Plagiatsvorwürfe:
studiVZ reagiert mit Feststellungsklage

Martin Weigert, 20. Juli 2008 17:14 Uhr, 24 Kommentare Kommentare

studiVZ

studiVZ hat mit einer Feststellungsklage beim Landgericht Stuttgart auf die von Facebook eingeleiteten juristischen Schritte gegen die Holtzbrinck-Community reagiert. Das geht aus einer Stellungnahme von studiVZ hervor, die vor wenigen Minuten veröffentlicht wurde.

Die vollständige Meldung:

studiVZ: Stellungnahme zu US-Klage

Berlin, 20. Juli 2008. Nach verschiedenen Medienberichten hat Facebook Inc. am 18.Juli 2008 bei einem kalifornischen Gericht Klage gegen studiVZ eingereicht.

Offensichtlich hielt Facebook es für angebracht, einzelne Medien intensiv über den Inhalt der Klage zu informieren. Diese ist studiVZ bislang nicht zugestellt worden. studiVZ kann und wird den Inhalt der Klageschrift daher nicht kommentieren. Die in den Medienberichten erhobenen Vorwürfe sind haltlos.

Im Vorfeld durch amerikanische Anwälte von Facebook erhobene Vorwürfe hatten studiVZ veranlasst, bereits am vergangenen Freitag Feststellungsklage beim Landgericht Stuttgart einzureichen. Diese hat das Ziel, von den zuständigen deutschen Gerichten feststellen zu lassen, dass die von Facebook erhobenen Vorwürfe nicht zutreffend sind.

Marcus Riecke, CEO von studiVZ Ltd., bezieht zu dem Vorgang wie folgt Stellung: “Nachdem es Facebook trotz aufwändiger Bemühungen bisher nicht gelungen ist, in Deutschland Fuß zu fassen, versucht man jetzt offenkundig, den Erfolg von studiVZ gerichtlich zu behindern.«

«Es gibt weltweit zahlreiche soziale Netzwerke. Facebook war nicht das erste und ist beileibe nicht das Einzige. Mit dem Versuch, studiVZ durch die Durchführung eines Prozesses ohne Erfolgsaussichten vor einem amerikanischen Gericht zu schädigen, erhebt Facebook im Prinzip den Anspruch auf ein weltweites Monopol bei sozialen Netzwerken. Dies ist vermessen und wird sich schnell entlarven. Wir sehen der Sache gelassen entgegen.«

Ich halte mich mit der Interpretation des juristischen Teils zurück. Beim Telagon Sichelputzer wurde die Pressemeldung bereits ordentlich seziert.

Mehr zum Rechtsstreit zwischen Facebook und studiVZ

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24 Kommentare

  1. cord
    schrieb am 20. Juli 2008 um 17:26 Uhr (#)

    Kluger Schachzug.

  2. Patrick Mollet
    schrieb am 20. Juli 2008 um 18:04 Uhr (#)

    Riecke hat’s wirklich nicht begriffen – oder spielt er nur den Dummen? Es geht nicht darum, dass Facebook ein “Monopol auf SN” und andere SN verhindern will: Aber Essan & Co haben nun mal wirklich zu dreist kopiert!

  3. ben_
    schrieb am 20. Juli 2008 um 19:36 Uhr (#)

    Wenn man sich noch erinner, wie zum Verwechseln änhlich sich StudiVZ und Facebook noch vor zwei Jahren waren, dann wirken die Sätze “Facebook war nicht das erste und ist beileibe nicht das Einzige. Mit dem Versuch, studiVZ durch die Durchführung eines Prozesses ohne Erfolgsaussichten vor einem amerikanischen Gericht zu schädigen, erhebt Facebook im Prinzip den Anspruch auf ein weltweites Monopol bei sozialen Netzwerken. Dies ist vermessen und wird sich schnell entlarven.” doch etwas hochmütig, wenn auch nicht gewagt, weil die Medienkompetenz deutscher Gerichte ja eine ebenso lange wie traurige Geschichte ist.

  4. Markus
    schrieb am 20. Juli 2008 um 20:47 Uhr (#)

    Wie war das mit den drei Brüdern? Den Namen brauche ich sicher nicht zu nennen, oder? Wenn die mal nicht dahinter stecken ;)

    Ich finde es gut das da endlich mal was passiert und auch die Öffentlichkeit erfährt das StudiVZ einfach nur eine schlechte Kopie ist. Aber wie titelte Spiegel heute: “Der Klon gewinnt immer” hoffen wir das es nicht so ist…

  5. Patrick Mollet
    schrieb am 20. Juli 2008 um 20:50 Uhr (#)

    Oder die späte Rache des Essan D. für seinen faktischen Rauswurf aus dem operativen Geschäft ;-)

  6. Daniel Thomaser
    schrieb am 20. Juli 2008 um 21:26 Uhr (#)

    Nachdem Microhoo solangsam wirklich langweilig geworden ist, gibt es endlich was neues für den Kaffeeklatsch.

