Russland:
Kritischer Online-Journalist erschossen

Ole Reißmann, 1. September 2008 10:34 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Der Besitzer eines kritischen Internet-Portals wurde am Sonntag in der russischen Region Inguschetien von der Polizei verhaftet und dabei erschossen.

Die Behörden sprechen von einem Unfall, der Anwalt des Opfers mag nicht an ein Versehen glauben und Kollegen rufen zu Protesten auf: Der Online-Journalist Magomed Yevloyev wurde am Sonntag in Inguschetien von Polizisten verhaftet und wenig später offenbar erschossen.

Magomed Yevloyev war Besitzer des Online-Portals ingushetiya.ru, das kritisch über die Regierung der russischen Teilrepublik berichtet. Die Nachrichtenagentur Reuters vergleicht den Fall mit dem der Journalistin Anna Politkovskaya im Jahre 2006. Seitdem sei kein derart bekannter und in der Öffentlichkeit stehender Journalist ermordet worden, heißt es.

Demnach sei Yevloyev, der von Moskau nach Nazran geflogen war, am Flughafen von Polizisten verhaftet und in ein Auto gebracht worden. Im Auto traf offenbar ein Pistolenschuss Yevloyev direkt in den Kopf. Wie der Anwalt der Seite mitteilte, sei der lebensgefährlich Verletzte am Straßenrand in der Nähe eines Krankenhauses gefunden und notoperiert worden – ohne Erfolg.

Auf der Seite ingushetiya.ru wird zu Protesten gegen die Ermordung aufgerufen. Zur Beerdigung an diesem Vormittag sollen hunderte Demonstranten erschienen sein. Nach Angaben des inguschetischen Innenministeriums sei der Tod Yevloyevs ein Unfall, man ermittle wegen fahrlässiger Tötung, berichtet ingushetiya.ru. Auch die russische Nachrichtenagentur Interfax meldet, dass es sich um einen Unfall handeln soll.

Der Anwalt der Seite sagte gegenüber Reuters, dass es sich niemals um ein Versehen handeln könne. Der Regierungschef von Inguschetien, der ehemalige KGB-Angehörige Murat Sjasikow, hatte Anfang des Jahres versucht, die Internet-Seite gerichtlich schließen zu lassen. Die Opposition wirft ihm die Verfolgung von Kritikern vor, berichtet Reuters.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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1 Kommentar

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    schrieb am 1. September 2008 um 10:45 Uhr (#)

    Wer schiesst jemandem aus Versehen in den Kopf? Glauben die eigentlich auch selber an ihre Statements?

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