Alphajournalist Frank A. Meyer:
Folgt ihm das eigene Blatt noch?

Ein Kolumnist schreibt im SonntagsBlick an gegen Artikel im Blick. Ist das nun vorbildliche Pressefreiheit innerhalb eines Verlags oder ein Schuss in den Rücken?

Frank A. Meyer, Kolumne im SonntagsBlickAlphajournalist Frank A. Meyer hat alles, was einen Blogger ausmacht. Er ist meinungsstark, persönlich, mitunter angriffig und er kann seine Worte so ordnen, dass sie Sinn ergeben. Wäre da nicht eine grundsätzliche Abneigung gegen das Internet (“Im Internet finden Sie nur, was Sie suchen. Das aber verengt den Blickwinkel doch sehr.”) – er wäre das Traummodell eines Bloggers.

Blogger Meyer hat aber kein eigenes Blog. Er bloggt in der Zeitung. Als Vertrauter des Verlegers Michael Ringier darf er das, seit Jahren. Wie andere Blogger auch, greift er gerne auf, was in anderen Medien so geschrieben wird und verreisst es oder lobt es. Doch bei der Predigt diesen Sonntag fand sich, Überraschung, ein Sünder aus der eigenen (Verlags)familie, der Blick.

Über die Tagesausgabe des Blatts, für das er schreibt, meint Meyer:

Der «BLICK», drastischer Dramaturgie nie abgeneigt, hat sich eine spektakuläre Inszenierung einfallen lassen: «Rücktritt, Rücktritt, Rücktritt, Rücktritt», ruft das Blatt und meint neben Samuel Schmid noch «drei seiner Kollegen», nämlich Micheline Calmy-Rey, Moritz Leuenberger und Pascal Couchepin. Was haben die vier Minister jetzt schon wieder ­angerichtet?

Dieser Blick aber auch! Wirkt fast so, als sei es ein verwerfliches Schundblatt.

Wie ist das zu deuten? Zwei Möglichkeiten:

  1. Der Blick fährt zusammen mit dem SonntagsBlick neu eine “good cop – bad cop“-Strategie und rechtfertigt damit den in letzter Zeit zu spürenden und längst fälligen Abschied vom unerfolgreichen moralistischen Boulevard. Pater Meyer könnte nun Woche für Woche “drastische Dramaturgien” relativieren.
  2. Frank A. Meyer verliert im Ringier-Verlag an Einfluss und bloggt, so lange er noch kann.

Vielleicht ist Frank A. Meyer einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit? Er schreibt im gleichen Text, Samuel Schmid sei “ein ehrlicher Makler seines unmöglichen Ministeriums”. Gemeint damit ist ein Minister, der seinen Bundesratskollegen einen Mann zur Beförderung zum “Chef Armee” vorschlug, ohne ihnen weiterzuleiten, dass dieser gerade ein Strafverfahren wegen Nötigung am Hals hatte. Ehrlich?

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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3 Kommentare

  1. blogotronic
    schrieb am 22. Juli 2008 um 20:28 Uhr (#)

    ähm ja, sehr schlüssige argumentation. transportiert der artikel jenseits subjektiver abneigung noch eine botschaft? ah. dachte ich mir. hätte ja trotzdem sein können.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Ronnie Grob
    schrieb am 22. Juli 2008 um 22:57 Uhr (#)

    @Blogotronic: Irritiert es denn gar nicht, wenn jemand dafür bezahlt wird, dem eigenen Medium, das “drastischer Dramaturgie nie abgeneigt” sei, “eine spektakuläre Inszenierung” bescheinigt? Schreibt zum Beispiel die Bild am Sonntag auch öfters so über Bild?

  3. blogotronic
    schrieb am 23. Juli 2008 um 21:23 Uhr (#)

    das kann ich – als jemand, der die bild/bams nicht mal im urlaub am strand liest – nicht beurteilen, aber ich will doch annehmen, dass die springers nicht das maß der dinge sind, oder? ist es so abwegig, dass innerhalb einer «familie» diskurs gelebt wird? bei qualitätszeitungen – zu denen ich den blick nicht zählen mag – ist das so üblich, umso erfreulicher fände ich es, wenn es hier wenigstens ansatzweise ebenso wäre. zumal ich in der causa nef/schmid durchaus züge einer hexenjagd sehe.

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