Kein großer Graben:
Blog-Content in Mainstream-Medien

Florian Steglich, 26. September 2008 16:03 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Die New York Times übernimmt Artikel dreier großer Blogs – der jüngste von mehreren ähnlichen Deals, die englischsprachige Blogs in diesem Jahr abgeschlossen haben.

Das Anschreiben gegen “die Blogs”, bei dem häufig die These die Mittel heiligt, gehört hierzulande zum guten Ton unter Journalisten. In den USA ist man da weiter, so weit, dass immer häufiger Artikel großer Blogs auf den Websites etablierter Medienmarken syndiziert werden.

Kurz hintereinander verkündeten diese Woche die Blogs Venturebeat, GigaOM (hier bezieht sich der Deal offenbar aufs ganze GigaOM-Netzwerk) und ReadWriteWeb, dass Teile ihres Contents ab Oktober im neugestalteten “Technology“-Ressort der New York Times eingebunden werden. Die offizielle Rede ist dabei nur von Gewinnen durch qualitative Stories (bei der Times) und höhere Reichweite (bei den Blogs) – wir wissen also nicht, ob die Zeitung zusätzlich “Zeilengeld” bezahlt oder es Gegengeschäfte etwa in der nicht unüblichen Form von Werbebuchungen gibt.

Die Blogs werden per RSS-Feed eine Auswahl ihrer Beiträge an die NY Times schicken, jeweils fünf aktuelle Artikel sollen im Volltext eingebunden werden. Andy Plesser von Beet.TV, wo als erstes über die Kooperationen berichtet wurde, hat ein Interview mit Vindu Goel (Deputy Technology Editor der NYT) geführt, in der dieser über die Syndikation und über den Ausbau des Technologie-Ressorts plaudert:

Die New York Times ist damit ein Vorreiter, aber nicht das erste Medium, das eine solche Partnerschaft eingeht – im Folgenden alle uns bekannten Kooperationen zwischen “Old Media” und der US-Techblogosphäre:

Diese Blogs sind die reichweiten- und qualitativ stärksten in ihrem Bereich. Es fehlt, wenn man auf die Reichweite schielt, lediglich das Techblog Mashable – das aber arbeitet auch deutlich weniger professionell als seine Konkurrenten. Die Auswahl zeugt also von Sachverstand.

Die Frage liegt auf der Hand: Wäre so etwas auch in Deutschland oder der Schweiz möglich? Ich schätze: Noch lange nicht, zumindest nicht in diesem Rahmen und mit Zeitungen dieses Namens. Dafür sind sowohl die Vorurteile innerhalb der meisten Redaktionen zu groß als auch die Zahl der deutschsprachigen Blogs, die es von ihrer Qualität her mit den Profis von ReadWriteWeb oder paidContent aufnehmen könnten, zu klein.

[Mitarbeit: Marcel Weiß]

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Klaus Jarchow
    schrieb am 27. September 2008 um 09:15 Uhr (#)

    Wobei zu deinem Schlusssatz zu sagen ist, Florian, dass auch die Zahl der Holzmedien im deutschsprachigen Raum, die mit Blogs wie ReadWriteWeb oder TechCrunch ‘mithalten’ könnten, durchaus überschaubar ist. Mir fiele sogar auf Anhieb gar keins ein …

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