Weniger Zeitungsleser:
Jugend schützt die Umwelt

Ole Reißmann, 22. Juli 2008 13:46 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Den Zeitungen fehlen junge Leser – eigentlich keine Nachricht mehr. Aktuelle Zahlen rufen die Krise wieder ins Gedächtnis. Wer in jungen Jahren keine Zeitung liest, tut es später auch nicht.

Traurige Auflagenzahlen werden mitunter kreativ umgedeutet – bei den Zahlen der aktuellen AWA, die wir nicht länger prominent ignorieren, dürfte das schwer fallen. Umweltschutz ist so ziemlich das einzige, was uns noch einfällt. Zu den aktuellen Zahlen der AWA gibt es, Stefan Niggemeier weist darauf hin, eine Reihe von Analysen.

Renate Köcher, Geschäftsführerin am Institut für Demoskopie Allensbach, hat sich für ihre Anayse “Die junge Generation als Vorhut gesellschaftlicher Veränderungen” die Zahlen der vergangenen Jahre angesehen und aufbereitet. Darunter die Reichweitenentwicklung bei Tageszeitungen, bei der in Prozent dargestellt wird, wer am Tag vor dem Interview eine Tageszeitung gelesen hat:

IfD-Allensbach AWA ‘80 bis AWA 2008, Datenbasis Westdeutschland, Bevölkerung ab 14 Jahre

Ein wenig beunruhigender noch und etwas zahlenlastiger fällt die folgende Darstellung aus:

Der Rückgang der Tageszeitungslektüre in der jungen Generation als prognostischer Indikator (Angaben in Prozent, tägliche oder fast tägliche Leser regionaler Tageszeitungen)

IfD-Allensbach AWA ‘80 bis AWA 2008, Datenbasis Westdeutschland, Bevölkerung ab 14 Jahre

Die wundervolle Angewohnheit des Zeitungslesens, die Kulturpraxis der Informationsgewinnung aus der regionalen Tageszeitung, scheint sich “auszuwachsen”. Wer mit Mitte 20 keine regionale Tageszeitung liest, das zeigt die Untersuchung, greift auch später im Leben nicht plötzlich zur Zeitung. Wo doch die regionalen Tageszeitung gerade ihre Stärke in der lokalen Berichterstattung ausspielen sollen. Konkurrenz haben viele Regionalzeitungen ohnehin nicht mehr – trotzdem schaffen sie es nicht, diesen Vorteil auszuspielen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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6 Kommentare

  1. Jean-Marc Hensch
    schrieb am 22. Juli 2008 um 15:15 Uhr (#)

    An diesem Beitrag stört mich die Nabelschau, handelt die Umfrage doch von abonnierten und bezahlten Zeitungen. Nach meiner persönlichen Wahrnehmung (und es gibt auch Erhebungen darüber) lesen Junge tendenziell heute eher mehr tagesaktuelle Print-Produkte – allerdings zunehmend Gratiszeitungen. Die “Kulturpraxis der Informationsgewinnung” ist somit nicht in Frage gestellt, die Frage ist nur, welche Information in welcher Zeitung (mit welchem Businessmodell) – aus Kundensicht nicht unbedingt relevante Fragen.
    PS: Der Titel ist etwas irreführend, diskutiert man doch gegenwärtig darüber, was die Gratiszeitungen für eine Umweltbelastung und Verschmutzung darstellen. Also würden die eher Gratiszeitungen lesenden Jungen die Umwelt gerade nicht schützen;-)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ole Reißmann
    schrieb am 22. Juli 2008 um 15:31 Uhr (#)

    Gratiszeitungsmüll in der Schweiz und Zeitungsabstinenz in Deutschland sind allerdings zwei unterschiedliche Phänomene ? abgesehen von Wochenblättern mit lokaljournalistischen Einsprengseln gibt es hier ja noch keine richtigen Gratiszeitungen …

  3. Chef vom Dienst
    schrieb am 22. Juli 2008 um 16:36 Uhr (#)

    Aber, aber Herr Reissmann. “20 Minuten” hat immerhin über 1.2 Mio. Leser. Die sind sicher nicht der Meinung, dass sie Müll lesen.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Ole Reißmann
    schrieb am 22. Juli 2008 um 16:59 Uhr (#)

    Oh nicht doch! Der Müll bezog sich keineswegs auf die Inhalte ? sondern, wie Jean-Marc Hensch schon angemerkt hat, allein auf den Umweltaspekt. Weggeworfene Gratiszeitungen in Bus und Bahn, da gab es doch vor nicht all zu langer Zeit eine kleine Debatte in der Schweiz …

  5. Stephan
    schrieb am 22. Juli 2008 um 19:53 Uhr (#)

    Das Problem ist doch, dass die Zeitungen im Augenblick nur in den seltensten Fällen ein passendes Angebot für Jugendliche haben. Damit meine ich nicht Kinder- und Jugenportale, sonder Vertriebsmodelle. Dass Jugendliche selber kein Abo abschließen, dürfte klar sein – und wenn die Eltern auch keines haben, fehlt der Zugang zu Medium eben komplett. Jugendliche sind aber durchaus an Zeitungen interessiert – bzw. besser an bestimmten Themen. Thementreue vs. Titel-Treue lautet hier das Stichwort. Und am Kiosk ist die Zeitung für die junge Zielgruppe leider nicht sexy genug, auch wenn sie “irgendwo” interessante Themen enthalten könnte. Da haben Magazine ganz klar die Nase vorn, immerhin läßt sich da auf den ersten (Titelblatt) oder spätestens auf den zweiten Blick (Inhaltsverzeichnis) der Inhalt nach relevanten Themen scannen.

  6. Stephan
    schrieb am 22. Juli 2008 um 20:11 Uhr (#)

    Das Problem ist doch, dass die Zeitungen im Augenblick nur in den seltensten Fällen ein passendes Angebot für Jugendliche haben. Damit meine ich nicht Kinder- und Jugenportale, sonder Vertriebsmodelle. Dass Jugendliche selber kein Abo abschließen, dürfte klar sein – und wenn die Eltern auch keines haben, fehlt der Zugang zu Medium eben komplett. Jugendliche sind aber durchaus an Zeitungen interessiert – bzw. besser an bestimmten Themen. Themen-Treue (Jugend) vs. Titel-Treue (Abo-Modell) lautet hier das Stichwort. Und am Kiosk ist die Zeitung für die junge Zielgruppe leider nicht sexy genug, auch wenn sie “irgendwo” interessante Themen enthalten könnte. Da haben Magazine ganz klar die Nase vorn, immerhin läßt sich da auf den ersten (Titelblatt) oder spätestens auf den zweiten Blick (Inhaltsverzeichnis) der Inhalt nach relevanten Themen scannen.

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