Wochenrückblick Nr. 27

Ronnie Grob, 6. Juli 2008 16:57 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Der medienlese.com-Rückblick auf die Kalenderwoche 27: Intellektuelle top, Blocher-Film geprüft, Schnäppchen schlagen.

Attentat auf Wachs-Hitler (Bild Keystone)

Das Bild der Woche: Im neu eröffneten Madame Tussauds in Berlin sass ein Wachs-Hitler im nachgebauten Führerbunker. Bis ein erboster Besucher der Figur den Kopf abriss. Die Medien sind begeistert: Hitler-Attentat! Endlich geglückt! (Bild Keystone/Rainer Jensen)

Die Top 5 der Intellektuellen weltweit heissen Fethullah Gülen, Muhammad Yunus, Yusuf Al-Qaradawi, Orhan Pamuk und Aitzaz Ahsan. Das jedenfalls kommt raus, wenn das amerikanische Newsmagazin Foreign Policy seine Online-Leser befragt. 20min.ch fragte: “Fethullah wer? Im Westen ist der je nach Quelle 1938 oder 1941 geborene Türke weitgehend unbekannt. Als freischaffender Theologe setzt er sich in zahlreichen Büchern für eine Modernisierung des Islam und für Toleranz ein.” Die Abstimmung massgeblich beeinflusst haben soll die Erwähung dieser auf der Titelseite einer türkischen Zeitung.

Die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) stellte mit 7:1 Stimmen fest, dass der Film der SF-Sendung “Reporter” über den Bruder von Christoph Blocher kurz vor den Wahlen sachgemäss und nicht manipulativ war. Blick.ch: “Obwohl auch die Mitglieder der UBI die Gleichsetzung der Weltbilder der beiden Brüder Blocher für problematisch hielten, folgten sie diesen Argumenten nicht. Insbesondere hielten sie den Film nicht für manipulativ, weil die Parlamentsmitglieder ihre Wahl nicht aufgrund eines Fernsehbeitrags fällten.”

Der Blick verirrte seine Leser mit einem Aushang, auf dem “So schlagen Sie der Teuerung ein Schnäppchen” stand und der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür intervenierte angesichts der Ärztebewertungs-Website okdoc.ch. Auch der Tages-Anzeiger schrieb einen seltsamen Satz, deren Sinn sich mir bis heute nicht erschlossen hat: “Eine Kommentatorin oder ein Kommentator in seinem Blog habe sich nämlich über eine lange Zeit in anderen Blogs und im Internet informiert und geben Teile dieses Wissens preis.” Hä?

Mehrere indische Zeitungen verbreiteten eine gefälschte Pressemitteilung. Um den Fall aufzuklären, hätte, so Medienblogs, eine einfache Suchanfrage genügt. Der Altersdurchschnitt der amerikanischen Fernsehzuschauer überschritt die magische Grenze von 50 Jahren. Ottmar Hitzfeld unterschrieb nach dem Vertrag mit dem schweizer Fussballverband auch einen mit dem Fernsehsender Premiere.

Meistgelesen diese Woche wurde unsere Aktion zur Abschaffung des Internets. Meistgeklickt bei “6 vor 9″ wurde der taz-Beitrag zu den gar nicht so neu entdeckten Amazonas-Indianern.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

6.4.2009, 0 Kommentare6 zur re:publica'09:
Frauen, Freaks oder Geeks

Der Abschluss der re:publica'09 in den Blogs: Wenn Frauen bloggen, kein Status Quo mehr, kein Bock auf Recherche, die Vorträge als Videos online.

3.4.2009, 0 Kommentare6 zur re:publica'09:
Leerlauf, Internetgemüse, Babykotze

Tag 2 der re:publica'09 in den Blogs: Was treibt die Blogger-Twitter-Internetgemüse-Riege? Warum ist das Babykotze-Panel genau richtig? Wann richten die Blogger ihren Fokus auf die Probleme unserer Zeit?

2.4.2009, 0 Kommentare6 zur re:publica'09:
Klowände, Augenringe, Hosenträger

Der Tag 1 der re:publica'09 in den Blogs: Helden in Hosenträgern, eine internetferne Elite, Augenringe. Und immer noch: Klowände.

11.5.2009, 2 KommentareLong Hello and Short Goodbye

Was für ein Spaß. Fast zwei Jahre habe ich, die eckige schwarze Hornimitatbrille auf der Nase, was mit Medien gemacht. Gegen Geld aus der Schweiz.

7.5.2009, 30 KommentareG wie Google:
"Wenn wir nur noch die Hälfte der Journalisten hätten, wären es immer noch zu viele"

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung widmet sich am 8. Mai 2009 der Zukunft der Medien. In Kooperation mit dem SZ-Magazin stellen wir hier ein Interview mit Jeff Jarvis zur Diskussion.

5.5.2009, 14 KommentareJournalismus 2.0:
Die Diskussion mitgestalten

Die Digitalisierung verändert mehr als das Medium. Was Journalisten tun können.

Wochenrückblick: NZZ, Heidenreich, Multikulti

4.1.2009, 1 KommentareWochenrückblick:
NZZ, Heidenreich, Multikulti

Bei der NZZ wird das Sparen konkret, Elke Heidenreich fehlen im Internet die Zuschauer, Radio Multikulti geht ins Netz und mehr in unserem ersten Wochenrückblick 2009.

Jahresrückblick 2008: Januar bis April

28.12.2008, 0 KommentareJahresrückblick 2008:
Januar bis April

Wahn in der Datenbahn, Scheiß-Privatfernsehen, Friedhof für Freie und noch viel mehr: Wir blicken zurück auf ein lesenswertes Jahr medienlese.com.

Wochenrückblick: Big in Berlin und Scheiß-Weihnachten

21.12.2008, 1 KommentareWochenrückblick:
Big in Berlin und Scheiß-Weihnachten

Schmidt und Pocher ohne Chance, unglaublich viele gute Bilder, Stellenabbau in Berlin und viel mehr noch in unserem Rückblick auf die vorletzte Woche des Jahres.

1 Kommentar

  1. arbiter
    schrieb am 6. Juli 2008 um 19:03 Uhr (#)

    Der indische Fake ist so ein Tier, von dem Satire lebt, bis selbst der Tiger in Eschnapur schmunzelt. Deutlich aber zeigt sich, das Phänomen der “Mediengläubigen” erstreckt sich keineswegs nur auf die Gemeinde, sondern ist Arbeitsprinzip ihres Klerus. Die Medienmacher tragen die Fahne stolz voran.

    @RONNIE GROB:

    “Eine Kommentatorin oder ein Kommentator in seinem Blog habe sich nämlich über eine lange Zeit in anderen Blogs und im Internet informiert und geben Teile dieses Wissens preis.?

    Vermutlich surft einer der Poster eifrig im Web umeinander, sammelt Eindrücke und Erkenntnisse und publiziert sie als Post in des Ministers Blog, so daß Monsieur was lernt/erfährt, als Bereicherung auffaßt. Wäre das nicht gar ein Nachweis für die Existenzberechtigung für Bloggs?!

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.