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Cloud Computing als
das Öl von morgen

Hugh McLeod beschäftigt sich in 2 Artikeln mit der Cloud und den damit verbundenen künftigen Risiken. Wikipedia zu Cloud Computing:
Anwendungen und Daten befinden sich also nicht mehr auf dem lokalen Rechner, sondern – metaphorisch gesprochen – in einer Wolke (Cloud) über eine Anzahl von entfernten Systemen verteilt.
McLeod schreibt über einen wichtigen Aspekt, der im Zuge der anschwellenden Diskussion rund um die Cloud bisher kaum beachtet wird:
Was wenn, ausgehend von Clay Shirkys Power Laws (<- lesenswert) sich irgendwann ein dominantes Unternehmen im Cloud Computing herauskristallisieren könnte – so wie Google bei der Suche. Dieses Unternehmen, aktuell bester Kandidat Amazon, könnte, so McLeod, aufgrund der immensen ökonomischen Möglichkeiten zum größten Unternehmen in der Menschheitsgeschichte werden.
Ein leicht drastisch gezeichnetes Bild. Aber die Chancen und Risiken rund um Cloud Computing sind in der Tat so groß, dass sie fast nicht zu überschätzen sind.
Durchaus wahrscheinlich in meinen Augen, dass die Cloud-Computing-Branche bildlich gesprochen die Öl-Branche von morgen ist. Sehr groß, profitabel und ausgesprochen mächtig, da gesamte Wirtschaftszweige von ihr abhängen.
Auch wir haben hier bereits einige Male ausführlich über die Cloud geschrieben. Martin hat sich hier grundsätzlich damit beschäftigt. Andreas hat sich mit dem Feld Platform-as-a-Service auseinandergesetzt und an anderer Stelle die Cloud-Angebote von Google und Amazon verglichen. Amazons Cloud-Computing-Angebot ist auch einer der Gründe, warum das Unternehmen zu den vielversprechendsten und innovativsten Web-Unternehmen zählt.
» gapingvoid: the cloud’s best-kept secret (man achte auch auf den Kommentar von Tim O’Reilly)
» gapingvoid: more thoughts on “the cloud”
» passend zum Thema: It’s 2018: Who Owns the Cloud? – GigaOM
Hier erscheint jeden Morgen von Montag bis Freitag ein ausgewählter Link zu einem gelungenen Text. Viel Spaß bei der Lektüre!








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Andreas Von Gunten
Die Cloud Computing Branche hat in der Tat das Potential eine der Megabranchen der Zukunft zu werden.
Im Moment ist aber das Rennen noch sehr offen, alle wichtigen Player der IT-Industrie versuchen im Moment eine gute Startposition zu erreichen. Dabei sind Amazon und Google, den anderen noch eine Nasenlänge voraus. Aber auch IBM, HP, Sun, usw. sind neben ihrer Expertise nicht zuleztz durch den Zugang zu den Unternehmenskunden einigermassen gut vorbereitet.
Weitere Kandidaten sind die Hoster sowie die Telkos, die ja bereits im Infrastrukturbusiness sind.
Gegen die These des marktbeherrschenden Unternehmens im Cloud Computing Bereich sprechen folgende Aspekte:
Interoperabilität wird von den Kunden gefordert werden und ich gehe davon aus, dass sich mit der Zeit Standards auf allen Ebenen ausbilden werden, sodass es relativ einfach möglich sein wird, vom einen Anbieter zum anderen zu wechseln.
Die Open Source Community, wie auch Microsoft und Sun werden wohl auch einen grossen Beitrag dazu leisten, dass es vielen kleineren Hosting Anbietern möglich sein wird, Services für die Cloud bereit zu stellen. Natürlich können das nicht mehr Kleinsthoster sein, aber für mittlere Unternehmen bietet sich hier viel Spielraum an. Denn Vertrauen, und das wird eine sehr wichtige Komponente im Cloud Computing sein, wird nicht nur durch Grösse erreicht, sondern auch durch Nähe. Wenn das nicht so wäre, hätte SAP längst einen viel grösseren Anteil am ERP Markt.
Die Grösse der Aufgabe, nähmlich mit der Zeit mehr oder weniger alle Server die heute in den Unternehmen stehen, in der Cloud als Service bereit zu stellen, ist von einem einzigen Unternehmen mit Beispielsweise 70% Martkanteil (also noch weniger als Google in der Internetsuche hat), in meinen Augen schlicht nicht zu bewältigen.
