Twitter, Laconi.ca, Gnip, Twhirl:
Twitter geht in die Gegenoffensive

Markus Spath, 21. Juli 2008 19:40 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Die Entwicklungen im Themenkomplex lifestreaming bleiben spannend. Seit meiner epischen Einführung in laconi.ca und gnip vor etwa zwei Wochen hat sich einiges getan, hier das Wichtigste in Kürze:

Wie schnell sich die Wahrnehmung vom allgemeinen Liebling der Benutzer und Entwickler zum bösartigen Monopolisten drehen kann, hat Twitter erfahren, als sie die Limits für unauthentifizierte API-Zugriffe ohne Ankündigung gedrosselt haben. US-Blogger Louis Gray hat über die Probleme, die sich dadurch für das API von Twitter verwendende Drittanwendungen ergeben ausführlich berichtet.

Gleichzeitig hat der Open-Source Twitter-Klon laconi.ca bekanntgegeben, nicht nur das gesamte Twitter-API zu implementieren, sondern auch den Gesamtstrom an Nachrichten via XMPP allen interessierten Anwendungen zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet einerseits, dass ein Großteil der Mashups, die usprünglich für Twitter entwickelt wurden, mit kleinen Anpassungen nun auch mit laconi.ca kompatibel sind und andererseits, dass Drittentwickler nicht länger von der Gunst oder Ungunst von Twitter abhängig sind, die bis dato nach eigenem Gutdünken entschieden haben, wer Zugriff auf den Datenstrom bekommt und wer nicht.

Wie schnell sich die Veränderung der technischen Rahmenbedingungen mit ganz konkretem Mehrwert in einem Tool wiederspiegeln kann, zeigt die kommende Version von Twhirl, dem Twitter-Desktop-Client von Marco Kaiser. Neben Twitter wird Twhirl künftig auch die laconi.ca-Referenzimplementierung identi.ca unterstützen. Und nicht nur das: die Status-Updates müssen nicht länger nach dem pull-Prinzip immer wieder abgefragt werden – einer der grossen Nachteile von Twitter – sondern werden von identi.ca direkt zum Twhirl-Client gepusht. Rafe Needleman von Webware konnte schon einen Blick auf die kommende Version werfen und hat seine Eindrücke beschrieben.

Für Twitter geht es natürlich darum, die dominante Plattform für Mikronachrichten und Status-Updates zu bleiben. Dabei müssen sie einen Spagat zwischen Zuverlässigkeit für die Benutzer und eine ressourcenkonsumierende Offenheit für Drittentwickler machen. Gleichzeitig will man aber auch nicht alle Daten einfach jedem geben, der danach fragt. Mitansehen, wie ein Newcomer wie laconi.ca, der nichts zu verlieren hat und deshalb so offen wie möglich sein kann, ihnen die Butter vom Brot nimmt, wollen sie aber sicher auch nicht.

Insofern ist die Ankündigung, dass der XMPP-Strom von Twitter nun auch für gnip verfügbar ist, sicher als Gegenoffensive zu verstehen. gnip könnte für Twitter eine Art Fassade werden, über die Drittanwendungen auf Twitter ohne Einschränkungen und auch im push-Modell zugreifen können, ohne dass Twitter die Daten unkontrolliert weitergeben muss.

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3 Kommentare

  1. assbach
    schrieb am 21. Juli 2008 um 21:20 Uhr (#)

    kleine korrektur am titel: es heisst “twhirl” :)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Markus Spath
    schrieb am 21. Juli 2008 um 21:44 Uhr (#)

    duh, thanks.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 21. Juli 2008 um 21:49 Uhr (#)

    Lustig, ich mache auch ständig diesen Fehler und bin daher für eine Namensänderung.

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