Blogger aufgepasst:
“Lassen sie seriöse Journalisten in Ruhe”

Ole Reißmann, 12. August 2008 13:28 Uhr, 17 Kommentare Kommentare

“Die Welt ist eine Google”, schreiben zwei Journalisten. Der eine vor drei Jahren, der andere erst jetzt. Den Hinweis darauf verbittet sich der “seriöser Journalist” energisch.

Journalisten unter sich: Marco Dettweiler, in der FAZ-Wirtschaftsredaktion zuständig für Computer und Technik, holzt gegen Peter Glaser, der unter anderem für die Stuttgarter Zeitung bloggt. Das ganze gerät zur peinlichen Farce. Dettweiler lässt einen Text für die FAZ mit dem Satz “Die Welt ist eine Google” beginnen. Ein Satz, den Peter Glaser schon länger verwendet und deswegen Dettweiler eine E-Mail schreibt. Ein kleiner Hinweis unter Kollegen. Im Ton freundlich, weder fordernd noch anmaßend. Dettweiler aber nimmt’s nicht sportlich:

Bloggen sie ruhig weiter, aber lassen sie seriöse Journalisten in Ruhe. Danke!

Denn abgeschrieben habe er keinesfalls, Glaser solle die “lächerliche Aussage” lassen. Außerdem finde Google Tausende Einträge zu dem Satz. Damit nicht genug, außerdem ruft Dettweiler bei der Stuttgarter Zeitung an und beschwert sich über Glaser. Der habe ihn belästigt. Den Mailaustausch hat Peter Glaser in sein Blog stellt – zusammen mit einer launigen Antwort. Denn hätte Dettweiler sich die Google-Ergebnisse genauer angesehen, er hätte sehen müssen, dass tatsächlich Glaser den Satz geprägt hat, vor drei Jahren schon.

Zum Schluss schimpft der bloggende Journalist Glaser den blogverachtenden Journalist – was wohl – einen Blogger.

Nachtrag: Passend auch der Kommentar von Dirk von Gehlen zu Peter Glasers Blogeintrag: “Was man dort nicht nachlesen kann: Wann es eigentlich zu einer Selbstverständlichkeit wurde, verschickte Mails ans Licht der Web-Öffentlichkeit zu zerren.”

via wirres.net

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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17 Kommentare

  1. zf
    schrieb am 12. August 2008 um 13:55 Uhr (#)

    Durch die tumbe Reaktion hat sich Dettweiler eigentlich schon selbst disqualifiziert. Und sich auch noch gleich beschweren, weil man auf einen scheinbaren Mißstand angesprochen wurde, einfach unsportlich.

    Aber der Satz, “Die Welt ist eine Google”, darüber kann man wirklich streiten. Ich persönlich glaube, den schon vor vielen Jahren mal gelesen zu haben … und zwar bevor der Artikel in der Stuttgarter Zeitung erschien.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ole Reißmann
    schrieb am 12. August 2008 um 14:03 Uhr (#)

    Aber wenn man sich die Google Timline ansieht – und gerade Google wurde von Herrn Dettweiler ja als Beweis herangezogen – dann ist Peter Glaser der erste Treffer …

  3. zf
    schrieb am 12. August 2008 um 14:19 Uhr (#)

    Naja, mag sein. Aber nicht alle Artikel die damals in Printmedien publiziert wurden, sind auch im Netz gelandet. Oder? Kann natürlich sein, dass ich mich irre, aber ich bin trotzdem ziemlich sicher, dass der Satz schon länger existiert.

  4. Honigbaerli
    schrieb am 12. August 2008 um 14:57 Uhr (#)

    ja da treffen zwei verschiedene systeme aufeinander der blogger und der journalist!
    der blogger der kurze wege hat und sachen ziemlich schnell ins netz stellt und der journalist der sich mit der redaktion absprechen muss, aber ich finde beide seiten ergänzen sich!!

  5. Schreibt hier auf dem Blog Ole Reißmann
    schrieb am 12. August 2008 um 15:14 Uhr (#)

    » zf: Das kann natürlich gut sein. Es ist eben nur die Pointe, weil Google als Referenz benutzt wurde – und da eben Glaser zuerst damit auftaucht. Im FAZ-Archiv findet sich die Phrase auch nicht wirklich.

  6. zf
    schrieb am 12. August 2008 um 15:37 Uhr (#)

    @Ole – Hab jetzt ebenfalls etwas rumgesucht aber leider nix gefunden. Doch ich glaube mittlerweile, dass der Satz ursprünglich aus einem c`t oder Chip-Artikel stammen könnte. Doch wie gesagt, ganz sicher bin ich mir nicht – und eigentlich ist’s mir auch ziemlich egal.

