Nimmt Facebook Twitter die Status-Wurst vom Teller?

Martin Weigert, 24. August 2008 17:36 Uhr, 19 Kommentare Kommentare

Facebook räumt den Status-Updates seiner Mitglieder eine immer größere Bedeutung ein. Doch wie nah kommt das Social Network eigentlich dem führenden Microblogging-Dienst Twitter?

In der vergangenen Woche hat Facebook an seiner kürzlich überarbeiteten Benutzeroberfläche erneut einige Schönheitskorrekturen durchgeführt. Eigentlich wäre uns dies keine Meldung wert, hätte das mitgliederstärkste Social Network der Welt dabei nicht eine spezielle Funktion erheblich aufgewertet und sie dadurch zum zentralen Element des Dienstes gemacht: Status-Updates.

Während Mitglieder die Funktion zum Aktualisieren ihres Status bisher in der rechten Menüleiste vorfanden, ist sie nun in Form eines langen Eingabefeldes mit der deutlichen Aufforderung “Was machst du gerade?” in den Mittelpunkt der Facebook-Hauptseite gerückt. Eine Übersicht der letzten Status-Änderungen findet sich direkt im Newsfeed unter dem Filter “Statusmeldungen”.

fbstatus
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Facebook ist bekannt dafür, die Entwicklung des Social Web genau zu beobachten und die beliebtesten Funktionen anderer Web-2.0-Dienste in das eigene Angebot zu integrieren. Mit der jüngsten Änderung macht sich Facebook endgültig in der Microblogging-Sphäre breit, die bisher von Diensten wie Twitter oder Pownce dominiert wird.

Schon lange ist es Facebooks Strategie, viele kleinere Funktions-Updates zu lancieren und diese bei fehlendem Useranklang auch wieder zu entfernen. Vermutlich haben Facebooks interne Analysen des Nutzerverhaltens in diesem Fall gezeigt, dass das Status-Feature Nutzer über einen bestimmten Zeitraum immer stärker involviert. Mit dem aktuellen Schritt soll die bisher etwas versteckte Funktion nun einer größeren Mitgliederzahl schmackhaft gemacht werden.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Facebook versucht, dem bisher beliebtesten Microblogging-Dienst Twitter die Wurst vom Teller zu nehmen. Doch was müsste geschehen, damit dieses Vorhaben gelingt? Ähnlich wie bei Twitter wäre es notwendig, dass Facebook mit Hilfe einer API (Schnittstelle) externen Diensten das uneingeschränkte Lesen und Bearbeiten des Facebook-Status ermöglicht. Marcel hat in seinem privaten Blog neunetz.com vor einiger Zeit auf die Bedeutung von APIs hingewiesen. Beliebte Desktop-Tools wie Twhirl oder TweetDeck greifen auf die Twitter-Schnittstelle zu und erlauben es Anwendern, Status-Updates ohne Browsereinsatz zu beziehen und zu publizieren.

Auch Facebook bietet schon diverse Wege, Status-Updates extern anzuzapfen, doch nicht mit der Einfachheit und funktionalen Freiheit, wie dies bei Twitter der Fall ist. Wer will, kann sämtliche Facebook-Status-Aktualisierungen als Feed abonnieren und im RSS-Reader seiner Wahl lesen. Twitter- sowie Pownce-User haben die Möglichkeit, ihre Tweets/Pownces gleichzeitig als Facebook-Status zu veröffentlichen. Beiden Alternativen sind jedoch Einbahnstraßen ohne Rückkanal. Erheblich smarter ist Zebr (gefunden bei ReadWriteWeb), eine Adobe AIR-Applikation für den Desktop, die in Echtzeit die Facebook-Updates der Kontakte präsentiert und zugleich das Aktualisieren des eigenen Status zulässt. Damit dies funktioniert, muss allerdings die Zebr-Applikation zum persönlichen Facebook-Konto hinzugefügt werden.

Während Zebr momentan wohl die Lösung ist, die Facebooks Status-Feature am ehesten in die Nähe von Twitter bringt, so wäre der speziell bei Web-2.0-Freunden populäre Zwitscher-Dienst erst dann richtig in Gefahr, wenn Facebook den Status über eine Schnittstelle direkt ansprechbar machen würde. Dann nämlich könnten Tools wie Twhirl, das neben Twitter auch identi.ca, Friendfeed und seesmic unterstützt, ganz einfach Facebook zur Liste der angebotenen Dienste hinzufügen – und das, ohne dass User erst eine Applikation bei Facebook installieren müssen. Auch für den Multi-Instant-Messanger Digsby, der bereits heute Facebook Chat auf den Desktop bringt, wäre eine Integration des Status-Features eine runde Sache.

Man darf gespannt sein, ob und inwieweit Facebook zu einer Öffnung des Status-Features bereit sein wird und eines Tages eventuell sogar einen eigenen Desktop-Client veröffentlicht. Es würde einige Seitenaufrufe weniger bedeuten, gleichzeitig aber die Mitglieder stärker an das soziale Netzwerk binden. Angesichts des enormen Überangebotes an zum Teil für Peanutbeträge vermarkteter Werbefläche wäre dies für Facebook eine vertretbare Investition in eine weiterhin steigende Nutzer-Loyalität.

