Mobiles Web:
belysio will Social Graph auf’s Handy bringen

Martin Weigert, 4. September 2008 16:35 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Das Social Web wird mobil und viele Startups möchten dabei sein. belysio ist ein neues Social Network, das die mobile Kommunikation mit Freunden und Bekannten vereinheitlichen und vereinfachen möchte.

Spätestens seit dem Launch der zweiten Generation von Apples iPhone, das regelrecht zum Surfen einlädt und über ein GPS-Modul verfügt, ist klar, in welche Richtung sich Social-Web-Angebote zukünftig weiterentwickeln werden: Statt stationärer Services rücken verstärkt mobile, ortsabhängige Dienste in den Vordergrund.

Wer zum Beispiel momentan in Berlin unterwegs ist, interessiert sich weniger für Partys, die Freunde in München gerade empfehlen. Und ein Züricher, der für einige Tage in Hamburg ist, will vor allem wissen, welche Kontakte sich ebenfalls gerade in der Elbmetropole befinden und Abends Lust auf ein Bier haben.

Es sind diese und ähnliche Problemstellungen, die die zahlreichen kürzlich gestarteten mobilen Social Networks lösen wollen. Wie bei Loopt, Ipoki oder buzzd dreht sich meist alles darum, welche Bekannten gerade wo sind und was sie machen. Manchmal werden derartige Services auch mit ortsabhängigen Event- und Location-Tipps angereichert.

In Deutschland gehört vor allem aka-aki zu den Vertretern dieser neuen Garde mobiler Social Networks. Nutzer können mit Hilfe der Bluetooth-Funktion ihres Mobiltelefons sehen, welche anderen aka-aki-Mitglieder aktuell in der Nähe sind und mit diesen in Kontakt treten.

Gestern erhielten wir eine Mail von belysio, einem weiteren Social Network mit Schwerpunkt auf der mobilen Nutzung. Anders als aka-aki positioniert sich der Dienst, der in Polen sitzt, aber einen deutschen Geschäftsführer hat, als Netzwerk für die integrierte und einfachere mobile Kommunikation mit existierenden Kontakten. Die Website von belysio gibt es nur auf Englisch und Polnisch, den zahlreiche Geräte unterstützenden mobilen Client aber auch auf Deutsch. Dieser ist das Kernstück des Dienstes.

Im Unterschied zur (noch) etwas klapprig wirkenden belysio-Site kommt die Applikation für das Handy mit einer äußert schicken und leicht zu bedienenden Oberfläche daher. Mitglieder legen ein Profil an und tragen sämtliche Kanäle ein, über die sie erreichbar sind. belysio-Kontakte können diese Informationen einsehen und mit anderen z.B. per hauseigenem Nachrichtendienst kommunizieren, wodurch SMS-Kosten entfallen.

belysio auf dem Handy
belysio auf dem Handy

Quelle: belysio

Das Ziel von belysio ist, die mobile Kommunikation mit Freunden und Bekannten zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Daher wurden verschiedene Instant Messanger in den Client integriert, die sowohl den Versand als auch das Empfangen von Nachrichten zulassen. Aufgeführt werden AOL, GTalk, ICQ, MSN, Jabber sowie das in Polen starke Gadu-Gadu. Auch können bestehende E-Mail-Adressen mit belysio abgerufen werden. Dies geschieht entweder per Weiterleitung oder mittels POP3-Abruf.

Wer seinen Kontakten mitteilen möchte, wo er sich gerade befindet, kann belysio automatisch den derzeitigen Standort aktualisieren lassen. Dies funktioniert entweder per GPS oder über die Standortbestimmung des nächstgelegenen Sendemastes.

Ich habe belysio mit einem Gerät ohne GPS ausprobiert. Die Standortanalyse über meinen Provider war überraschend genau. belysio zeigt an, welche Bekannten sich gerade im weiteren Umkreis befinden. In Kürze wird auch ein Bluetooth-Feature hinzukommen. Befindet sich ein Kontakt in unmittelbarer Nähe, schlägt der Client Alarm. Voraussetzung dafür ist bei beiden aktivierter Bluetooth-Empfang.

belysios Ansatz einer mobilen, integrierten Kommunikationszentrale mit Statusupdates und ortsabhängiger Komponente ist gut. Die mobile Applikation macht einen vielversprechenden und stabilen Eindruck und bietet angesichts geringer Trafficansprüche auch für Benutzer ohne Datenflatrate zahlreiche Anwendungsszenarien.

Doch wie bei allen mobilen sozialen Netzwerken stellt sich auch hier wieder die Frage, wie sich der Dienst verbreiten soll, solange Freunde und Bekannte noch nicht dabei sind. Für Neunutzer besteht wenig Anreiz zur Installation (wobei die Instant-Messanger- und E-Mail-Integration sicherlich einen Mehrwert darstellt). Zudem wird es nicht lange dauern, und die führenden Social Networks im Web werden mit ähnlicher Funktionalität aufwarten. Facebook bietet beispielsweise sowohl eine eigene Applikation für das iPhone als auch eine sehr gute mobile Version. Bis zum “Mobile Social Network” ist es da nicht mehr weit.

Yahoo! hatte bereits im Februar einen belysio sehr ähnlichen Dienst angekündigt. Allerdings lässt Yahoo! oneConnect bisher auf sich warten.

Die größten Erfolgschancen hätte belysio vermutlich, würde es mit einem Mobilfunkanbieter gemeinsame Sache machen und auf dessen Geräten vorinstalliert sein. So wie es gerade buzzd und Virgin Mobile in den USA verkündet haben.

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4 Kommentare

  1. Oliver Springer
    schrieb am 5. September 2008 um 18:46 Uhr (#)

    Von den technischen Möglichkeiten klingt so etwas schon interessant, doch ich frage mich, wer so etwas braucht.

    Sich anzeigen zu lassen, ob gerade Bekannte / Freunde in der Nähe sind, ist doch nur sinnvoll, wenn die Menschen auch so spontan agieren bzw. reagieren und ihre Zeit anscheinend nicht so weit einteilen und planen.

    Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, laufe ich doch nicht ziellos durch die Gegend, sondern bin auf dem Weg irgendwohin.

    Außerdem sollte man sich doch einmal Gedanken darüber machen, wem man Informationen darüber geben möchte, wo man sich gerade befindet. Abgesehen davon, dass man scherzhaft sagen könnte, dass “der Überwachungsstaat auf Crowsourcing setzt”, ist für die meisten Menschen vermutlich viel relevanter, ob sie ihre Freunde und Bekannten überhaupt mit diesen Informationen versorgen sollten.

    Anhand der Geodaten die Informationen, die man bekommt, zu filtern, ist dagegen grundsätzlich sehr sinnvoll.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 6. September 2008 um 13:04 Uhr (#)

    Hi Oliver. Man kann jeweils entscheiden, wem man seinen aktuellen Aufenthaltsort zugänglich machen möchte – allen, nur Nutzern aus seinem Netzwerk oder niemandem.

  3. Uli
    schrieb am 18. September 2008 um 13:40 Uhr (#)

    Dadurch dass immer mehr Menschen ein internetfähiges Handy besitzen, sind diese Art von Community/Service-Diensten (zb auch qiro) wohl auf dem Vormarsch, wohingegen reine sms-Dienstleister wie hiogi.de wohl langsam uninteressant werden dürften…

  4. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 18. September 2008 um 13:46 Uhr (#)

    Ja ich denke auch, dass SMS-basierte Services nach und nach an Attraktivität verlieren werden.

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