Kochshow:
Straight out of Hühnerhölle

Felix Disselhoff, 13. Juli 2008 09:10 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Englands Starkoch Jamie Oliver hilft arbeitslosen Jugendlichen, sorgt für besseres Essen in Schulkantinen – jetzt schockt der Vorzeigebrite sein Publikum mit einem drastischen Schnitt.

Jamie Oliver meint es doch nur gut (Bild iStockphoto)Lässiges Jungkochen bringt ihm nicht mehr den Kick. In seiner neuesten Show (Montagabend auf RTL2, 21:15 Uhr) geht Jamie Oliver einen Schritt weiter, zielsicher Richtung Ekel-Tabu: Er nimmt ein lebendes Huhn, hängt es kopfüber an Edelstahlhaken auf und schreitet zur Tat. Ein Stromstoß, ein Zucken und das Tier ist tot. Oliver hält den kleinen Kopf zwischen Zeigefinger und Daumen und setzt einen sauberen Schhnitt. Blut tropft aus der offenen Kehle. Endlich Bildung im Privatfernsehen! Mehr Details und das Video nach dem Klick:

Jamie Oliver ist auf einem Kreuzzug und lädt dieses Mal zu einem Gala-Dinner der etwas anderen Art: Auf drastische Weise demonstriert er, unter welchen Bedingungen Hühner leben und sterben. Unter dem Vorwand eines köstlichen Hühnchen-Menüs werden seine Gäste zu Tisch gebeten. Schonungslos direkt offenbart er dem ausgewählten Kreis von namhaften Biologen, englischen Bauern und Journalisten die schreckliche Realität der britischen Massentierhaltung. In einem Land, in der ein Huhn weniger als ein Pint Bier kostet. Wer nicht bis zur Ausstrahlung im deutschen Privatfernsehen warten kann:

Channel 4 strahlte mit “Jamie`s Fowl Dinners” die Moralkeule bereits im Januar aus. RTL II liefert unter dem Titel “Jamie`s Hühnerhölle” nach. Etwas weniger dramatischer Alliterationsdrang hätte da gut getan. Doch auch Jamie Olivers stetiger Kampagnengeist erntete nicht nur Lob in der Heimat. Produziert wird die 90-minütige Sendung unter anderem von Jamies eigener Firma Fresh One Productions.

Im weiteren Verlauf werden Hühner aufgehangen, geschlachtet, erstickt, ausgeblutet und zerhackt. Warum dann trotzdem hinsehen und nicht quer durch das Abendprogramm zappen? Hier nur drei Gründe:

  1. Man sollte auch dem Privatfernsehen die Möglichkeit auf Bildungsfernsehen geben.
  2. Prominente können und dürfen Ihre Prominenz auch abseits von Modekollektionen für Kleinkinder (siehe Sarah&Marc Crazy in Love) nutzen.
  3. Anschauen und in den Werbepausen zählen, wie oft Mc Donalds und Burger King Werbung geschaltet haben

Schon mit seiner “Feed me better”-Kampagne für besseres Essen in Schulkantinen sorgte der Fernsehkoch für Aufsehen. Er sammelte 241.000 Unterschriften an verschiedenen Schulen Englands. Im Zuge der Kampagne versprach die Labour-Regierung, zusätzliche 280 Mio. Pfund zur Verfügung zu stellen. Mit der gut inszenierten Schocktherapie wollte der Starkoch vor allem die Essgewohnheiten der Briten ändern. Weniger Eier und dazugehörige Hühner aus Batteriehaltung. Nur schade, dass selbst eines seiner Restaurants noch vor kurzem gerade solche Eier zum Frühstück servierte. Sowas nennt man in der Kriegsführung “Kollateralschaden”.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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