Nachruf:
Ernst Solèr

Peter Sennhauser, 19. Juli 2008 03:17 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Der Zürcher Journalist und Autor Ernst Solèr ist im Alter von 48 Jahren gestorben. Ein Bild zum Abschied.

Ernst Soler (1960 - 2008)
Ernst Solèr in der Berta-Bar am Zürcher Idaplatz, Mai 2004 (Bild Peter Sennhauser)

Sie ist etwas körnig und hat keinen ganz klaren Fokus, und grade damit zeigt diese Aufnahme jenen Ernst Solèr, den ich kannte. Am liebsten ein bisschen abseits, unaffektiert selbstbewusst, nachdenklich in seiner ureigen vergnügt-sarkastischen Art. Solèr, der zu allem eine Meinung hatte, sich aber standhaft weigerte, diese, sich selbst oder die Welt zu ernst zu nehmen:

Der Arbeitskollege Ernst Solèr, der als CASH-Redaktor lieber unterhaltsam-ironische Kolumnen und immer mal wieder “Brettspiele” statt “pseudo-objektiver Wirtschaftsanalysen” verfasste.

Der Nachbar im gleichen Haus an der Bertastrasse, der bisweilen auf dem Weg in seine Dachwohnung im vierten Stock auf der ersten Etage an meine Tür klopfte, um mich für ein, zwei Feierabend-Biere in der nebenanliegenden Bertabar zu motivieren.

Der Autor, der ohne Verbissenheit an seiner Wunschkarriere als Schriftsteller arbeitete und nach den ironischen Einblicken in den TV-Alltag, den er als Mitarbeiter mehrerer Redaktionen beim Schweizer Fernsehen kennengelernt und in “Quotenblut” 1999 verarbeitet hatte, zuerst mit dem “Problemlöser” und dann mit dem Zürcher Kriminalbeamten “Fred Staub” in vier Romanen seinen Traum realisierte.

Der Vater, dessen kritische Lebensanschauung durch die Entdeckungslust und den Frohmut seiner Tochter unweigerlich aufgeweicht wurde und der darob immer wieder aufs neue staunte und der zugleich auf nichts so ungebrochen stolz war.

Ernst Solèr über sich und sein Leben:

Ernst Solèr hat Geldbeschaffungskarrieren als Quizkandidat, Spielerfinder, Dauerplauderer, Gabelstapelfahrer, Radiosatiriker, Popgitarrist, Nachtportier, Dokumentarfilmer, News-Reporter, Kleinspekulant und Finanzjournalist hinter sich. Sofern dabei Geld heraussprang, investierte er es in arme Alleinerziehende, die später mit Aliens durchbrannten. In seiner Freizeit tritt der muntere Mittvierziger gegen Bälle und leere Bierbüchsen. Er mag weder Insekten, noch Kohlgemüse.

Ernst Solèr, der mir mehr als einmal verdeutlicht hat, dass man das Leben nicht immer in hoher Auflösung und mit gestochen scharfem Fokus sehen muss.

Danke.

Ernst Solèrs Website

Ernst Solèrs Bücher bei Amazon

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. gwunderli
    schrieb am 21. Juli 2008 um 14:55 Uhr (#)

    an was ist er verstorben?

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