Wochenrückblick Nr. 31

Vor den olympischen Spielen wird klar: Freie Berichterstattung wird es nicht geben. Teilnehmer bekommen strenge Regeln auferlegt, auch für Journalisten wird das Internet zensiert.

Bild der Woche: Reporter aus Hongkong werden von chinesischen Offiziellen daran gehindert, für Olympia-Tickets anstehende Chinesen zu filmen. IOC-Präsident Rogge steht zunehmend in der Kritik, weil er die Zensur der Presse hinnehme. Entgegen der Zusicherungen gibt es für Journalisten keinen freien Zugang zum Internet.

Die taz schrieb “der Blog” statt “das Blog”, was Blogger offenbar derart verärgerte, dass gleich mehrere von ihnen die Meldung, den Sportlern sei “jegliche journalistische Tätigkeit während der Spiele verboten” falsch interpretierten: “Alle Sportler dort dürfen nicht bloggen” schrieb wortsetzung.de, “Sportler schreiben Blogs – nur nicht während der Olympiade” holyfruitsalad.blogspot.com und “Kein Bloggen von den Olympischen Spielen” ra-blog.de.

Bei franztoo.de hingegen war zu lesen: “Bloggen bei den olympischen Spielen ist nicht verboten“. Allerdings schreibt auch die taz im Übertitel “Kein öffentliches Tagebuch für Olympioniken”, im Titel “Der Blog ruht” und in der Bildunterschrift “Bloggen ist jedoch nicht drin”. Immerhin der Lead ist korrekt. Die ?IOC Blogging Guidelines? (pdf) klären auf: Nur akkreditierte Journalisten dürfen Journalismus betreiben, Blogger hingegen dürfen nur bloggen. Also brav Tagebuch schreiben, keine “Stories” und keine Interviews machen. Erlaubt ist gerade mal persönlich gehaltener Text, keine Bilder, keine Sounds, keine Videos.

Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online, ärgerte sich mit vielen anderen Bloggern über den Spiegel-Artikel: “Zwar ist Deutschlands Blogger-Szene im Vergleich zu den USA noch sehr klein – aber es gibt sie, und darunter sind viele Perlen.”

Die Vielfalt in der schweizer Presselandschaft lebte – jedenfalls, was die Schreibweise des libyschen Revolutionsführers anging: “Der ‘Blick’ schreibt über Gadaffi, die ‘baz’ schreibt über Gaddafi, der ‘Tagi’ über Qadhafi, die ‘NZZ’ über Ghadhafi, ‘Le Matin’ über Kadhafi…”

Ein Wirtschaftsredaktor des Tages-Anzeigers, Stefan Hostettler, fand einen neuen Job “als Fachsekretär und wissenschaftlicher Mitarbeiter“. Und zwar in der SP-Fraktion im Bundeshaus.

Probleme mit der deutschen Sprache traut man allen zu. Am wenigsten allerdings dem Zwiebelfisch Bastian Sick. Doch genau das behauptet Robert Sedlaczek und glaubt, den Grammatikmeister schwerwiegener Fehler wegen zu überführen.

Der Online-Auftritt der Titanic, titanic-magazin.de, gab zu, diesen nur zu betrieben, um neue Leser für die Printausgabe zu finden. Die BBC wurde mit 400,000 Pfund bestraft wegen Irreführung ihres Publikums. Es gab gewichtige Gründe, nicht ins Bett zu gehen.

Der Link, der bei “6 vor 9″ am Meisten angeklickt wurde, waren “Die toten Roma-Mädchen von Neapel“, die Aufdeckung einer bemerkenswert einhelligen journalistischen Rudelbildung. Meistgelesen wurde die Frage von Klaus Jarchow, ob zwischen Bloggern und Journalisten eine neue Arbeitsteilung entsteht.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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4 Kommentare

  1. creezy
    schrieb am 3. August 2008 um 20:31 Uhr (#)

    Nee ne?

    Der Rückschluss der Verwendung eines falschen Artikels in einer Zeitung bringt Blogger dazu, einen Artikel in seiner Aussage falsch zu interpretieren? Hallo? Hast Du da wirklich so einen Schmarrn geschrieben? Dieser dumm-plakative Umkehrschluss, Du das ist gar kein großartiger Journalismus. Der ist ja nicht mal irgendwo lustig. Was ist das denn für ein Murks?

    Und dann dazu ? zumindest meine Blogüberschrift ? im gleichen Zug selber falsch interpretieren (zu den anderen Blogs kann ich jetzt nichts sagen, zumindest die Überschrift vom ra-blog ist sinngemäß völlig korrekt) bzw. bei franztoo falsch abschreiben. (Ein paar Glocken hätten da läuten können bei Dir, hättest Du dort meinen Kommentar gelesen?!)