    Wahrscheinlich hat Martin das Ganze selbst eingefädelt um mehr Schreibstoff für das Wochenende zu haben! ;o)

  7. doctor_kc
    schrieb am 20. Juli 2008 um 22:15 Uhr (#)

    test

  8. Schreibt hier auf dem Blog Martin Weigert
    schrieb am 20. Juli 2008 um 22:35 Uhr (#)

    Daniel könnte man meinen, stimmt. War aber nicht so. Dennoch ist man natürlich dankbar, wenn es ein wenig rund geht. Gerade im Sommerloch :)

  9. Daniel Thomaser
    schrieb am 21. Juli 2008 um 09:53 Uhr (#)

    Keine Sorge, bald kommt neuer Stoff! =)

  10. cord
    schrieb am 21. Juli 2008 um 10:33 Uhr (#)

    @Patrick: Naja, das ganze ist am Ende des Tages doch eine reine PR Schlacht. Facebook will in der Wahrnehmung als das Original auftreten und Riecke hält dagegen. Da wird er natürlich etwas sagen, was dieses Bild zerstört. Was überhaupt nichts mit Begreifen oder nicht zutun hat.

  11. Patrick Mollet
    schrieb am 21. Juli 2008 um 10:42 Uhr (#)

    Aber wenn ich Adidas-Turnschuhe kopiere und einfach rote statt blaue Streifen mache, kann ich nachher auch nicht behaupten, dass Adidas ja nicht das Monopol auf Turnschuhe habe…

  12. Moe
    schrieb am 21. Juli 2008 um 11:43 Uhr (#)

    Naja, ich stehe der ganzen Sache mit gemischten Gefühlen gegenüber. Das studiVZ sich wohl ein wenig sehr viel von Facebook hat inspirieren lassen steht wohl außer Frage. Allerdings hat Facebook was den deutschen Markt betrifft ziemlich lange gebraucht um in die Gänge zu kommen, was wohl zu spät war. Es ist zwar nicht verwunderlich, dass Facebook jetzt die juristische Keule schwingt, aber wirklich sympatischer lässt es das Zuckerberg-Imperium deshalb auch nicht erscheinen. Im Endeffekt halte das Ganze für nichts weiter als einen PR-Schachzug, um Facebook in der Öffentlichkeit als “Original” zu positionieren.

  13. Schreibt hier auf dem Blog Marcel Weiss
    schrieb am 21. Juli 2008 um 12:02 Uhr (#)

    @Patrick Mollet: spot on.

  14. Daniel Thomaser
    schrieb am 21. Juli 2008 um 13:09 Uhr (#)

    @Patrick und Marcel: Da muss ich euch beiden jetzt mal widersprechen.

    Die drei Streifen von Adidas sind Teil der Marke und geschützt, der Vergleich ist also nicht passend. Studivz hat den look&feel kopiert und ist damit eher sowas wie nike oder reebook.
    das weist aber auf ein grundsätzliches Problem hin, das wir haben. Was ist in welcher Form schützenswert?
    Auch wenn das Handeln von studivz dreist gewesen sein mag, so bin ich mir doch eher unsicher, ob die (nicht außergewöhnlich innovative) idee/struktur von facebook schützenswert ist.

    Prinzipiell ist das Internet noch viel zu stark eine einzige rechtliche Grauzone ich kann nicht erkennen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird…

  15. Moe
    schrieb am 21. Juli 2008 um 13:31 Uhr (#)

    @Daniel: Es geht hier glaube ich nicht alleine um das “look and feel”.

    Ich finde das hier als Vergleich irgendwie recht passend:

    http://sueddeutsche.de/au…/artikel/405/182838/

    Wenn die Chinesen da nur einen weiteren Geländewagen (“look and feel”) gebaut hätten, könnte BMW hier wohl kaum keinen Einspruch geltend machen.

    Auch studiVZ würde wohl niemand einen Plagiatsvorwurf machen, wenn sie nur die Facebook-Idee alleine übernommen und daraus was neues entwickelt hätten. Hier gehts aber wirklich um mehr oder weniger das komplette Design. Heute fällt das vielleicht nicht mehr so auf, weil sich Facebook verändert hat, aber zum Zeitpunkt, als studiVZ an den Start ging, waren die Ähnlichkeiten schon sehr verblüffend: http://flickr.com/photos/bumi/257274969/sizes/o/

  16. Daniel Thomaser
    schrieb am 21. Juli 2008 um 15:16 Uhr (#)

    @Moe: Vielleicht hätten die Chinesen ihren Wagen einfach rot lakieren müssen? ;o)

    Ich persönlich fände es natürlich sehr begrüßenswert, wenn es mehr Schutz gegen Plagiate gäbe, aber halte das FB-Layout dazu einfach zu generisch. Ich vermute mal, dass vom X5 auch mehr, als einfach “nur” das Design kopiert wurde.

  17. Patrick Mollet
    schrieb am 21. Juli 2008 um 17:45 Uhr (#)

    Das Layout ist schon “generisch”, aber wenn ja sogar noch Teile der URL ein /facebook drin hatten und gewisse Grafikelemente ein fb im Dateinamen, habe ich den Verdacht, dass man hier ganzen Quellcode übernommen hat. Und dieser müsste dann doch wohl geschützt sein, oder?

  18. Moe
    schrieb am 21. Juli 2008 um 23:57 Uhr (#)

    Klar, es ist vermutlich schwer eine Grenze zwischen “Sich-inspirieren-lassen” und “Kopieren” zu ziehen. Ich finde allerdings, dass diese Grenze bei studiVZ schon deutlich überschritten wurde.

    In einem funktionalen und gutem Design steckt unglaublich viel Detailarbeit, von der man als User im Idealfall nichts mitbekommt, deren Erstellung aber trotzdem sehr viel Zeit konsumiert. Es ist und bleibt einfach nur dreist, sich so an der Arbeit anderer zu bedienen – Das ist bei einem Geländewagen nicht anders als bei einer Webseite.

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