Harper’s Weekly Review:
Eine Woche in drei Absätzen

Wie nur angesichts der Flut an Eilmeldungen und Nachrichten den Überblick behalten? Harper’s Weekly Review schafft das unmögliche: Jede Woche ein Rückblick – die Welt in drei Absätzen.


Das Harper’s Magazine besteht schon 158 Jahre – im Juni 1850 erschien die erste Ausgabe. Bekannt ist das Magazin unter anderem für seinen (auch schon von brandeins und NZZ Folio kopierten) Harper’s Index, der statistische Fakten zu erstaunlichen Einzeilern zusammenfasst. Hier ein Beispiel aus dem Mai 2005.

Tradition hat auch die kostenlos per E-Mail abonnierbare “Weekly Review“, die es schafft, die wichtigsten Weltereignisse der Woche in unterhaltsame drei Absätze zu verewigen. Geschrieben wird sie von rotierenden Autoren, natürlich aus amerikanischer Sicht, was aber nur ein kleiner Nachteil ist für Europäer. Viel tragischer ist, dass es etwas Vergleichbares nicht in deutscher Sprache gibt – oder kennt jemand etwas?

In dieser Woche (30.09.2008) erfährt man beispielsweise, dass der die US-Wirtschaft entlastende Rettungsplan in der Höhe von 700.000.000.000 US-Dollars nicht auf einem bestimmten Datenpunkt aufbaut: “‘It’s not based on any particular data point,’ said a Treasury spokeswoman of the $700 billion figure. ‘We just wanted to choose a really large number.’” (Quelle). Oder dass in Russland gerade verhandelt wird, ob die Sendungen “Simpsons” und “South Park” von den Bildschirmen verbannt werden müssen (Quelle).

Wer sich angewöhnt, die seit 2005 in den Fussnoten immer mit allen Quellen versehene Wochenschau regelmässig zu lesen, kann den Eilmeldungen, den Breaking News, den sich entwickelnden Geschichten getrost adieu sagen. Was wirklich passiert ist, was die besten Zitate der Woche waren, welche Meldung sich als die lustigste Meldung im Ressort Vermischtes herausstellt, lässt sich aus der Distanz viel besser sagen. Wer sich also mal wieder etwas entschleunigen will, dem bietet die “Weekly Review” beste Möglichkeiten dazu. Auch abonnieren? Hier.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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4 Kommentare

  1. Leser
    schrieb am 2. Oktober 2008 um 14:33 Uhr (#)

    Danke für den guten Tip!

  2. Klaus Jarchow
    schrieb am 2. Oktober 2008 um 16:35 Uhr (#)

    Im Fernsehen fasst der Klaus bei ‘extra 3′ die Woche immer ähnlich kurz zusammen – allerdings in Form einer blanken Satire.

  3. Fred David
    schrieb am 2. Oktober 2008 um 17:26 Uhr (#)

    Dass die 700 Milliarden Dollar zur Sanierung der US-Finanzindustrie eine reine Luftnummer sind und niemand auch nur die geringste Ahnung hat, was da auf die amerikanischen Steuerzahler zukommt, lese ich hier – amtlich bestätigt – das erste Mal.

    Warum lese ich das bei uns nirgendwo? Dieses offensichtliche Gambling auf höchstem Nievau gehört doch auf die Frontseiten.

    Harper’s macht neugierig. Danke für den Tip.

  4. Fred David
    schrieb am 2. Oktober 2008 um 17:48 Uhr (#)

    zu 3) Sorry, wenn schon Niveau, dann bitte auch so, sonst kann man ja gleich Niewoh schreiben. Das nur, weil ich mich hier letzhin selber über Schreibfehler in den Medien lustig gemacht habe….

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