Ein Blick auf Facebooks neues Design

Martin Weigert, 11. Juli 2008 12:51 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

FacebookWer sich in der nächsten Woche bei Facebook einloggt, wird eine Überraschung erleben: ein komplette Überarbeitung der Benutzeroberfläche bringt einige grundlegende Änderungen mit sich. Über einen speziellen Link können neugierige User sich schon heute ein Bild von Facebook 2.0 machen.

Wenn ein Social Network grundlegende Veränderungen am Design und an der Seitenstruktur vornimmt, dann ist das ein mutiger Schritt nicht ganz ohne Risiko. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das gilt für die Internetnutzung wie für das reale Leben. Ein gelungenes Redesign zeichnet sich dadurch aus, im Laufe der Zeit hinzugekommene Funktionen besser zu integrieren, ohne die Übersicht und das intuitive Navigieren darunter leiden zu lassen. Misslingt die Frischekur, kann es passieren, dass sich User nicht mehr “zu Hause” fühlen, was unter Umständen in einer (temporär) verringerten Nutzung resultiert.

Facebook lässt sich davon nicht abhalten. Das weltweit meistbesuchte soziale Netzwerk wird in der nächsten Woche die lange angekündigte neue Oberfläche launchen, die einige entscheidende Veränderungen beinhaltet. Wer sich nicht wie die meisten der 100 Millionen Facebook-Nutzer weltweit und einige hunderttausend im deutschsprachigen Raum von einen Tag auf den anderen umgewöhnen möchte, kann sich bereits jetzt ein Bild vom überarbeiteten Design machen.

Loggt Euch dazu bei Facebook ein und ruft anschließend die folgende Adresse auf: http://www.new.facebook.com/profile.php. Dies bringt euch zu eurem persönlichen Facebook-Profil im neuen Gewand (allerdings kann sich auch dies noch verändern).

facebookalt
Die Tage dieses Facebook-Layouts sind gezählt.

facebookneu1
Ab der nächsten Woche sehen Profile so aus.

Die wichtigsten Neuerungen auf einen Blick:

- Die linke Navigationsleiste verschwindet komplett. Die wichtigsten Menüpunkte sowie die Suchefunktion wandern in eine horizontale Menüleiste oberhalb des Inhalts.

- Das Profil erhält Reiter und wird dadurch in verschiedene Funktionsgruppen unterteilt. Die Standardansicht enthält die Pinnwand sowie eine Liste der Freunde. Auch einzelne Applikationen können dort platziert werden, allerdings angeblich nicht mehr als drei. Informationen zur Person erscheinen unter dem Reiter “Info”, es folgen “Fotos” und “Felder” (eine unglückliche Übersetzung für den Bereich, in dem die Applikationen platziert werden). Mit einem Klick auf das Pluszeichen können ein Videoreiter sowie weitere Anwendungen hinzugefügt werden.

- Aus dem Mini-Feed und der Pinnwand wird eins. Aktivitäten bei Facebook oder externen Diensten sowie von Kontakten hinterlassene Kommentare erscheinen in einer gemeinsamen, chronologisch geordneten Liste, können aber auch aus- bzw. eingeblendet werden.

- Boxen und Elemente wirken dynamischer als bisher und können teilweise direkt angepasst werden.

facebooktabs
Profile werden mittels Reitern unterteilt.

Es gibt Dutzende weitere Änderungen, aber die vier genannten fallen besonders schnell ins Auge und unterscheiden sich nennenswert von der alten Funktionsweise. Farblich verändert sich nicht viel, und auch der Chat befindet sich wie bisher am unteren Browserrand. Der erste, auf die Profilseite beschränkte Eindruck offenbart keine gravierenden Schwächen, ein endgültiges Fazit lässt sich jedoch erst ziehen, wenn das neue Interface offiziell online ist.

Ob externe Entwickler mit dem neuen Layout zufrieden sind, ist fraglich. Durch das Verfrachten der Applikationen in einen nicht sofort sichtbaren Bereich ist mit einem starken Verlust von Einblendungen für die über 20 000 existierenden Anwendungen zu rechnen - aus Usersicht eher ein Grund zur Freude, weil dadurch mit belanglosen Apps zugepflasterte Profile der eigenen Kontakte der Vergangenheit angehören.

Durch das Entfernen der linken Navigationsleiste und der Verwendung eines horizontal platzierten Menüs mit ausklappbaren Optionen lehnt sich Facebook 2.0 an der Bedienoberfläche von Desktop-Software an, was kein Zufall ist. Mittelfristig möchte Facebook zu einer Art webbasiertem Betriebssystem werden. Dafür von Menschen über zwei Jahrzehnte verinnerlichte Verhaltensmuster in der Computeranwendung ausnutzen, erscheint da wie eine nicht abwegige Strategie.

Nicht nur für die Benutzer stationärer Computer wurde eine neue Oberfläche entwickelt. Besitzer eines iPhones können sich Facebooks neue Applikation für Apples Smartphone installieren. Screenshots gibt es bei Inside Facebook, ein großes Lob bei Techcrunch.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ingo

    schrieb am 11. Juli 2008 um 17:57 Uhr (#)

    Das neue Desgin ist genial. Der Hauptvorteil: Es ist wesentlich übersichtlicher und die Apps rücken in den Hintergrund. Gibt eh nur eine Handvoll sinnvoller Anwendungen Dritter.
    Ich hoffe es wird von den Nutzern angenommen und überzeugt den ein oder anderen User aus Deutschland, denn diese sind leider doch recht wenig in Facebook vertreten. StudiVZ & Co sind angesagte - leider.
    Facebook muss mehr anreize schaffen, das neue Design ist schon mal ein Anfang - denn wie im Beitrag geschrieben: der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

  2. Bernd

    schrieb am 12. Juli 2008 um 01:45 Uhr (#)

    “Die linke Navigationsleiste verschwindet komplett”

    Ja und warum setzt man das Logo dann nicht rüber und lässt es so in der Luft hängen?

    Facebook wird immer spartanischer, ein bischen Optik könnte nicht schaden anstatt nur billige Tabellenlayouts.


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