Google:
Die Buchsuche bekommt eine API

Mit der API für die Google-Buchsuche mischt Google die Karten im Online-Buchhandel neu. Nicht nur kleinere Händler profitieren, sondern auch die Leser und nicht zuletzt die Verlage und Autoren.

Google’s Buchsuche ist zwar kein Geheimtipp, aber doch einer der weniger bekannten Dienste von Google. Für die, die es nicht kennen, kurz zusammengefasst:

Man kann damit mit der Suchsyntax der regulären Suche in Büchern suchen und, falls die Verlage zugestimmt haben, in der Folge ganze Kapitel oder auch das gesamte Buch online einsehen. Seit einiger Zeit laufen dafür einige Partnerprogramme und Digitalisierungsprojekte mit Bibliotheken, unausgesprochenes Ziel ist sicher irgendwann alle Bücher im Volltext indiziert zu haben.

Die gestrige Vorstellung einer API für die Buchsuche klingt nicht sonderlich spektakulär – APIs gibt es schließlich wie Sand am Meer. Aber die Folgen könnten nachhaltiger sein, als es auf den ersten Blick erscheint.

Google Book Search bei O'Reilly
Google Book Search bei O'Reilly

Mit der neuen API lassen sich grundsätzlich drei Dinge tun:

  • die eigene Seite mit Buchsuche und der korrespondierenden Vorschau ausstatten. Mit etwas JavaScript lässt sich das beliebig kontrollieren.
  • Via der Daten-API lassen sich die Suche und die sozialen Features wie Bewertungen von Usern oder Tags auch in beliebige Anwendungen integrieren.
  • Erstellen von persistenten Links auf Bücher oder Inhalte bzw. von smarten Links die im Kontext der eigenen Webseite oder Anwendung sinnvoll sind.

Einerseits ist es wirklich einfach nett, dass man fortan Bücher genau so einfach wie etwa Google Maps in eigene Artikel einbinden kann (ein Testbeispiel etwa hier). Ob Bücher die gleiche Omnipräsenz wie Maps erreichen werden, sei einmal dahingestellt. Aber nicht nur Literaturblogger werden dafür sinnvolle Anwendungsfälle finden.

Fast wichtiger aber ist, dass Google damit sämtlichen Online-Buchhändlern, sozialen Buchdiensten wie Library Thing und allen Anderen Tools zur Hand gibt, mit denen diese die Attraktivität des eigenen Angebotes radikal aufpolieren können. Dinge wie in Büchern suchen oder Vorschau waren bisher eher den grossen Händlern wie Amazon vorbehalten. Jetzt hat auch der allerkleinste Händler im Grunde Zugriff auf alles, was Google kennt.

Weil alle Zugriff auf alles haben hebt sich der Wettbewerbsvorteil natürlich auf, aber der gesamte Bereich kann sich auf höherem Plateau ausdifferenzieren und gleichzeitig Ausgangspunkt für eine Fülle von Innovationen sein.

Die Liste der Launch-Partner liest sich dementsprechend beachtlich und reicht von diversen Buchhändlern über Verlage wie O’Reilly oder die Stanford University Press bis hin zu sozialen Diensten wie GoodReads.

Gleichzeitig wird der Druck auf Verlage wachsen, ihre Publikationen zumindest teilweise zugänglich zu machen. Verlage sind dahingehend naturgemäss eher zurückhaltend, wobei doch erstaunlich ist, wie viel jetzt schon in der Buchsuche eingesehen werden kann. Doch wenn die Erwartungshaltung der Leser, dass sie in Büchern suchen und relevante Textstellen anlesen wollen, erst einmal geweckt ist, dann werden Bücher die nicht erfasst sind zunehmend unsichtbar.

Doch nicht nur kleinere Buchhändler, soziale Buchseiten und Leser profitieren ganz offensichtlich davon, gerade auch für Verlage ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, die Werke ihrer Autoren neuen Leserschichten zugänglich zu machen. Auch wenn sie es vielleicht noch nicht wissen.

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