[Dank an Marcel, der zu diesem Beitrag einige gute Gedanken geliefert hat.]

Fotoquelle: Wikimedia Commons

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19 Kommentare

  1. Klaus
    schrieb am 24. August 2008 um 17:59 Uhr (#)

    Interesant ist doch gerade die Verbindung der Dienste.
    Facebook bindet mich eher noch mehr an Twitter, weil meine dort abgegebenen Tweets auf meinem Facebook-Konto ebenfalls auftauchen, und mir so ein paar mehr “Follower” beschert. Facebook ist damit in meinen Augen eher eine Konkurrenz für FriendFeed.

  2. Michael
    schrieb am 24. August 2008 um 20:30 Uhr (#)

    Ich benutze zum Status-Update meines Facebook-Profils den Dienst hellotxt.com, der übrigens auch Twitter, Pownce, identi.ca, Friendfeed, etc. bedient.

  3. Bernd
    schrieb am 24. August 2008 um 20:59 Uhr (#)

    Argh! Wen juckt in Deutschland schon Facebook oder Twitter?

    Twitter und alle möglichen 140-Zeichen-Clones sind definitiv out – schaut euch einfach mal Rejaw an! 1000 Zeichen verfügbar, Antwortfunktion, Privatnachrichten, Updates am laufenden Band!

    Ständig tauchen neue Microblog-Services auf und die Zahl der FriendFeed-Clones steigt deshalb auch täglich… bald werdet ihr anscheinend mit einem Tool zehn andere Tools updaten, welche wiederum 25 andere Seiten updaten :)

  4. Francis, Infopirat
    schrieb am 24. August 2008 um 22:01 Uhr (#)

    @Bernd: Out? Die wirkliche Welle an Nutzern hat Twitter noch lange nicht erreicht. Das Tool wird eine ähnliche Verbreitung bekommen wie ICQ mE.
    Und die Beschränkung auf 140 Zeichen ist kein Nachteil sondern ein grosser Vorteil. So wurde die Hemmschwelle zu posten extrem gesenkt.
    Rejaw ist natürlich trotzdem was Feines, keine Frage ;-)

  5. Casi
    schrieb am 24. August 2008 um 22:55 Uhr (#)

    Klar sieht Rejaw toll aus, aber wenn jeder User diese 1000 Zeichen ausreizen würde, auch nur annähernd, dann wäre der Grundgedanke des Microbloggings wohl ad absurdum geführt… Martin und Marcel haben da schon den richtigen Gedanken, glaub ich: Facebook bedient sich der Dinge, die gut funktionieren und macht sie dann einer großen Nutzerzahl zugänglich, die ohne Facebook vermutlich in 1000 Jahren nicht auf FriendFeed oder Twitter gekommen wäre. Hab mich vor einigen Wochen ähnlich zu dem Thema geäussert, aber wie immer nicht annähernd so wortgewandt und gekonnt wie Martin :)

  6. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 25. August 2008 um 08:47 Uhr (#)

    Danke für die Blumen, Casi ;)

    @ Michael, ah ich wusste nicht, dass HelloTxt auch Facebook unterstützt. Aber ist ja auch wieder nur eine Einbahnstraße.

    @ Francis
    Na das Twitter eine ähnliche Verbreitung wie ICQ (in Deutschland) erreichen wird, ist eine mutige Prognose ;)

  7. Thomas Wanhoff
    schrieb am 25. August 2008 um 09:16 Uhr (#)

    Die Statusmitteilungen sehen nicht nur wie Twitter aus, oft sind sie es auch. Manch einer versendet nämlich wie oben schon beschrieben mit Ping.fm und anderen Diensten an mehrere Microblogs. Abgesehen davon gibt es einen Denkfehler: Statusmitteilungen und Microblogs sind eine Technik, die jede Webseite nutzen kann. Nur weil einer Kommentare hat wird man dem nächsten, der sie auch einführt, nicht unterstellen, dem anderen die Wurst vom Teller oder die Butter vom Brot nehmen zu wollen. Es ist in Deutschland leider immer noch so, dass es nur einen FührerDienst geben kann – tatsächlicher aber liegt der Schlüssel in der Vielfältigkeit. Ist übrigens auch ein Grund, warum Wer kennt wen so still gewachsen ist – weil alle auf Facebook und StudiVZ geschaut haben und gar nicht auf die Idee kamen, dass es noch andere gibt. Gleiches gilt für die Videoplattformen.
    Also, es ist wurscht, wer welchen Dienst hat, entscheidend ist, wo meine Leute sind. Ich nutze Facbook wider Willen, aber das ist nunmal der Platz wo sich die Expats in Saigon organisieren. Mit meinen Leuten in Deutschland twittere ich. Und meiner Mutter schreibe ich eine Mail.

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 25. August 2008 um 09:26 Uhr (#)

    @ Thomas

    Nur weil einer Kommentare hat wird man dem nächsten, der sie auch einführt, nicht unterstellen, dem anderen die Wurst vom Teller oder die Butter vom Brot nehmen zu wollen.