  7. noamik
    schrieb am 12. August 2008 um 17:15 Uhr (#)

    http://www.flickr.com/photos/lumma/622506/

    Der Satz ist einfach wirklich naheliegend, vor allem im Sächsischen …

  8. maikäfig
    schrieb am 12. August 2008 um 17:28 Uhr (#)

    wie, worum gehts? mann, auf meinem monitor kopulieren seit einer stunde zwei fliegen – die welt ist eine scheible! ab

  9. Frank Westphal
    schrieb am 12. August 2008 um 20:04 Uhr (#)

    Moin! Rivva meckert gerade, dass Euer Feed nicht hinterher kommt. Dieser sowie der vorherige Artikel sind noch nicht “ausgeliefert” worden.

    (wollte ich nur kurz loswerden, falls das Problem nicht bei FeedBurner liegt)

  10. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 12. August 2008 um 20:25 Uhr (#)

    Antrag: Wir starten auf medienlese.com eine Initiative zur patent-/markenrechtlichen Unterschutzstellung besonders gelungener Phrasen als IP, komplett mit internationalem Verzeichnis inklusive Datum der Erstanwendung und abgestuften Tantiemen für die lizenzierte Weiterverwertung, berechnet nach Auflage / Zugriffszahlen des Organs des Zweitanwenders. Das sind die Dinge, die wir brauchen, um den Journalismus und die Bloggerei zu retten.

  11. Michèle
    schrieb am 13. August 2008 um 01:04 Uhr (#)

    Was ich an der ganzen Geschichte am nervigsten finde ist ehrlich gesagt, dass es inzwischen total normal zu sein scheint, dass man in seinem Blog einen kompletten Mailverkehr abdruckt. Bekanntlich gilt immer noch das Briefgeheimnis, ich denke, das gilt auch für E-Mails. Wenn man mal was Unachtsames als E-Mail schickt, hat deswegen noch lange nicht die ganze Weböffentlichkeit ein Anrecht darauf, daran teilzuhaben. Ich finde, das gehört bestraft.

  12. noamik
    schrieb am 13. August 2008 um 02:30 Uhr (#)

    @Michelle: Das Briefgeheimnis betrifft ausschließlich den Transport der Nachricht. Es gibt einen einfachen Weg, die Veröffentlichung solcher Nachrichten zu umgehen, sie einfach nicht schreiben. Ich finde es immer wieder bezeichnend, dass Menschen nicht zu ihren Äußerungen stehen wollen.
    Es mag sogar allgemeine illegal sein ohne Einverständnis den Briefverkehr zu veröffentlichen, in diesem speziellen Fall würde auch das aber kaum greifen. Wer eine solche beleidigende Botschaft an einen Blogger schickt, muss damit rechnen, dass die Nachricht auf eben jenem Blog landet. Wenn ich damit nicht einverstanden bin, muss ich das zumindest andeutend, sonst nehme ich das billigend in Kauf.

  13. Max Headroom
    schrieb am 13. August 2008 um 13:36 Uhr (#)

    Wow, da wurden Gut und Böse aber schnell verteilt! Wieso flamt man den Journalisten? Wer wäre nicht sauer, wenn man eine arrogante E-Mail wie jene von Peter Glaser erhalten würde, mit einer völlig absurden Behauptung, falschen Angaben zur Google-Suche und und und? Und definitiv ins Abseits begeben hat sich Glaser mit der Veröffentlichung der E-Mail. Hat der Mann keinen Anstand?

  14. David Prochnow
    schrieb am 13. August 2008 um 15:15 Uhr (#)

    Vielleicht sollte mal jemand einen Wikipedia-Eintrag zu “Die Welt ist eine Google” verfassen, um endlich Klarheit zu schaffen. Überhaupt könnte man gleich ein ganzes Wiki anlegen, dass keinen anderen Zweck hat, als die rechtsgültige Konservierung schlechter, wie guter Wortspiele.

  15. noamik
    schrieb am 13. August 2008 um 16:57 Uhr (#)

    @Max: Vielleicht wegen des angeschlagenen Tons und des Anrufs in der Redaktion? Das Dettweiler in der Sache Recht hat, bestreitet doch kaum einer.

  16. terby
    schrieb am 14. August 2008 um 00:02 Uhr (#)

    Sehr geehrter Herr Glaser,
    habe vor ein paar Minuten einen Kommentar losgelassen, im Nachhinein ist mir klar geworden, wie unreflektiert und verletzend er war. Dafür möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen und Sie bitten, ihn zu löschen.
    Viele Grüße,
    Terby

  17. mykäfer
    schrieb am 14. August 2008 um 13:01 Uhr (#)

    einefeine geste, terby!

    ich möchte mich bezüglich meines obigen kommentars dem anschliessen und mich für seinen hier unangebrachten gehalt insbesondere bei der medienlese entschuldigen!

    als (nichtreflektierter) ausdruck meines unverständnisses zu diesem leidlichen vorfall kann er allerdings auch ohne löschung dort verbleiben; ich hoffe, ihn hiermit in seiner missverständlichen art soweit bereinigt zu haben.

    ich wünsche allen einen schönen tag,
    mykäfer

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