Wahl in Österreich:
Bürgerplattformen mischen mit
Neben den Internetangeboten der klassischen Medien kann man sich über den österreichischen Wahlkampf auch auf Bürgerplattformen informieren. Einige gut gemachte Angebote stellen wir hier vor.
Bürger fragen – Politiker antworten: Mit diesem Konzept hat schon CNN bei den Vorwahlen zur US-Präsidentschaft einen Quotenerfolg gelandet. Der österreichische Privatsender ATV kopierte diese Idee für die Nationalratswahlen am 28. September und fordert die Österreicher nun ebenfalls dazu auf, ihre Fragen an Politiker auf einem eigenen youtube-Channel zu stellen.
Allerdings picken die ATV-Redakteure am Ende nur einen Bruchteil an ihrer Meinung nach passablen Fragen heraus, um sie im Fernsehen den Spitzenkandidaten der antretenden Parteien zu stellen.Die Plattform wahltotal.at ist da wesentlich innovativer und bürgernäher.
Hier hat jeder User, der ein Fragevideo hochlädt, die Chance, eine Antwort zu bekommen. Die unabhängige Plattform beweist damit, dass sich im Web 2.0 wirklich jeder beteiligen kann – den Zugang zu Netz und Webcam vorausgesetzt. Und auch die Politiker nehmen das neue Angebot ernst. Ausführliche Statements geben die Spitzenkandidaten zwar nicht ab, immerhin nutzen einige von ihnen aber die Chance, persönlich auf die Fragen der Bürger zu antworten. Engagiert und ausführlich beteiligen sich vor allem Politiker der kleineren Parteien. Der Umgangston und die Atmosphäre wirken entspannt und weniger gekünstelt als in den Fernsehdebatten.
Sehr professionell und übersichtlich wirkt das von vier Laien gemachte Wahlblog Neuwal.com. Neben News, Umfragen und Links rücken die Autoren auch zu Interviews mit Politikern aus. Erfreulich an diesem Bürgerangebot ist nicht nur der gut aufbereitete Inhalt, sondern auch das flotte Layout.
Wie viele Meldungen täglich auf den Wahlinteressierten einprasseln würden, wenn man keiner journalistischen Firewall vertraut, zeigt die wahl08.wissenbelastet.com. News-Meldungen, Parteiaussendungen, Blog-, Twitter- und Forenbeiträge sammelt die Seite ebenso wie Fotos von flickr und Videos von youtube.
Nach diesem Informations-Overkill kann man direkt weitersurfen zur Schwesterseite wp08.at, wo auf einer Google-Map eine Liste der österreichischen Wahlplakate entsteht. Vollständig kann diese Karte bei der unzählbaren Flut an Plakaten, die derzeit das Alpenland überrollt, natürlich selbst unter tatkräftiger Mithilfe der User nie werden. Dafür finden sich aber einige recht kuriose Kombinationen und mehrere kreativ „umgestaltete“ Plakate, die den Betrachter zum Schmunzeln bringen.
Versprechen werden in Wahlkampfzeiten ja inflationär und oft ohne jegliche Chance auf Umsetzung abgegeben. Das Wahlbarometer versammelt diese Wahlversprechen und den Schwall an spontanen oder strategischen Äußerungen von Politikern auf einer Plattform. Das Urteil überlässt man den Usern: Mit „Bin dagegen!“ oder „Find ich gut!“ können die Besucher der Seite abstimmen, wie die Visionen der Parteien und Politiker ankommen. Repräsentativ ist das natürlich nicht. Abseits von Meinungsforschungen und Wahlumfragen kann das Wahlbarometer aber durchaus Stimmungstendenzen aufzeigen. Zudem ist neben der Ja-Nein-Abstimmung auch eine Kommentarfunktion vorhanden.
In Kürze bei medienlese.com: Was österreichische Bürger über die Wahl bloggen
Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.





















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