Vanity Fair:
Porno, Adorno, Lifestyle

Ole Reißmann, 15. Juli 2008 14:14 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Die in letzter Zeit schön geschminkte und weichgespülte Vanity Fair bekommt Profil: Peter Praschl, zuvor Chefredakteur der eingestellten Matador, soll neuer Leiter des Kulturressorts werden.

Anfang Februar vergangenen Jahres in Berlin: Protzige Werbung für protzende Zeitschrift (Bild Keystone/Michael Sohn)Mitte August werde Peter Praschl die vakante Stelle bei Vanity Fair antreten, berichtet der Branchendienst Kress. Der 48-jährige Journalist ist nicht nur Fans leicht- bis gar nicht bekleideter Models bekannt: Vor rund acht Jahren gründete er mit einem Freund das Weblog “Sofa. Rites de Passage” und gehört damit zur Ursuppe der deutschsprachigen Blogosphäre, die sich um das Jahr 2002 auf der Plattform Antville formte. Seit seiner Zeit bei Matador ist der studierte Philosoph (der auch eine virtuelle Adorno-Lesegruppe initiierte) jedoch nur noch äußerst selten dort anzutreffen. Der Mythos von “Praschls geheimen Weblog” macht seitdem in Blogs und Kommentaren die Runde.

Sein Vorgänger bei Vanity Fair, Volker Corsten, hat das Blatt schon vor einem Monat verlassen. Bereits Anfang der neunziger Jahre war Peter Praschl vier Jahre lang Kulturchef eines Magazins: Er arbeitete nach seiner Zeit beim Wiener als Ressortleiter beim Stern, dann zehn Jahre als Autor und Textchef bei der Amica und zuletzt als Chefredakteur von Matador. Praschl hatte ein Konzept für das Männermagazin geschrieben und wurde daraufhin engagiert. Weil aber das gesamte Segment schwächelt und sich die Auflage von Matador nicht nach den Erwartungen des Bauer-Verlags entwickelte, zog der Verlag die Notbremse.

Nach digitaler Adorno-Exegese und nackten Mädels auf Hochglanzpapier folgt nun der Posten bei einem ambitioniertem Projekt: Der deutschen Ausgabe der Vanity Fair, dessen Einführung sich der Condé Nast Verlag einiges kosten lässt. Zwar ist die Auflage zuletzt leicht auf etwas über 190.000 Hefte gestiegen, dennoch wirkt das Blatt nicht erst seit dem Weggang des ersten Chefredakteurs Ulf Poschardt merkwürdig profillos und unentschlossen.

Ob Peter Praschl auch der neue Vorzeige-Blogger der Vanity Fair wird? Nachdem das Blog “Klage” von Rainald Goetz geschlossen wurde, ist auch hier ein Posten frei.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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2 Kommentare

  1. lqw
    schrieb am 15. Juli 2008 um 15:22 Uhr (#)

    “in letzter Zeit” erst? Naja, das Heft war schon immer äußerst dünn.

  2. Beat
    schrieb am 23. August 2008 um 20:25 Uhr (#)

    Naja, also ich finde die Vanity Fair gar nicht schlecht und hoffe, dass sie überlebt – und das kann sie eben nur mit guten Redaktoren.

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