TechCrunch50-Gewinner:
Yammer ist Twitter für Unternehmen

Yammer, der Gewinner der diesjährigen TechCrunch50, nimmt das Beste von Twitter und denkt es für den Kontext Unternehmenskommunikation weiter.

Wenn auf Twitter die Frage ‘Was tust Du gerade?’ beantwortet werden will, stellt Yammer die Frage ‘Woran arbeitest Du gerade?’

Wer Twitter kennt, wird von Yammer nicht überrascht. Das von den Geni-Gründern ursprünglich für den eigenen Bedarf entwickelte System bietet mehr oder weniger äquivalente Funktionalität, optimiert diese aber für die Kommunikation in Unternehmen oder Teams.

Firmen können kostenlos ein eigenes Firmennetzwerk starten, die Berechtigung zur Teilnahme ergibt sich dabei aus den Email-Adressen. Nur wer eine akive Adresse für eine jeweilige Domain hat, kann einem jeweiligen Netzwerk beitreten.

Gegenüber Twitter bietet Yammer einige echte Vorteile:

  • Hashtags sind nativ eingebaut. Hashtags haben sich bei Twitter ursprünglich auf informelle Weise etabliert. Indem man einen Tweet mit Begriffen annotiert, die mit einer Raute beginnen (etwa #bc-ch), konnten auf Twitter basierende Anwendungen Threads zu Themen extrahieren und andere nützliche Dinge tun. Yammer kennt Hashtags out-of-the box und generiert dafür auch Hashtagclouds. Besonders nett: Diese Tagclouds werden für die letzten 24 Stunden, die letzte Woche, den letzten Monat und für den gesamten Benutzungszeitraum generiert. Man bekommt also einen sehr schönen Überblick über die jeweils besonders aktiven Bereiche und Themen. Einzelnen Tags kann man wie Mitglieder followen. Mit etwas Konsistenz in der Verwendung lassen sich dadurch ohne grossen Aufwand Projekte, Themen, oder Aufgaben strukturieren.
  • Threaded Discussions. Alle Antworten auf Einträge erscheinen zwar im Gesamtstrom, sind aber auch nichtchronologisch untereinander gruppiert. Damit haben sie wohl eins der am meisten nachgefragten fehlenden Features von Twitter. Doch gerade für die Nachvollziehbarkeit von projektbezogenen Diskussionen ist das natürlich essentiell.
  • Bessere Suche. Das Suchproblem hat Twitter zwar durch den Kauf von Summize teilweise gelöst, aber Yammer hat die Suche für die eigene Domaine optimiert. Gesucht werden kann in den Mitgliedern, nach Tags oder im Content.
  • Links werden automatisch extrahiert. Alle von den Mitgliedern geposteten Links sind in einem eigenen Bereich aufgelistet.

Zusätzlich gibt es noch einige im Unternehmenskontext relevante Features wie ein Organigramm oder detaillierte Kontaktdaten.

yammer screenshot
yammer screenshot

Mit dem Yammer-Netzwerk kann auf alle erwartbaren Arten kommuniziert werden. Neben der Website unterstützt es Instant Messaging, Email, SMS (derzeit nur in den US), Blackberry, das iPhone und via Air auch den Desktop.

Und: Yammer scheint eines gelungen zu sein, woran Twitter bis dato scheiterte: ein solides Monetarisierungsmodell. Alle Grundfeatures von Yammer sind kostenlos benutzbar. Will man aber administrative Rechte für das Firmennetzwerk kostet das einen Dollar pro Mitglied und Monat.

Nur dann kann man Mitglieder aus dem Netzwerk entfernen, beliebige Nachrichten löschen, das Netzwerk mit dem eigenen Corporate Design branden oder erweiterte Sicherheitseinstellungen erzwingen. Anders als etwa bei Socialcast dürfte das ein Preispunkt sein, der noch aus der Kaffeekasse bezahlt werden kann.

Fazit:

Yammer ist kein unverdienter Gewinner der TechCrunch50. Auch wenn sie mit Twitter eine geeignete Inspirationsquelle vorfanden, es ist ihnen gelungen das Thema für den Kontext Enterprise neu zu interpretieren und in ein stimmiges Produkt zu verpacken. Für Unternehmen bieten sich dadurch gänzlich neue Möglichkeiten der Kommunikation.

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8 Kommentare

  1. Daniel Thomaser
    schrieb am 11. September 2008 um 14:44 Uhr (#)

    Ich muss auch sagen, dass ich das ganze Geheule nicht verstehe, Yammer ist einfach in sich stimmig…

  2. Wuensch-Media
    schrieb am 11. September 2008 um 15:02 Uhr (#)

    Das hört sich ja echt interessant an. Vor allem die Möglichkeit, das Ganze firmenintern zu halten.

  3. drupalbennos
    schrieb am 11. September 2008 um 17:36 Uhr (#)

    hm, na wohl eher domain intern. die frage ist wie nach divisions aufgeteilt wird. kenne viel unternehmen die ihre division mit subdomains versorgen.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Peter Hogenkamp
    schrieb am 11. September 2008 um 18:18 Uhr (#)

    Natürlich ist es keine wahnsinnig tolle Idee, etwas Bestehendes für eine closed user group zu adaptieren, aber nach dem Ideenklau kann man es immer noch besser oder schlechter machen. Und was ich bis jetzt gesehen habe in acht Stunden brutto und 30 Minuten netto Nutzungszeit, ist einfach sehr gut gemacht.

    Wir haben drei Viertel der Funktionalität mit unserem internen Tool, aber ich kann mir gut vorstellen, dass wir für das letzte Viertel wechseln. Noch zu früh zu sagen.

  5. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. September 2008 um 19:06 Uhr (#)

    Ich finde die Idee so simpel wie gut. Twitter hatte über ein Jahr lang Zeit, Business-Features einzuführen und damit evtl. auch gleich noch ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Wer so lange pennt, braucht sich nicht wundern, dass es irgendwann jemand anderes macht.

  6. Falk Hedemann
    schrieb am 11. September 2008 um 19:25 Uhr (#)

    Wie firmenintern das Yammern dann wirklich ist würde mich interessieren. Viele Firmen kommunizieren durchaus sensitive Informationen und würden nicht im Traum daran denken, diese über externe Server laufen zu lassen.
    Auch glaube ich nicht an die Einsicht der Unternehmensentscheider. Bei 200 Mitarbeitern würde Yammer sicherlich mehr Sinn machen, als bei nur 5. Nur wird es schwierig werden den Chefs den Mehrwert zu erklären. Der sieht nur die Kosten von $200 / Monat, die er für etwas zahlen soll, was sonst auch “irgendwie” lief.
    Aber ich will nicht nur yammern. Grundsätzlich finde ich es lobenswert schon vom Start weg ein Geschäftsmodell zu präsentieren.

  7. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 11. September 2008 um 19:42 Uhr (#)

    Falk, ich evaluiere das gerade: Ich bin seit gestern dabei, ausgewählte Kollegen und Kolleginnen des Unternehmens, in dem ich arbeite, zu Yammer einzuladen. Wir haben 200 Angestellte weltweit. 13 haben sich bisher registriert. Mal sehen, ob ich den Tipping Point erreiche. Je nach dem, wie das “Experiment” verläuft, wird es das dann bei netzwertig.com zu lesen geben.

  8. Florian (Tourismuszukunft)
    schrieb am 20. November 2008 um 14:19 Uhr (#)

    Gibt es sowas wie Yammerfox? Weiß das zufällig jemand?

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