Wahl in Österreich:
Medien entdecken YouTube und Blogs

Österreich wählt einen neuen Nationalrat – und die “alten” Medien setzen auf Internetangebote, um neue Lust auf Politik zu machen.

Die innovativste Idee für die Wahlberichterstattung hatte heuer zweifelsohne der österreichische Privatsender ATV. Wie bei CNN während der Vorwahlen zur US-Präsidentschaft, können die Österreicher Fragen auf einen YouTube-Channel von ATV hochladen. Einige der Videos werden am 21. September ausgesucht und direkt den Spitzenkandidaten im TV-Studio gestellt.

Beim öffentlich-rechtlichen ORF dagegen beschränkt man sich auch im Jahr 2008 auf ein altbackenes Konzept: Die Spitzenkandidaten der im Parlament vertretenen Parteien treffen im Zweier-Duell aufeinander. Das Neueste zur Wahl bündelt der ORF auf der recht schmucklosen Plattform wahl08.orf.at. Als Revolution darf schon gelten, dass immerhin alle TV-Konfrontationen nach der Ausstrahlung auch online angeschaut werden können.

Selbstverständlich ist das beim ORF nämlich nicht. Gerade die journalistischen Vorzeigeprodukte des aktuellen Dienstes bietet das Öffentlich-Rechtliche nämlich entweder in schlechter Qualität oder nur gegen Bezahlung an. Die ausgezeichneten Radio-Journale des Info-Senders Ö1 werden in einer derart miserablen Qualität gestreamt, das einem die Lust aufs Hören vergeht. Downloads aus dem Flächenangebot des Senders gibt es überhaupt nur in einem kostenpflichtigen Abo – so werden die Gebührenzahler doppelt zur Kasse gebeten.

Die Zeit im Bild-Sendungen (vergleichbar mit Tagesschau und Heute-Journal) und die täglichen Nachrichtensendungen der neun Bundesländer gibt es seit geraumer Zeit immerhin auch als Online-Stream. Auch hier kratzt die Bild- und Tonqualität am Rande des Zumutbaren.

Insofern sind die kostenlos abrufbaren Wahl-Konfrontationen durchaus ein Fortschritt für den ORF. Der Rest des öffentlich-rechtlichen Wahlprogramms im Internet bleibt aber weit hinter den Möglichkeiten, die das Web bieten würde, zurück. Schade, denn es mangelt weder an der Kompetenz der Journalisten, noch an fehlenden Inhalten. Die ORF-Verantwortlichen sind offensichtlich nicht willig oder in der Lage, ein Internet-Infoangebot auf der Höhe der Zeit anzubieten.

Mehr zu bieten hat das wöchentliche Nachrichtenmagazin profil, das sich an seinem deutschem Vorbild, dem Spiegel, orientiert. Auf wahlblog.profil.at bloggen 15 bekannte Politiker im Vorfeld der Wahlen über ihre Programme und Visionen, den Alltag im Wahlkampf und leisten sich die üblichen Geplänkel.

Das Prinzip des Bloggens haben aber nur die wenigsten verstanden. Abgesehen davon, dass in einigen Posts leider nur altbekannte PR-Phrasen gedroschen werden, verzichten fast alle auf eine Interaktion mit den Usern. Nur ein kleiner Bruchteil der Blogger scheint sich überhaupt die Kommentare der Leser durchzuschauen und darauf zu antworten. Die Chance, in einem Dialog mehr über die Wählerwünsche zu erfahren, lässt sich ein Großteil der Polit-Blogger einfach durch die Finger gehen.

Dennoch ist auch die Blog-Initiative von profil ein Schritt in die richtige Richtung, denn Blogs sind für viele österreichischen Politikern immer noch feindliches Terrain. Mehr darüber und über private Websites und Plattformen zur Nationalratswahl in Kürze auf medienlese.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. Gretus
    schrieb am 13. September 2008 um 22:00 Uhr (#)

    Hallo,

    da sind die Österreicher aber spät, selbst der Papst lässt sich auf Youtube belobhudeln: http://www.staytubed.de/archiv_20080913.html ;-)

    Grüße

    Gretus

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