DRM gescheitert:
6+ geschlossene Shops

Marcel Weiss, 30. September 2008 15:14 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

DRM ist falsch. Mit jedem neuen DRM-Angebot versprechen die Anbieter eine sichere Möglichkeit, online Musik zu erwerben. In Wahrheit aber belügen sie ihre ehrlichen Kunden: Denn es handelt sich, wenn es um DRM geht, technisch nicht um das Erwerben sondern das Mieten von Musikdateien. Und dies fast immer in Verbindung mit einem schnell näher rückenden Verfallsdatum.

Update 10.10.08: Nach Beschwerden von Kunden schaltet Walmart die DRM-Server vorerst doch nicht ab.
Ende des Updates

Der US-Einzelhandelskonzern Wal-Mart hat gestern die Schließung seines DRM-Onlinemusikdienstes bekanntgegeben. Wal-Mart verkauft seit Februar ausschließlich nur noch DRM-freie MP3s. Eine Woche (bis 9. Oktober) haben die Kunden, die seinerzeit mit DRM geschützte Musik erworben haben, noch Zeit, ihre gekauften Songs auf CDs zu brennen. Nach der Frist sind die Musikdateien wertlos. Die zum Abspielen oder Brennen benötigten Schlüssel werden über die Server von Wal-Mart dann nicht mehr ausgeliefert.

Wer aktuell im Urlaub ist oder bei dem die Benachrichtigungs-Mail im Spamordner landet oder sie aus anderen Gründen nicht rechtzeitig bei ihm ankommt, der hat schlicht Pech gehabt.

Wer es rechtzeitig schafft, seine ‘gekaufte’ Musik zu retten, hat ‘Glück’: Man brennt seine ‘gekaufte’ Musik auf CDs. Und nachdem man noch ein paar Rohlinge so zum Fenster rausgeworfen hat, darf man sich auf das Abenteuer der Neubeschaffung von Metadaten machen. Und wer, der gern für Musik bezahlt, ist auch schon an Soundqualität interessiert? Eben, ein wenig umrechnen von einem verlustbehafteten Format zu einem verlustfreien und wieder zurück macht die Sound-Sache doch viel spannender.

Wal-Mart ist bei weitem kein Einzelfall mit diesem auf die eigenen Kunden spuckenden Vorgehen.

Hier die mir soweit bekannten Fälle von Schließungen von mit DRM betriebenen Angeboten:

  1. September 2007: Virgin Digital schließt seine Pforten. Bis 19. Oktober war der Shop noch offen, danach waren die dort gekauften mit DRM versetzten Musikdateien Datenmüll.
  2. Februar 2008: Sony schließt seinen ‘Sony Connect’-DRM-Musicstore. Musik läuft weiterhin auf dem aktuell benutzten PC. Wer seine ‘gekaufte’ Musik anderweitig anhören möchte, muss diese vorher auf CD brennen.
  3. April 2008: Microsoft kündigt an, die DRM-Lizenzserver für seinen MSN-Music-Dienst Ende August 2008 abzuschalten. Nach einem öffentlichen Aufschrei verlängert Microsoft die Frist bis Ende 2011. Ehemalige Kunden des Dienstes in den USA (deutsche Kunden sind nicht betroffen), die ihre Musikdateien auf anderen Rechnern abspielen wollen, benötigen jeweils neue Lizenzen. Das DRM-System trägt den Namen “PlaysForSure”.
  4. Juli 2008: Yahoo schaltet seinen Music Store ab. Die DRM-Server werden (Zufall?) am 30. September, also heute, abgestellt.
  5. September 2008: Die besagte Schließung des DRM-Angebots von Wal-Mart.
  6. Auch im Video-Bereich und auch bei Google findet man ein solches hässliches Vorgehen: Im August 2007 schließt Google sein Videoangebot. Wer bei Google ein Video erstanden hatte, blieb auf seinen Dateien nun sitzen. Google gibt als Entschädigung 2$ pro Video an seine Kunden. Allerdings müssen diese bei einem Service ausgegeben werden, der Googles Checkout-Bezahlsystem verwendet. Und das innerhalb von 60 Tagen.

Weitere DRM-Schließungen bitte in den Kommentaren posten. Ich füge die dann hinzu.

Eine schöne historische Einordnung von DRM auch in diesem Video (via Markus):

(Foto von rebopper)

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3 Kommentare

  1. r3lite
    schrieb am 30. September 2008 um 23:36 Uhr (#)

    Ehrlich: Wer DRM-Musik kauft, ist imho selber schuld, dass er auf die Schnauze fällt. Diejenigen, die sowas kaufen, lesen auch keine Blogs oder leben allgemein etwas hinter dem Mond. Da tut ein bisschen auf die Schnauze fallen ganz gut. Insofern ist dieses Posting hier wohl auch ein Stück weit fehl am Platze, hier lesens wieder nur die, die’s eh schon wissen :).

  2. yabadabidu
    schrieb am 1. Oktober 2008 um 12:21 Uhr (#)

    @r3lite

    Du meinst also, dass 80% der Bevölkerung Dummköpfe sind? Kann man so sehen, aber es gibt eben viele Menschen, die nicht zu den Early Adoptors gehören, sondern einfach traditionellen Marken wie Sony vertrauen.

    Jetzt werden sie enttäuscht, wodurch sich die Plattenträgerindustrie selbst ins Bein schiesst. Diese Menschen wollen einfach Musik kaufen und dann auch einfach nutzen können.

    Jetzt ist das Vertrauen verloren und es wird dauern, bis sich diese Menschen wieder auf das Spiel einlassen. Solange werden sie CDs von Kollegen brennen; die CDs rippen und die Musiker sehen nichts.

    Nach 10 Jahren hat die Musikträgerindustrie es immer noch nicht hinbekommen, dass man legal und einfach Musik kaufen kann. iTunes hat es teilweise geschafft, aber ich kann damit nichts anfangen. Die Bindung an die iTunes Software finde ich einengend.

    Ein trauriges Bild einer Branche, die Kreativität als ihre Kernkompetenz sieht.

  3. Diablo
    schrieb am 2. Oktober 2008 um 11:46 Uhr (#)

    Der DRM-Wahnsinn macht vor anderen Industriezweigen nicht halt. Zahlreiche Computerspiele wie Spore von EA werden nun auch mit derartigen Tools “geschützt”.
    Installiert man sie nun auf mehreren Computern, so ist irgendwann Sense. Hardwaretausch ist also irgendwann ausgeschlossen, weil DRM wie eine Spyware Daten über das Netz abgleicht.

    Da wird die Cracker-Szene wohl wieder viel Zulauf bekommen.

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