    Aber gut, gucken wir uns doch mal gemeinsam den taz-Artikel genau an (so ganz stimmig ist nämlich der Artikel von franztoo diesbezüglich ja auch leider nicht): Der Artikel ist überschrieben mit:

    «Kein öffentliches Olympia-Tagebuch: Der Blog ruht.»,

    eine Bildunterschrift lautet «Ihre E-Mails checken dürfen Sportler wie der jamaikanische Sprinter Asafa Powell in Peking noch. Bloggen ist jedoch nicht drin.»

    Aussage Überschrift: Kein öffentliches Blog während der Olympiade.
    Aussage Bildunterschrift: Olmympiateilnehmer dürfen Mails lesen, nicht bloggen.

    Kurz die beiden Sätze interpretiert, die Bestandteil des taz-Artikels sind. Schreibt als franztoo in seinem Artikel: Sorgfalt kann man auch hier erwarten, besonders weil im TAZ-Artikel auf den man sich bezieht, kein Wort von einem Blogging-Verbot in Peking steht. stimmt diese Aussage leider nicht. Also gerade die Bildunterschrift macht seine Aussage da leider zunichte.

    Ist mir aber auch egal, sonst hat franztoo ja einen netten Artikel geschrieben.

    Daraus resultiert aber trotzdem, wer sich also in den Blogs ausschließlich auf diesen Artikel bezogen hat, hat sich in Zusammenhang mit dessen Aussage erst mal gar nichts falsch interpretiert. DAS steht da!

    Um dann mal nur für mein Blog zu sprechen in dem ich ja den Artikel komplett ohne weiteren Kommentar verlinke, nur mit der Aussage «Sportler schreiben Blogs ? nur nicht während der Olympiade.», möchte ich insbesondere Deine werte Aufmerksamkeit auf die Aussage des Sportles Peter Sack lenken, den «das» taz zitiert: «Peter Sack hat schon seit einiger Zeit nichts mehr auf seiner Webseite veröffentlicht. “Ich werde wohl auch zu Olympia nicht wieder Tagebuch schreiben”»

    Ergo schreibt dieser eine Sportler schon mal nicht in seinem Blog zur Olympiade. Das ? können wir getrost voraussetzen ? werden auch sehr viele andere Sportler nicht tun, wenn sie erst mal den IOC-Guide gelesen haben, der im Grunde das meiste an Output verbietet, was Platz in einem Blog finden könnte.

    So ? und nun die Frage: Was habe ich geschrieben? «Sportler schreiben Blogs ? nur nicht während der Olympiade.»

    Wo genau liegt da meinerseits eine falsche Interpretation des Artikels vor? Ich schreibe nirgendwo etwas etwas von einem Blog-Verbot ? oder ? irre ich mich? Ich gucke noch mal nach ? Nö, ich irre mich nicht. Wo also genau habe ich den taz-Artikel ? angeblich auch noch über Verwunderung eines falschen Artikels für das Wort «Blog» (wozu ich mich an keiner Stelle irgendwo geäußert habe) ? falsch interpretiert?

    Das ist in mehrfacher Hinsicht schlichter Bullenmist, den Du da im aktuellen Fall schreibst, sorry. Du hast da einfach nur grottenschlecht bei franztoo abgeschrieben ohne selber den Content zu prüfen. Schade.

    Ich würde da ja mal nachbessern, wenigstens Dir selber die verlinkten Artikel überhaupt mal angucken!

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 3. August 2008 um 23:10 Uhr (#)

    @Creezy: So wie ich es interpretiert habe, nämlich wie oben angegeben “Sportler schreiben Blogs – nur nicht während der Olympiade”, muss man davon ausgehen, dass Sportler während der Olympiade keine Blogs schreiben. Das werden sie allerdings, wenn auch mit einigen Vorbehalten, so dass man sich zurecht fragen kann, ob man sowas überhaupt noch bloggen nennen kann.

    Vermutlich habe ich deinen kurzen Eintrag falsch verstanden. Wenn ja, Entschuldigung.

  3. creezy
    schrieb am 4. August 2008 um 06:55 Uhr (#)

    Angenommen!

    Eben, es wird viele Sportler geben, die während der Olympiade Tagebuch schreiben, nur sehr wenige, die Blogs schreiben und bei ihren Posts auf veröffentlichen drücken.

    Nach dem IOC-Guide kannst Du im Grunde nichts schreiben, ohne nicht einen Anwalt vor der Veröffentlichung zu konsultieren. Wir müssen hier nicht mal von Verbot reden, es ist eine Form von Aushebelung der Meinungsfreiheit hintenrum. Und der eine Sportler, der aufgrund der Auflagen seinen Mut verliert seine Sicht der Dinge zu bloggen, ist der eine Sportler zuviel.

  4. EUKNECHT
    schrieb am 4. August 2008 um 12:00 Uhr (#)

    Warum soll bei Olympia nicht funktionieren, was in jeder Redaktionsstube täglich Brot ist?: Die Schere im Kopf. So geht nun mal Meinungs- und Pressefreiheit.

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