schweizer Zeitungshäuser sind schon lustige Gesellen insbesondere die NZZ.
Wenn man Porter’s 5 Kräfte Modell liesst, dann ist es entscheidend für die Profitabilität einer Branche, welche Stärke die Lieferanten haben und die ist extrem hoch, wenn man sich mit Monopolen umgibt. Monopole sind nicht nur teuer, sondern insbesondere innovationsfeindlich.
Die NZZ hat sich mit Monopolisten umgeben:
- Anzeigenverkauf erfolgt via Publigroup
- Einzelblattverkauf mehr oder weniger allein über die Kiosk AG (Valora AG)
- und jetzt auch noch das Zustellgeschäft an die Post
tamedia hat wenigstens noch ihre Vertriebsmannschaft im Haus.
Mal sehen, was hier passiert. Um die alte Damen NZZ mach ich mir Sorgen.
Sicherlich ist serach.ch nur der Nebensache von dem ganzen Geschäft.
Trotzdem wird der Preis für search.ch klar im zweistelligen Millionenbereich liegen. Das gibt man nicht einfach so aus, wenn man damit nicht etwas vor hätte.
Ich sehe das als grosse Chance für search.ch. Wenn sich Tamedia Mühe gibt, kann search.ch jetzt zu der ganz grossen Seite der Schweiz werden. Wir werden sehen…
@Ugugu: Bescheissen bei Mediendaten ist ziemlich das Dümmste was man tun kann. Da werden wir auf keinen Fall mitmachen.
@Peter: Potential? Was erwartest Du denn? Wir sind rentabel, bilden Fachkräfte aus und schaffen jedes Jahr neue Arbeitsplätze. Was ist ungenutzt und wo ist es gross aus Deiner Sicht?
@Rene
Ich habe mir mal erlaubt bei Reto über search.ch etwas zu schreiben.
Nimms bitte nicht persönlich, aber neben dem Potential müsst ihr auch mal gewisse Hausaufgaben machen: So ist nicht nachvollziehbar, was ihr in eure Suche einschliesst und was nicht. So kann ich meinen Firmennamen in Google eingeben und finde sofort alle relevanten Informationen inklusive Handelsregistereintrag etc. Bei Euch kommt trotz .ch Domaine nichts, obwohl der Server auch in der Schweiz steht.
Über das Design lässt sich auch diskutieren und das wirklich tolle Projekt Immosearch überfordern beim GUI den Normalsurfer.
Und das neue Adressbuch ist ein Mee-to-Projekt, dabei hättet ihr das Potential ein aktives Adressbuch anzubieten, das z.B. die Adressen aktualisiert, wenn ein Kontakt umzieht, so wie dies Plaxo macht.
Und auch die Dienstleistungen für Werbende könnt ihr ausbauen. Banneranzeigen sind nicht sehr effizient. Kleinere lokale Unternehmen lieben deshalb Google Adwords. Wie wäre es mit etwas ähnlichem in eurem Telefonbuch? Ihr bietet zwar Keywordwerbung an, aber da müsste noch mehr möglich sein.
Bitte versteh mich nicht falsch. Das ist kein search.ch Bashing, sondern der Wunsch, dass ihr wieder dorthin kommt wo ihr herkommt.
Ach so.
@yabadabidu
Zu: Kleinere lokale Unternehmen lieben deshalb Google Adwords. Wie wäre es mit etwas ähnlichem in eurem Telefonbuch?
Für kleinere, aber auch grössere Unternehmen haben wir schon was:
Der Verkauf dieser Werbeformen hat sich zum wichtigen Standbein mit der höchsten Zuwachsrate entwickelt.
@Hansueli
Danke für die Erklärung. Ich bin anders vorgegangen. Ich habe mal Schlüsselservice, Gärtner und Friseur in Zürich eingegeben und habe keine Anzeigen gefunden. Daher kam mein Umkehrschluss, dass dort noch Potential ist.
Das ist richtig. Wir haben noch einiges Potential. In diesem Markt sind wir noch nicht allzu lange. Doch unser Wachstum stimmt!
Salut Peter
Erinnerst Du Dich noch an mich – wir sind uns vor langer Zeit mal begegnet und haben der Post ein paar Ideen präsentiert, welche dann aber allesamt nicht realisiert wurden.
Eine Frage habe ich bezüglich Deiner Bemerkung
“Dort macht der sinnlose «Virtuelle Postschalter» wohl nur der Agentur Freude,”
Was ist denn so falsch am Virtuellen Postschalter? Da würde es mich schon freuen, von Dir als Usability-Experte mehr zu erfahren.
Lieber Beat, danke für den Kommentar, natürlich erinnere ich mich noch.
Der virtuelle Postschalter ist eine “Real World Metaphor”. Sowas wird immer wieder ausprobiert, weil es in der Theorie gut klingt: “Die Kunden machen es online genauso wie im realen Leben” - es funktioniert aber immer schlecht. Bei Usability-Tests schneiden solche Dinger grauenhaft ab, weil die meisten Kunden den 1:1-Transfer eben nicht hinbekommen. Bei manchen Visualisierungen geht es einigermassen einfach, bei anderen schwieriger, und bei wieder anderen ist es unmöglich. Wer soll zum Beispiel beim virtuellen Postschalter den Unterschied zwischen “Versenden” und “Empfangen” intuitiv kapieren? Und wieso gibt es bei “Versenden” auch noch eine Briefmarke für “Frankieren”? Sowas geht einfach nie auf.
Banken haben früher auch gern “Schalterhallen”-Metaphern auf ihren Websites gemacht. Die Dresdner Bank hatte mal eine, die Migros-Bank — alle haben es wieder rausgeschmissen.
Im Januar habe ich bei mir über die Frauenfeld-Wil-Bahn gebloggt, die eine Führerstand-Metapher als Website hat. Schlimmer geht’s nimmer. Man sieht, wie mühsam man rumflicken muss, um am Ende alle Inhalte unterzubringen.
Das berühmteste Beispiel für eine mit Pauken und Trompeten gescheiterte Real-World-Metapher ist sogar älter als das Web; es ist der Windows-Aufsatz “Microsoft Bob” (Bild).
Wenn Du bei der Post die Entscheidungsträger für den virtuellen Postschalter kennst, biete ich ihnen einen Gratis-Usability-Test an. Sie müssen nur hierher kommen und im Nebenraum zuschauen, was passiert, wenn man eine nichtsahnende Testperson davor setzt und ihr zwei, drei simple Aufgaben stellt.