Lesetipp:
Der Spiegel über die “Blogger-Armee”

Ole Reißmann, 15. September 2008 03:16 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Unzählige Blogger revolutionieren den amerikanischen Wahlkampf: Im aktuellen Spiegel beschreibt Klaus Brinkbäumer, wie The Huffington Post und Co. den Politikern die Hoheit über ihre Kampagnen nehmen. In “Der Sieg der Straße” (Seite 117–123) erklärt Brinkbäumer, wie die Huffington Post fast so mächtig wie die Washington Post werden konnte – und dass sich die Nachrichtenzyklen mit dem Internet grundlegend gewandelt haben. Früher habe es noch zwei routinierte Runden Schlagabtausch aus Meldung, Dementi und Diskussion pro Woche gegeben – jetzt gebe es schon zwölf. Pro Stunde.

Vor allem eins fällt auf: Während der Text recht umfassend und pointiert die politische Blog-Landschaft der USA beschreibt und dabei auch ein paar Blogger ganz richtig als nicht-recherchierende Marktschreier darstellt (aber eben nicht alle), wird nicht per se auf die bösen Blogger eingeprügelt, die den etablierten Journalisten doch nur die Tastaturen unter den Fingern wegziehen. Es wird nicht mal explizit darauf hingewiesen, dass gerade die Huffington Post auch von den teuer erarbeiteten Geschichten und Nachrichten der alten Medien lebt. Stattdessen wird beschrieben, wie die neuen Medien den Wahlkampf verändern. Selbst die etablierten Magazine bloggen erfolgreich mit und lassen sich auf den neuen Online-Journalismus ein: Eines der beliebten politischen Blogs, The Page, erscheint auf den Seiten des altehrwürdigen Time-Magazine.

Nach dem gelangweilten Bashing der deutschen Blogosphäre im Spiegel ist diese Geschichte unbedingt lesenswert!

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. ben_
    schrieb am 16. September 2008 um 14:24 Uhr (#)

    “dass sich die Nachrichtenzyklen mit dem Internet grundlegend gewandelt haben”

    Auf diesen Satz habe ich jahrelang gewartet. Und so wird es mit allem sein, was Text ist. Text wird sich grundlegend ändern und damit unser wichtigstes und vornehmstes Werkzeug zum Verständnis der Welt. Ich kann mich immer nur wiederholen und dazu raten Ivan Illichs “Im Weinberg des Textes” zu lesen. Mit dem Netz bauen wir das wichtigste abendländische Konzept seit Erfindung der Sprache grundlegend um.

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