    Doch genau das mache ich ;) Ich unterstelle ja nicht, der eine würde den anderen kopieren. Denn wie du korrekt anmerkst, sind Status-Updates eine Technik, die jede Seite anwenden kann. Doch wenn ein Dienst einem anderen seine Marktführerschaft in diesem Bereich streitig machen würde, wäre das für mich ein klarer Fall vom “Wurst vom Teller nehmen”.

  9. Thomas Wanhoff
    schrieb am 25. August 2008 um 09:36 Uhr (#)

    Was bitte ist eine Marktführerschaft in Sachen Microblogs? Mal abgesehen davon dass Markt heisst dass Güter gehandelt werde und ich kein Geschäftsmodell bei Twitter und Co. sehe, ist locker Platz für mehrere: Twittermenschen sind nicht unbedingt Facebookmenschen und viele nutzen diese Dienste auch parallel. Gefühlte Popularität muss nicht immer tatsächliche sein, und offizielle Zahlen sind dank Spamfollower und Scheinaccounts eh nix wert.

  10. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 25. August 2008 um 09:40 Uhr (#)

    Klar darf man “Marktführerschaft” hier nicht so eng sehen bzw. an irgendwelchen Geschäftszahlen festmachen wollen. Twitter ist DER führende Microblogging-Dienst, wenn auch im Vergleich zur Gesamtzahl der Internetnutzer mickrig. That’s it.

  11. Martin Meyer-Gossner
    schrieb am 25. August 2008 um 11:18 Uhr (#)

    Am Wochenende mit Freunden darüber diskutiert und uns als Twitteruser gefragt, inwieweit Twitter dem Business zuträglich ist im Vergleich zu Facebook und Xing Statusmeldungen und wir haben mal drei Thesen aufgestellt…

  12. Francis, Infopirat
    schrieb am 25. August 2008 um 17:33 Uhr (#)

    @Martin: Ja, mutig, stimmt. Aber ich war auch mutig als ich dem Yahoo! Katalog und Altavista ein Ende prognostiziert habe als Google auf den Markt kam ^^

  13. Bernd
    schrieb am 25. August 2008 um 21:49 Uhr (#)

    @Francis:

    Twitter wird auch keine “Welle” mehr erreichen, weil es in der jetzigen Form einfach unnütz ist. Wäre es gleich als Status-Update-Service für alle anderen Portale gestartet, dann wäre das etwas Anderes gewesen.

    Bis jetzt vereint Twitter gerade mal 2 Millionen “Freaks” aus aller Welt. Ein Witz also. Nichts für den Durchschnittssurfer.

    @Casi:

    Es geht nicht darum ob Rejaw “toll” aussieht, sondern was es kann. Die Features hab ich ja aufgezählt. Twitter verkommt immer mehr zur einseitigen Status-Update-Maschine während die Clones zusätzlich Privatnachrichten, Gruppen und Antwortfunktionen bieten.

    Die 1000 Zeichen sind ja auch das Maximum, was kaum einer dort ausreizt. Aber es ist eben gut zu wissen, dass man sich nicht vorher überlegen muss wie man was schreibt, nur damit es unterhalb der 140er Grenze bleibt. 255 Zeichen hätten es auch getan, zumal die ganzen SMS-Geschichte ja gefloppt ist.

  14. Bernd
    schrieb am 25. August 2008 um 22:44 Uhr (#)

    Übrigens sieht der Screenshot bei mir ganz anders aus… ich sehe da kein langes Eingabefeld…

  15. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 25. August 2008 um 23:04 Uhr (#)

    http://www.new.facebook.com/home.php
    Jetzt?

  16. Bernd
    schrieb am 26. August 2008 um 01:11 Uhr (#)

    Sieht ganz gut aus… aber es wird ja immer nur die aktuelle Statusmeldung verändert oder? Also ne Art Timeline gibt’s da ja weniger wie bei Twitter…

  17. Oliver Springer
    schrieb am 26. August 2008 um 16:51 Uhr (#)

    Ein Social Network wie Facebook ist geradezu dafür geschaffen, Dienste wie Twitter überflüssig zu machen.

    Dennoch halte ich es derzeit wie Klaus – die Möglichkeit, Tweets in Facebook zu veröffentlichen macht Twitter interessanter und führt auch dazu, dass ich nicht bei Facebook direkt meinen Status angebe, sondern lieber via Twitter schreibe.

  18. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 28. August 2008 um 23:37 Uhr (#)

    Facebook legt erneut nach.

  19. bluehilltec
    schrieb am 1. Dezember 2008 um 10:27 Uhr (#)

    Interessant ist die Tatsache das ich seit einigen Tagen die Facebook-Aplikkation Twitter nicht mehr so nutzten kann wie bisher.

    Mit dem Tool war es möglich gleichzeitig Twitter wie auch die Neuigkeitenleiste von Facebook zu beliefern. Das funktioniert nicht mehr. Nun sehe ich nur noch mein Followings.

    Hat Facebook den Service absichtlich beschrenkt?

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