Politik:
N24 und MyVideo wollen Debatte 2.0

Markus Spath, 3. September 2008 16:43 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Mit Debatte 2.0 startet N24 und MyVideo eine interaktive Fragestunde mit Politikern. Interaktiv bedeutet dabei, dass Fragen von der Bevölkerung via Video gestellt werden können.

Interaktiver Polit-Talk zu sein, verspricht “Debatte 2.0“, eine Kooperation zwischen N24 und MyVideo. Inspiriert vom Erfolg der Debatten, die von CNN gemeinsam mit YouTube im November vergangenen Jahres organisiert wurden, soll nun auch hierzulande etwas Mitmachweb in den Politdiskurs gehaucht werden.

Debatte 2.0
Debatte 2.0

Das Prinzip dabei ist einfach: Heute um 23:30 wird sich Günther Beckstein bei N24 Fragen von Peter Limbourg stellen. Einige der Fragen kommen von Videos, die Benutzer bei MyVideo gepostet oder via MMS an N24 geschickt haben. “Doch dieses Mal sind Sie der Talkmaster” diagnostiziert sich Debatte 2.0 deshalb selbst.

Steffen Büffel mokiert sich bei den Blogpiloten nicht ganz zu unrecht über den euphemistisch interpretierten Anspruch der Interaktivität:

Debatte erfordert von allen Beteiligten den Willen zum Reden mit offenem Visier. Bei Debatte 2.0 ist das Visier schon dadurch “zu”, dass das Format keine direkte Interaktion zwischen Fragestellern und Befragtem ermöglicht. Interaktiv ist eben anders! Interaktiv ist live! Interaktiv ist spontan!

Aber ich tendiere fast dazu, das nicht ganz so streng zu sehen. Es wird zumindest der Versuch unternommen, etwas Dialog in zuvor abgeschottete Fragestunden zu bringen. Und wenn der Versuch nur unter den Mitgliedern bei MyVideo stattfindet. Immerhin wird ausserhalb des Fernsehens eine Plattform geschaffen, auf der die User untereinander gestellte Fragen und ggf. von Beckstein gegebene Antworten diskutieren können. Ob MyVideo die ideale Plattform für diese Art von Themen sind, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Mit 13 Video-Fragen und kaum Kommentaren ist Debatte 2.0 zwar noch eher eine unbelebte Mitmach-Wüste, aber für Kurzentschlossene, die sich davon nicht abhalten lassen, ist vielleicht noch Zeit.

Links zu den Debatten bei CNN / YouTube zum Vergleich:

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6 Kommentare

  1. Marc
    schrieb am 3. September 2008 um 17:00 Uhr (#)

    Auch das Schweizer Fernsehen versucht in ihrer Sendung “Arena” mittels Videoeinspielungen eine gewisse Interaktivität herzustellen.

    Link: sf.tv

  2. anatol
    schrieb am 3. September 2008 um 17:17 Uhr (#)

    Grundsätzlich halte ich den Hinweis mit den YouTube-Debatten ja ganz interessant, sollte man das nicht verfolgt haben. Aber sie als Vergleich ranzuziehen ist dann doch eher Äpfel mit Birnen vergleichen. Ich denke die Dialog-Kultur im Web ist in den Vereinigten Staaten wesentlich weiter, YouTube natürlich auch eine wesentlich größere Plattform.

    Nichtsdestotrotz interessant zu sehen, ob sich Debatte 2.0 wirklich entwickeln kann.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Markus Spath
    schrieb am 3. September 2008 um 18:01 Uhr (#)

    @marc Danke für den Hinweis.

    @anatol Ich denke gar nicht, dass die Dialog-Kultur unterschiedlich ausgeprägt ist, die ist auch hier durchaus gut entwickelt, allerdings in anderen Kanälen. Insofern ist der Hinweis auf CNN/YouTube vl. etwas unfair, aber es schadet ja nicht, wenn man sieht wie sich die Dinge anderswo entwickelt haben.

  4. clemens lerche
    schrieb am 3. September 2008 um 20:22 Uhr (#)

    bei tagesschau.de gibt (lange nicht mehr verfolgt) es chats mit politikern bzw experten ( zT mit einer webcam, die den gast zeigte). die fragen kommen fast alle von den usern. das ist interaktiver als dieses format. bin gespannt und skeptisch ;-)

    ich habe auch nichts gegen gute journalistische formate, die nicht interaktiv sind, das ist keine pflicht bzw macht es besser. hauptsache die fragen und nachfragen sind gut.

  5. surfguard
    schrieb am 4. September 2008 um 08:27 Uhr (#)

    Tut mir leid, aber ich halte solche Formate für albern, ja in gewisser Hinsicht sogar für gefährlich. Sie täuschen nämlich Interaktivität vor, wo keine ist. Ein Interviewer, der sich vorbereitet und die wichtigen Fragen stellt, gerne auch “gebrieft” von einem Internetpublikum, kann viel mehr Interaktivität erzeugen – weil er nachhaken kann.

    Dann ist mir doch, wenn schon Laien die Fragen stellen sollen, ein Urgestein des Befragungsfernsehens viel lieber: http://www.daserste.de/ichstellemich/ Wenigstens muss der Befragte hier dem Betroffenen ins Gesicht antworten.

  6. Wolfgang
    schrieb am 4. September 2008 um 11:05 Uhr (#)

    Ob gerade myvideo die richtige Plattform dafür ist?
    Jede menge “Unterschicht-Videos”, Trash-Content und eine Firma, die in Bukarest sitzt…

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