Die Plattform Anbietern, die mehr als nur Computing Power zur Verfügung stellen, wie z.B. Google, Salesforce, teilweise auch Amazon, und viele kleinere Startups, werden für einen Teil der Anwendungen bessere Alternativen bieten und deren Services werden durch API’s miteinander verknüpft werden können. So wurde beispielsweise kürzlich eine Applikation auf Googles App Engine vorgesellt, die die Yahoo BOSS Open Search Plattform benützt. In diesem Bereich werden sich wahrscheinlich auf Branchen spezialisierte Anbieter entwickeln, auf deren Plattformen viele Anwendungen entstehen werden, deren Services mit wieder anderen Anwendungen verbunden werden.
Zu guter Letzt noch die politische Komponente. Ich kann mir schwer vorstellen, dass die einzelnen Nationen hier zulassen werden, dass ihre Unternehmen sich bei einer solchen Schlüsseldienstleistung im grossen Stil in die Abhängigkeit eines einzigen amerikanischen oder chinesichen Unternehmens geben werden. Welthandel und Globalisierung hin oder her. Die Beherrschung der Cloud, hat eine ganz andere Dimension als die Beherrschung des Betriebssystem oder des Internet-Werbemarktes, das wird nicht einfach ohne Politik stattfinden.
Natürlich wird es ein paar weltweite Platzhirsche geben, aber die werden zusammen nicht den Markt beherrschen, sondern sich diesen mit einer Vielzahl von lokalen und Nichen-Anbietern teilen müssen.
Alles in allem, ist das eine sehr spannende Entwicklung, die vor allem für Softwareanbieter und Softwareanwender interessante neue Möglichkeiten bieten.
Marcel Weiss
Danke für Deinen ausführlichen, sehr guten Kommentar!
Ich kann Dir größtenteils zustimmen. Ich denke auch, dass vor allem Open Source uns vor einer allzustarken Dominanz eines Unternehmens schützen kann.
Aber die Frage bleibt, ob es sich nicht so entwickeln kann wie bei der Suche und Google. Auch dort gibt es unzählige Konkurrenten, OpenSource-Alternativen, jeder kann nutzen, was er will. Trotzdem hat Google in Dtl. einen Marktanteil von über 90 Prozent.
Das alles schützt also nicht vor den Power Laws.
Nikolai Raitsev
Vielen Dank für diesen interessanten und linkwertigen Artikel! Auch der erste Kommentar hat mir einen neuen lesenswerten Blog für Inspirationen und zum Nachdenken beschert.
Zum Thema Open Source:
Ich glaube, dass OS in diesem Zusammenhang zu stark überschätzt wird, denn die meiste OS-Software existiert ja bereits heute in Form von Werkzeugen und Programmbibliothen, mit denen die Produkt-Entwicklung einigermaßen günstig realisiert werden kann.
Erheblichere Kosten verursacht der Aufbau einer ausreichenden und ausfallsicheren Infrastruktur, ohne der kein PSaaS möglich ist. Ob diese Kosten von den kleineren Anbietern gestemmt werden können, oder ob sie auf die Infrastruktur von den Großen zurückgreifen können?
Daniel Niklaus
@Andreas
Marcel ist halt ein wenig Paranoid. Aber das braucht es auch ;-)
Open Source wird in diesem Zusammenhang bestimmt überschätzt. Für 99% der Leute macht es keinen Unterschied, ob sie closed oder open Source einsetzen – für die muss es einfach funktionieren. Das „Service“ Modell wird das “Sorucen” Modell ablösen. Ein Paradigmawechsel in der Softwarewelt.
Das wird eine spannende Phase. Es eröffnet Chancen für neue Teilnehmer und bestehende Grossfirmen. Und manche Global Player kommen in richtige Klinschsituationen. Gutes Beispiel dafür ist Microsoft. Mit einem starken Bein an „sourcen“ Software, wollen sie den Zug zum Service-Modell nicht, weil er ihnen das Geschäftsmodell „zerstört“. Gleichzeitig sehen sie aber die Gefahr von Google Docs & Co. Wie also reagieren? Citrix-Variante? Oder gleich mit Live-Diensten? Beides verärgern 1’000e ihrer Partner, von denen sie heute noch leben. Ein echtes Dilemma.
Zumal die Konkurrenz wieder grösser wird. Es stellt sich die Frage; sind es nachher viele verteilte Servicedienstleister/Provider, die das Geschäft mit den Kunden machen. Oder die grossen Monolithen. Neben Google kommen da noch; IBM, HP und vielleicht Sun in Frage.