YouTube:
Wir können auch ernst

Ole Reißmann, 8. September 2008 20:10 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Das Sammelbecken für obskure Kurzvideos, Werbeclips und Raubkopien startet einen Journalismus-Wettbewerb für bisher nicht erzählte Geschichten.

Die Leserreporter sind wieder da: Während man bei der Bild-Zeitung erst noch plant, hunderte billige Videokameras unters Volk streuen will (auf dass sich die Leute gegenseitig denunzieren und verarschen), startet heute auf Googles Videoportal YouTube ein Journalismus-Wettbewerb. Dort, wo sonst ferngesteuerte Autos mit aufgeklebten Dartpfeilen in sitzende Menschen gesteuert werden, Katzen auf Hunden tanzen und virale Werbung die Hirne infiziert.

Denn natürlich ist YouTube auch eine Plattform für emanzipierten Bürgerfunk, für Graswurzel-Medien, für unabhängige und freie Berichterstattung – und nicht nur ein Sammelbecken von urheberrechtlich geschützten Clips, die widerrechtlich verbreitet werden. Nun also der Wettbewerb “Project: Report” für angehende Journalisten und Hobby-Filmer, damit das nicht vollkommen in Vergessenheit gerät:

In der ersten Runde sollen die Teilnehmer jemanden aus ihrer Umgebung porträtieren, dessen Geschichte für ein großes Publikum interessant ist – in drei Minuten oder weniger. Noch bis zum 5. Oktober können Videos angemeldet werden.

Eine Jury bestimmt zehn Teilnehmer, die eine zweite Aufgabe bekommen. Dann soll die YouTube-Community fünf Finalisten auswählen und schließlich winken nach der dritten Aufgabe Preise der Sponsoren und ein 10.000 Dollar Stipendium des Pulitzer Centers (nicht verwechseln mit dem Pulitzer-Preis, der wird von der Columbia University vergeben) für ein Filmprojekt im Ausland.

Da ist er wieder, der Traum vom User Generated Content: Wir stellen die Plattform bereit, die Inhalte kommen ganz von alleine. Bei YouTube könnte es tatsächlich klappen: Die Plattform ist bekannt. Bei einer vorher unbekannten Plattform hat ein Wettbewerb nämlich nicht zum Erfolg geführt: Auch Plebstv stellt ein Portal für Bürger-Journalismus bereit.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

  1. rp
    schrieb am 8. September 2008 um 21:58 Uhr (#)

    Unglaubliche 10.000 Dollar werden in das Preisgeld für den einen Wettbewerbsgewinner investiert, das würde den Branchenriesen YouTube sicher in finanzielle Nöte bringen – würden ihm nicht die Sponsoren Sony VAIO & Intel unter die Arme greifen. Auf der Project-Report-Seite findet sich dann auch in den Lehrvideos der wichtigste Tipp für angehende Bürgerjournalisten: deutlich sichtbares Product-Placement mit einem Notebook der oben genannten Marke.

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